Dutch Poster Museum: Die Sammlung Hans Sachs

Ausschnitt aus dem Ausstellungskatalog

Das niederländische Plakatmuseum zeigt – vielleicht zum letzten Mal in dieser Form möglich – eine Auswahl von Plakaten aus der ehemaligen Sammlung von Hans Sachs, die im letzten Jahr aus den Archiven des Deutschen Historischen Museums an den Sohn Peter Sachs zurückgegeben wurden – nach vielen Jahren juristischer Auseinandersetzung.

Blick in Sachs‘ Zimmer, Berlin, nach 1902. Die Nummern markieren die identifizierten Plakate (siehe die Liste der Plakate)

Blick in Sachs‘ Zimmer, Berlin, nach 1902. Die Nummern erscheinen in kurzer Zeit und markieren die identifizierten Plakate (siehe die Liste der Plakate)


Liste der Plakate in Sachs‘ Zimmer:

1 Robert Engels: Literarische Vereinigung
2 Momme Nissen: Schleswigsche Kunstausstellung
3 ?
4 Brothers Beggarstaff: Rowntree’s Elect Cocoa
5 ?
6 Jules Chéret: Pastilles Poncelet
7 Paul Berthon: Le Livre de Magda
8 Henri de Toulouse-Lautrec: Le Martin
9 Monogramm RB: Jim & Jam
10 Edmund Edel: Prosit Neujahr 1903
11 Georges Meunier: Automobiles Adler
12 Jules Alexandre Grün: Le Grand Guignol
13 Alphonse M. Mucha: La Dame aux Camelias
14 Albert Klinger: Konversationslexikon der Frau
15 Henri Claude Forestier: Con Cours international de Photographie Londres
16 Maximilian Dasio: Staendige Ausstellung Muenchner Kuenstler
17 Henri de Toulouse-Lautrec: Divan Japonaise
18 Gustav Klimt: I. Kunstausstellung Secession (zensierte Variante)
19 Franz von Stuck: Internationale Kunstausstellung Münchener Secession
20 Otto Fischer: Die Alte Stadt

Die nun gezeigten Blätter stammen aus dem Besitz von Peter Sachs, Alick Glass und Familie, Jack Rennert, Gielijn Escher, Vladislav Ginzburg und Familie, Antiquariat Vloemans und aus Privatbesitz.

Als ich letzten Sonntag nach Hoorn fuhr, da war mir nicht ganz klar, was mich erwartet, was ich fühlen würde, wenn ich nach so vielen Jahren die „bunten Freunde“ aus meiner beruflichen Anfangszeit wiedersehen würde – schließlich hat sich meine Plakatleidenschaft vor langer Zeit an ihnen entzündet. Zunächst allein in der Ausstellung fiel mir der überwiegend gebeutelte Zustand der Plakate auf und mir wurde wieder bewusst, was diese Blätter hinter sich haben, wie viele Menschen – im wörtlichen Sinne – ihre Fingerabdrücke darauf hinterlassen haben: Der Drucker, Hans Sachs, die Helfer der Nazis, die Archivare in Halle und Torgau, die Mitarbeiter des Museums für Deutsche Geschichte, Hellmut Rademacher und später ich dann, die Verantwortlichen im Deutschen Historischen Museum, die Auktionatoren von Guernsey’s – und wieder die der Familie Sachs und nun die der neuen Besitzer. So erzählen sie in ihrer Unvollkommenheit auch die Geschichte der Menschen die mit der Sammlung auf die eine oder andere Art zusammengetroffen sind und die der historischen Umstände.

Blick in die Ausstellung, zu sehen das Plakat von Gustav Klimt zur ersten Ausstellung der Wiener Secession, dieses Exemplar hing auch in Sachs‘ Zimmer in Berlin (siehe dort Nr. 18), Foto: René Grohnert rechts hinten noch ein österreichisches Wahlplakat der Sozialdemokraten aus dem Jahr 1919

Blick in die Ausstellung, zu sehen das Plakat von Gustav Klimt zur ersten Ausstellung der Wiener Secession, dieses Exemplar hing auch in Sachs‘ Zimmer in Berlin (siehe dort Nr. 18),  rechts hinten noch ein österreichisches Wahlplakat der Sozialdemokraten aus dem Jahr 1919 (Foto: René Grohnert)

Die Art der Präsentation in Hoorn ist zum einen sehr nahe an der Art, wie Hans Sachs mit seinen Plakaten wohnte (siehe das Foto Sachs in seinem Berliner Zimmer), zum anderen waren sie überwiegend nur durch eine Folie geschützt, an die Wand gepinnt. Dieser Kritikpunkt sei mir gestattet: Diese Art der Präsentation entspricht nicht dem Wert der Blätter und auch nicht dem Anspruch der Ausstellung. Dies schmälert aber die verdienstvolle Tat nur unwesentlich, besonders, wenn man den von Gielijn Escher gestalteten Katalog in die Hand nimmt – eine wunderbare Idee, daraus ein Sonderheft von „Das Plakat“ zu machen! Neben dem Schicksal der Sammlung Sachs werden auch andere Sammlungen und deren Schicksal beleuchtet, was den Katalog zu einem wertvollen Dokument macht, sind doch viele neue Fakten, neu bewertet und in neue Zusammenhänge gesetzt worden – dafür gilt Martijn Le Coultre besonderer Dank.

Der für mich bei weitem wichtigste Moment war die erstmalige Begegnung mit einem Mitglied der Familie Sachs, der mit der Urenkelin von Hans Sachs, Suzanne Glass. Sie brachte in einer sehr emotionalen Ansprache zum Ausdruck, was die Enteignung der Sammlung durch die Nazis für Sachs und seine Familie bedeutet – ein Leben lang, was die juristischen Auseinandersetzungen an Spuren und Meinungen hinterlassen haben. Im Anschluss gab es noch reichlich Gelegenheit, über Sachs, sein Schicksal und das seiner Sammlung zu sprechen – eine sehr berührende Begegnung.

Zum ersten Mal in meiner „Autofahrerkarriere“ lief auf einer langen Autofahrt keine Musik, kein Hörbuch, da waren kein Platz und keine Kapazität mehr neben den Gedanken an Sachs, sein Schicksal und das seiner Sammlung.

sachskatalog Katalog:

Affichenmuseum Nederland (Hrsg.): Hans Sachs and the Poster Revolution (Sonderheft Das Plakat), Hoorn 2013 (Englisch)

Mit Beiträgen von:
Suzanne Glass: Foreword
Martijn F. Le Coultre: The largest Poster Museum in the World
Hans Sachs: Meditations and reflections of a collector of artistic posters (Vortrag von 1957)
René Grohnert: The Final Chapter: the Collections of Dr. Hans Sachs between 1898 and 2013 / Appendix: The Verein der Plakatfreunde and Das Plakat; Bibliography of the writings of Dr. Hans J. Sachs
Robert K. Brown: The restitution of the collection of Julius Paul
Bernhard Denscher: Ottokar Mascha, a Viennese Connoisseur
Martijn F. Le Coultre: Walter von Zur Westen, King of Ex Libris
Martijn F. Le Coultre: Epilogue of Rudolf Bleistein

Weitere Hinweise:
Affiche Museum / Dutch Poster Museum

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