Gustav E. Sonnewend

Er schuf eines der bis heute international bekanntesten Signets aus Österreich – allerdings wissen wohl nur einige wenige Spezialisten um seine Urheberschaft: Die Rede ist vom Tiroler Grafiker Gustav E. Sonnewend, der 1949 das Logo für die SOS-Kinderdörfer kreierte. Ihm ist der aktuelle Band der Publikationsserie „/design/er/leben/“ gewidmet, und es ist das unzweifelhafte Verdienst von Andreas Koop, der für die Serie verantwortlich ist, und von designaustria, den Herausgebern, derartige Lücken in der Dokumentation der österreichischen Designgeschichte zu füllen und entsprechendes Wissen zu sammeln und zu bewahren. So definiert auch der Geschäftsführer von designaustria, Severin Filek, die Motivation für das Projekt folgender­maßen: „Um zu verhindern, dass wertvolle kultur- und markengeschichtliche Informationen, Daten und Beispiele hervorragender Gestaltung verloren gehen, hat sich designaustria – das Informations- und Wissenszentrum für Design – dazu entschlossen, eine Dokumentationsreihe unter dem Titel ‚/design/er/leben/‘ über eine Auswahl großer Persönlichkeiten jener Generation herauszubringen, die in der Zeit des Wiederaufbaus und Wirtschaftsaufschwungs prägend war.“

Der am 12. Jänner 1927 in Innsbruck geborene Gustav E. Sonnewend gehört zweifellos zu dieser genannten Generation, die für Jahrzehnte die visuelle Kultur Österreichs prägten. Er studierte in Graz und Wien angewandte Grafik und in Innsbruck Kunstgeschichte. Nach Abschluss seiner Ausbildung begann Sonnewend als Assistent beim renommierten Tiroler Designer Arthur Zelger, 1958 gründete er ein eigenes Atelier. Von Anfang an war er mit Aufträgen mehr als ausgelastet. Neben den üblichen werbegrafischen Arbeiten engagierte sich Sonnewend auch sehr stark im Bereich des Messebaus und bei Gestaltungen von Ausstellungen. Er entwickelte ein sehr breites Angebotsspektrum, zu dem neben Briefmarken auch die Entwürfe von rund 100 Fahnen für den kirchlichen Jugendbereich gehörten. Seine Buchumschläge brachten Sonnewend in engen Kontakt mit dem Innsbrucker Tyrolia-Verlag, dessen Herstellungsleiter er dann im Jahr 1967 wurde. Bis zu seiner Pensionierung gestaltete er für den Verlag nicht weniger als 100 Bücher und prägte damit das Erscheinungsbild des Unternehmens in nachhaltiger Weise. In dieser Zeit brachte er auch Bildbände zum Thema Tirol mit vielen eigenen Fotografien heraus, womit auch der Untertitel von Andreas Koops Buches über Sonnewend, nämlich „Tirol in tausend Facetten“, hinreichend erklärt wäre.

Koop, Andreas: Gustav E. Sonnewend. Tirol in tausend Facetten, Wien 2013 (=/design/er/leben/, 9. Bd).

Gustav E. Sonnewend ist am 27. Februar 2017 in Innsbruck verstorben.

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