London: Underground Design

Links ein Julius Klinger-Plakat (1929) und rechts davon ein Entwurf von Alan Rogers (1930), (Beide Fotos: B. Denscher)

London besitzt das älteste U-Bahn-System der Welt und feiert heuer dessen 150-jähriges Bestehen mit verschiedenen Aktivitäten. Eines der nachhaltigsten Projekte in diesem Zusammenhang ist die sehenswerte Ausstellung „Poster Art 150 – London Underground’s Greatest Designs“ im „London Transport Museum“, die noch bis 5. Januar 2014 zu besichtigen ist.

Aus dem Gesamtbestand von 3300 U-Bahn-Plakaten hat eine prominente Fachjury, zu der Expertinnen und Experten wie Catherine Flood, Paul Rennie oder Oliver Green gehörten, 150 besonders interessante Exemplare ausgewählt, die nun den Inhalt der Ausstellung bilden. Die Schau bietet so ein faszinierendes Kaleidoskop, in dem sich die englische Kulturgeschichte von eineinhalb Jahrhunderten widerspiegelt. Immer wieder wurde da etwa für Reklame in der Underground geworben oder es wurden die klimatischen Vorteile des U-Bahn-Transportes („no wet – no cold“) angepriesen. Die Passagiere wurden aufgefordert, zwischen „10 and 4“ zu shoppen, um nicht in die rush hours zu kommen, zu den unterschiedlichsten sportlichen und kulturellen Veranstaltungen mit der „Tube“, wie die U-Bahn in London genannt wird, anzureisen oder auch der Stadt unterirdisch zu entkommen: „By underground to fresh air“.

Die Verantwortlichen setzten von Anfang an – sowohl was Architektur als auch Beschriftungen und Werbung betrifft – auf bestes Design. So sind in der Ausstellung „Poster Art 150“ die wichtigsten britischen Grafikerinnen und Grafiker ihrer Zeit vertreten. Aber auch prominente internationale Exponenten des Metiers konnten, etwa mit Man Ray oder László Moholy-Nagy, gewonnen werden.

„Poster Art 150“ im „London Transport Museum“

„Poster Art 150“ im „London Transport Museum“

Auch der Österreicher Julius Klinger, der schon vor dem Ersten Weltkrieg in Berlin große Anerkennung erlangt hatte, erhielt von London Underground einen Auftrag. Klinger schuf zwei beachtliche Arbeiten, von denen eine in der Ausstellung zu sehen ist. Das ist insofern bemerkenswert, als in der einschlägigen Literatur zwar bekannt war, dass Klinger Plakate für die Londoner Underground entworfen hatte, der Beleg, ob diese aber auch tatsächlich ausgeführt worden sind, fehlte jedoch bisher. Weder in einer der hervorragend aufgearbeiteten österreichischen Plakatsammlungen noch im umfangreichen Klinger-Bestand der Berliner Kunstbibliothek gibt es davon Drucke.

Im Fachmagazin „Österreichische Reklame“ finden sich im August 1929 zwei kleine Abbildungen von den Klinger-Entwürfen für London mit dem Hinweis, dass die beiden Arbeiten mit der damals relativ hohen Summe von 7000 österreichischen Schilling „honoriert“ worden seien und man daran sehe könne, „wie man im Ausland österreichische Gebrauchs-Graphik bewertet“. In der von Anita Kühnel 1997 herausgegebenen Publikation über Klinger ist ein vom Grafiker selbst verfasster Lebenslauf reproduziert, in dem es dazu heißt, dass er 1929 von der „London Underground“ einen Auftrag erhalten habe, wobei er wörtlich vermerkt: „Ehrenhonorar 1000 Dollar“.

Die Ausstellungsmacher des „London Transport Museums“ sind sich offensichtlich nicht ganz bewusst, welche Rarität sie mit diesem Blatt besitzen. Die Arbeit ist zwar prominent gehängt, im Begleittext zur Schau heißt es jedoch dazu: „Klinger was an Austrian designer whose work was influenced by innovations in contemporary European design and typography, especially those originating from the Bauhaus school in Germany.“ Dem kann man so nicht zustimmen, denn Julius Klinger war als Vertreter des „Berliner Sachplakates“ Anfang des 20. Jahrhunderts in Wahrheit einer jener Gestalter, die in ihrem Reduktionismus das moderne Design der folgenden Jahrzehnte und so auch die Vertreter des Bauhauses nachhaltig beeinflussten.

Poster Art 150. London Underground’s Greatest Designs, London 2013.

Weitere Hinweise:
London Transport Museum

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