Literaturhaus Wien: Erich Fried im Großformat

Plakatausstellung im Literaturhaus Wien (Foto: B. Denscher)

„Deutscher Dichter“ – das gab der siebzehnjährige aus Österreich vor den Nazis geflohene Erich Fried vor einem Mitarbeiter des britischen Jewish Refugee Committees als seinen Berufswunsch an. Es sollte noch lange Jahre dauern, bis diese für manche – angesichts der damaligen Situation – wohl seltsam anmutende Idee Realität werden konnte. Längst aber gilt der 1921 in Wien geborene Erich Fried als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Lyriker. So sehr sich der offizielle Literaturbetrieb mit dem Quer-denker und -schreiber schwer tat und ihn oft auch gezielt boykottierte, so schnell wurde Fried von der jungen Linken rezipiert und verehrt. Treffend vermerkte sein Verleger Klaus Wagenbach dazu: „Eingebürgert hat ihn in dieser Zeit die Studentenbewegung, also jene jungen Leute, deren Leistung für die geistige und politische Entrümpelung Deutschlands gerne unterschätzt wird. So wurde Erich Fried, mit Knotenstock und Plastiktüte, zum unermüdlichen ‚Reiserabbi‘: Keine Infogruppe, deren Einladung er nicht angenommen, kaum ein Ort, den er nicht besucht, kaum eine Diskussion, an der er nicht zum Schluß teilgenommen hätte.“

Die Ausstellung „Erich Fried im Großformat“ im Literaturhaus Wien zeigt noch bis 30. Jänner 2014, wie sich das unermüdliche literarische und politische Engagement Erich Frieds auch in zahlreichen Plakaten manifestierte. Aus Anlass des 25. Todestages des Dichters haben der Verwalter des Fried-Nachlasses am Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek, Volker Kaukoreit, und die Literaturwissenschaftlerin Tanja Gausterer eine überaus interessante Schau zusammengestellt: Originale Lesungs-, Verlags-, Theater-, Gedicht-, und Ausstellungsplakate mit ergänzenden Fotos und Zeitungsausschnitten sowie passende Ton- und Filmdokumente bilden den Inhalt der Ausstellung. Die Präsentation beweist allerdings auch, wie intensiv Erich Fried in Deutschland ab den späten 1960er Jahren rezipiert worden ist, während sein Werk in Österreich noch lange Zeit sträflich vernachlässigt blieb.

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