Österreichische Plakate

Ernst Gric, 1957

Alte Plakate können uns auf sehr anschauliche Weise das Leben vergangener Zeiten vergegenwärtigen. Denn gerade Plakate bieten, einfach von ihrer Aufgabe her, wichtige Aussagen möglichst eindrucksvoll und werbewirksam in Schlagworten und Bildern zu formulieren, oft mehr Information über eine Zeit als andere Geschichtsquellen. Schon um die Jahrhundertwende prophezeite Julius Klinger, einer der bedeutendsten österreichischen Gebrauchsgrafiker, dass derartige “Reklamekunst” keine Ewigkeitswerte wären, dass aber diese Arbeiten “vielleicht einst in 50 oder 100 Jahren starke Kulturdokumente sein werden für die Art, wie der Kaufmann anfangs des 20. Jahrhunderts seine Ware anpries”.

Das eigentliche farbige Bildplakat nach französischem Vorbild kam in Wien erst um 1890 auf. Hier erlebte die Plakatreklame um die Jahrhundertwende – vor allem im kommerziellen Bereich – einen großen Aufschwung. Bedeutende österreichische Grafiker widmeten sich dieser Form der angewandten Kunst.

In der Zwischenkriegszeit herrschte neben einer meist sehr einfallsreichen Firmenreklame und ausdrucksstarken Filmankündigungen vor allem das politische Plakat vor. Die oft rüden und sehr aggressiven Auseinandersetzungen der Parteien spiegelten sich lebhaft in der Wahlwerbung der zwanziger und dreißiger Jahre wider.

Die Härte der Auseinandersetzungen wurde allerdings von der Intensität der nationalsozialistischen Propaganda der späteren Jahre weitaus übertroffen.

Das Jahr 1945 brachte endlich die Befreiung von den faschistischen Machthabern – auch das Bild der Anschlagtafeln änderte sich schlagartig. Zunächst war der Papiermangel noch groß – hauptsächlich gab es Plakate und Kundmachungen der vier alliierten Besatzungsmächte, dann kam nach der Wiedererrichtung demokratischer Verhältnisse in Österreich die Werbung der politischen Parteien hinzu. Im Aufleben der kommerziellen Reklame zeichnete sich der Beginn des wirtschaftlichen Aufstiegs ab, aber auch Plakate für Filme, wie etwa für den “Dritten Mann”, werfen ein bezeichnendes Licht auf das Leben im Nachkriegs-Wien.

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