Gut zum Druck: Kunst und Werbung bei Wolfensberger

Ferdinand Hodler (links) korrigiert in der Graphischen Anstalt J. E. Wolfensberger die vom Atelierlithografen auf den Lithostein übertragene Zeichnung des „Schwörenden“. Neben ihm Sigismund Righini und Ernst Würtenberger, Zürich 1913

Die Druckerei Wolfensberger, der eine aktuelle Ausstellung im Landesmuseum Zürich gewidmet ist, gehörte zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu den Kristallisationspunkten der modernen Druckgrafik in der Schweiz. Das hier versammelte Know-how bestimmte wesentlich über die Qualität der Umsetzung der Entwürfe, insbesondere der für Plakate. Auch hier entstand letztlich der hohe grafische Standard, der das Schweizer Plakat – bis heute – auszeichnet.

J.E. Wolfensberger (1873-1944) war nicht nur Gründer und Patron der Druckerei, sondern auch gefürchtetes und respektiertes Vorbild, über den man als „den großen Wolf“ sprach. Als Wolfensberger dann in ein neues Haus (Wohn- und Geschäftsgebäude zugleich) zog, war der Name des Hauses schnell gefunden: „Wolfsberg“. Bekannt wurde diese Bezeichnung vor allem im Zusammenhang mit der im Haus seit 1911 agierenden Galerie, dem Kunstsalon. Dort herrschte bis in die 1930er Jahre hinein ein reger Ausstellungsbetrieb, der dann 1944 (mit dem Tod von J.E. Wolfensberger) eingestellt und 1948 wieder aufgenommen wurde.

Burkhard Mangold. „Der Wolf zieht um“. Umzugsplakat zur Neueröffnung der Graphischen Anstalt J. E. Wolfensberger, Zürich: Wolfensberger, 1911

Burkhard Mangold. „Der Wolf zieht um“. Umzugsplakat zur Neueröffnung der Graphischen Anstalt J. E. Wolfensberger, Zürich: Wolfensberger, 1911

Andere Druckereien, wie etwa J. Weiner in Wien und Hollerbaum & Schmidt in Berlin oder Schön & Maison in München, spielten in ihren Ländern und Regionen eine jeweils vergleichbar innovative Rolle. Von ihnen wurde das von Jules Chéret (1836-1932) in den 1860er Jahren zur Plakatreife entwickelte, farblithografische Verfahren aufgegriffen und den spezifischen Gegebenheiten (Papier- und Farbherstellung zum Beispiel) sowie den Bedürfnissen ihrer Länder angepasst und neue Organisationsstrukturen für eine wachsende, nicht nur gestalterische, sondern auch handwerklich kreative Qualität der Erzeugnisse erarbeitet.

Es ist verdienstvoll, einem solchen Unternehmen durch Aufarbeitung seiner Geschichte einen sicheren Platz in der Geschichte der Druckgrafik zu geben. Schade nur, dass man am Landesmuseum in Zürich zunächst keinen Hinweis auf die Ausstellung findet, auch im Museum selbst nahezu kein Hinweis, fast ein Geheimtipp – denn erst auf Nachfrage findet man den Weg. Hat man die Ausstellung dann gefunden (durch die Sammlungsgalerie zum Fahrstuhl, dann in den zweiten Stock), so wird man gleich von einem Lithostein empfangen, auf dem Ferdinand Hodlers (1853-1918) „Tell“ zu sehen ist, dazu ein Foto aus dem Jahre 1911, wie Hodler letzte Hand an die vom Lithografen übertragene Zeichnung legt. Es folgen mehrere Kabinetträume, in denen in chronologischer Abfolge (von 1911 bis in die Gegenwart) die Geschichte von Wolfensberger abgehandelt wird. In dichter Präsentation finden sich Präziosen des Schweizer Plakats, der Druckgrafik und zahlreiche von Wolfensberger gedruckte Bücher. Im letzten Raum kann man die Lithosteine (samt Zustandsdrucken) bestaunen, von denen das von Samuel Buri (*1935) entworfene und direkt auf die Steine gezeichnete Ausstellungsplakat gedruckt wurde.

Zur Ausstellung ist ein gleichnamiger Katalog erschienen. In kenntnisreichen Abhandlungen werden zahlreiche Details beschrieben, allerdings fehlt mir hier der Zusammenschluss aller Fakten zu einem überschaubaren Gesamtbild. Trotzdem ist die Sicht auf die Firmengeschichte, die ja gleichzeitig auch einen Teil der Plakatgeschichte einschliesst, ausdrücklich zur Nachahmung empfohlen, denn die verdienstvolle Arbeit und die handwerklichen Innovationen der meisten wichtigen Druckereien waren bisher eher selten Gegenstand der Plakatgeschichtsschreibung.

„Gut zum Druck“ (GzD) ist die Abkürzung für die Freigabe des Referenzdruckbogens für den Druck der Auflage. Dieser Vermerk wird mit Datum und Unterschrift auf einem speziellen Bogen bei Wolfensberger vermerkt und archiviert. Es dürfte eine illustre Autografensammlung entstanden sein, Otto Baumberger (1889-1961), Emil Cardinaux (1877-1936), Ferdinand Hodler, Hans Erni (*1909), Oskar Kokoschka (1886-1980) …

Weitere Hinweise:
Schweizerisches Nationalmuseum