Berlin: 100 beste Plakate 12

Aus der zwölfteiligen Serie für das Wiener Musiklokal „rhiz“, Entwurf: 3007(= Eva Dranaz, Jochen Fill), 100 beste Plakate e. V. (Teilansicht)

Derzeit macht die Ausstellungstournee der „100 besten Plakate 12 – Deutschland Österreich Schweiz“ im Foyer des Berliner Kulturforums ihre erste Station. Bis zum 23. Juni 2013 sind dort jene 100 Plakate und Plakatserien zu sehen, die von der diesjährigen Jury – Christian Brändle (Zürich), Ronald Curchod (Toulouse), Joanna Górska (Warschau), Eike König (Berlin) und Josef Perndl (Wien) – aus insgesamt 1700 Einreichungen ausgewählt wurden. Von diesen 100 prämierten Arbeiten kommen 50 aus deutschen, 47 aus Schweizer und 3 aus österreichischen Ateliers. „Gut, aber wenig“ lautet also das Motto in Bezug auf die Wahl der drei österreichischen Plakate: Die beiden Arbeiten aus dem Atelier „3007“ (= Eva Dranaz, Jochen Fill) und das Blatt von Christof Nardin (unter Verwendung eines Fotos von Markus Oberndorfer) sind tatsächlich herausragend. Über das Vorgänger-Plakat zu dem nun ausgezeichneten Entwurf von Christof Nardin hat Christian Maryška auf „Austrian Posters“ bereits 2011 einen Beitrag verfasst, weil die Affiche auch eine Art Hommage an den bedeutenden österreichischen Grafikdesigner Georg Schmid darstellt.

Über dieses leider nun schon traditionelle ländermäßige Missverhältnis zuungunsten Österreichs ist hierzulande immer wieder diskutiert worden, und man kann verschiedene Theorien zur Erklärung dieses Phänomens entwickeln. Tatsache ist jedoch, dass sich über die Jahre die Juryentscheidungen in eine gewisse ästhetische Richtung entwickelt haben, die nicht immer mit der grundlegenden Funktion eines Plakates, nämlich für eine bestimmte Sache zu werben, in Einklang stehen. René Grohnert hat nicht nur als Eröffnungsredner bei der Vernissage in Berlin, sondern auch als Beiträger für das Begleitbuch zur Ausstellung kritische Worte zu manchen gegenwärtigen Tendenzen des Plakatdesigns gefunden: „Hielt man es lange Zeit für opportun, bei der Erfüllung der ‚Aufgabe Plakat‘ künstlerische Mittel zur Steigerung der Aufmerksamkeit und der ästhetischen Qualität zu verwenden, so scheint die Aufgabe des Plakats bei der Gestaltung mehr und mehr in den Hintergrund zu geraten. Zu häufig findet man Flächen ohne Sinn: Montagen, die virtuos bis zur Unkenntlichkeit getrieben werden, 12-Punkt kleine Schriften auf A0-Plakaten usw., die dem Betrachter keinerlei Chance lassen zu erfassen, worum es eigentlich geht.“ Mehr Transparenz in Bezug auf die Bewertungskriterien der Aktion soll, so Grohnert, durch die vor einiger Zeit eingeführte Kategorisierung der eingereichten Plakate erzielt werden.

Die Ausstellung „100 beste Plakate 12“ wird nach Berlin und Präsentationen in Nürnberg, Essen und Luzern vom 4. September bis zum 10. November 2013 auch im Wiener „MAK – Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst“ gezeigt.

Weitere Hinweise:
100 beste Plakate des Jahres – Deutschland Österreich Schweiz