Korea Power: Design und Identität

Park Kum-jun, To be human: Soul, 2012, 601 bisang (Ausschnitt)

Spätestens seit der koreanische Rapper Psy im Jahr 2012 mit seinem getanzten Song „Gangnam Style“ international für Furore sorgte, wird die als K-Pop bezeichnete aktuelle südkoreanische Popmusik als weltumspannendes kulturelles Phänomen wahrgenommen. Aufgrund dieses Trends, aber auch aufgrund der großen Erfolge südkoreanischer Produkte, ist die Gestaltungskultur des ostasiatischen Landes zu einem interessanten Thema geworden. Nun haben die Verantwortlichen des Frankfurter „Museums für angewandte Kunst“ ihren Sinn für Aktualität bewiesen und widmen die Wiedereröffnungsausstellung des frischrenovierten Hauses dem Thema „Korea Power. Design und Identität“.

Zu der bemerkenswerten Schau ist auch ein überaus instruktives Begleitbuch auf Deutsch und Englisch erschienen, das weit über die Ausstellung hinaus Bestand haben wird. Dazu die beiden Kuratoren Klaus Klemp und Ahn Hehn-Chun: „Wir haben zahlreiche Koreanerinnen und Koreaner, die sich in Lehre und Praxis mit Design befassen, zu diesem Thema befragt. Zum ersten Mal kommen sie hier in einer umfassenden deutschsprachigen Publikation zu koreanischem Design zu Wort.“

Ausführlich wird neben den Themen Produktdesign, Designpositionen und Kunsthandwerk auch auf den Bereich des Kommunikationsdesigns eingegangen. Zur Attraktion von Ausstellung und Buch trägt bei, dass es den Kuratoren gelungen ist, auf das Archiv des 1924 geborenen Fotografen Kim Han-Yong zugreifen zu können. Denn Kim Han-Yong hat der koreanischen Werbelandschaft von den 1960er bis in die 1980er Jahre mit seinen zum Teil sehr skurrilen Aufnahmen entscheidende Impulse verliehen. Die in ihren Anfängen von japanischen Vorbildern geprägten koreanischen Comics und Animationsfilme haben mittlerweile in ihrer Eigenständigkeit bereits internationale Erfolge aufzuweisen. Auch das koreanische Plakatdesign kann japanische Einflüsse nicht verleugnen, was aber der Qualität der Arbeiten unverkennbar förderlich ist.

Die Ko-Kuratorin der Schau, Ahn Hehn-Chun, analysiert in ihrem Katalogbeitrag „Korea sehen – Reflexion zur Geschichte des koreanischen Grafikdesigns“ die gegenwärtige Situation in diesem Bereich folgendermaßen: „Das koreanische Grafikdesign ist eine Art Schaufenster, das allein schon aufgrund der turbulenten Geschichte des Landes eine abwechslungsreiche Entwicklung der Alltagsikonografie im Plakatwesen zeigt. Doch mit der Globalisierung und der damit einhergehenden Uniformisierung und Orientierungslosigkeit befindet sich das Grafikdesign in Korea, wie in vielen anderen Ländern auch, in einem Selbstfindungsprozess.“

Klemp, Klaus – Hehn-Chu Ahn – Matthias Wagner K (Hrsg.): Korea Power. Design und Identität, Berlin 2013.

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