Werbung für das blaue Meer

Ausschnitt aus dem Plakat für die Abbazia Sport Woche von Stephanie Glax, 1912, Wien Museum

„Österreich hat sich spät der blauen Schatzkammer, die es an den Gestaden der Adria besitzt – der Küsten Istriens und Dalmatiens – erinnert, aber umso rascher sind jetzt, da die Tore dahin weit geöffnet sind, die Reisewilligen der Lockung gefolgt, die dieses österreichische Meer mit seinen an norwegische Fjordlandschaften gemahnenden Küstenszenerien auf alle ausübt.“ Dieser Satz findet sich in einem Booklet der Seefahrtsgesellschaft „Österreichischer Lloyd“ aus dem Jahr 1912. Zitiert hat ihn Christian Maryška in seinem Artikel über die Tourismuswerbung für die Seeorte der oberen Adria, publiziert in dem insgesamt lesenswerten Katalog „Österreichische Rivera. Wien entdeckt das Meer“, der zu der gleichnamigen Ausstellung im Wien Museum erschienen ist.

Mit dem Begriff „Österreichische Riviera“ wurde anfänglich der Küstenabschnitt bei Abbazia/Opatija bezeichnet, dann bald die gesamte Küste bis ins südliche Dubrovnik/Ragusa und bis ins nördliche Grado. „Österreichisch“ deshalb, weil die Gebiete bis 1918 zur Österreich-Ungarischen Monarchie gehörten, und „Riviera“, weil die malerische Küstenlandschaft in diesem Gebiet sehr an die „echte“ Riviera in Italien erinnert.

Die um die Jahrhundertwende neue Tourismusregion wurde in verschiedener Form beworben, auch wenn die Produktion von Plakaten für diese Destinationen – wie Maryška in seinem Beitrag vermerkt – zur Zeit der Monarchie noch relativ bescheiden war: „Während sich für die böhmischen Kurbäder, die innerösterreichischen Sommerfrischen und diverse Grandhotels in anderen Kronländern eine größere Anzahl an Affichen nachweisen lassen, kann man die Plakatsujets zum Thema Adriatourismus an zwei Händen abzählen.“

Josef Maria Auchentaller, Seebad Grado, Plakat, 1906, Wien Museum

Josef Maria Auchentaller, Seebad Grado, Plakat, 1906, Wien Museum

Was die diesbezügliche Plakatproduktion an Quantität vermissen lässt, holt sie, wie die Ausstellung im Wien Museum zeigt, an Qualität wieder ein. Das Grado-Plakat des Secessionskünstlers Josef Maria Auchentaller etwa wurde zu einer Ikone österreichischen Grafikdesigns.

Besonderes Augenmerk wird in der Schau auf die Künstlerin Stephanie Glax (1876–1952) gelegt, was dem KuratorInnenteam Nadia Rapp-Wimberger und Christian Rapp besonders hoch anzurechnen ist. Glax war die Tochter des Kurarztes von Abbazia und widmete einen Teil ihres Talentes der Bewerbung der „österreichischen Adria“ in Form von Grafiken, Broschüren und Plakaten. Die in Wien, München und Paris ausgebildete Künstlerin gehört damit zu den frühesten und erfolgreichsten Frauen im Bereich der Gebrauchsgrafik. Ihr Plakat für die „Abbazia Sport Woche“ aus dem Jahr 1912 zum Beispiel ist von einer für das damalige Österreich erstaunlichen Modernität – nicht zufällig signierte die Grafikerin die Arbeit mit „S. Glax, Paris“.

Maryška, Christian: „… und dann wieder das blaue Meer“. Zum Bildinventar der Tourismuswerbung für die österreichische Riviera, in: Rapp, Christian – Nadia Rapp-Wimberger (Hrsg.): Österreichische Riviera. Wien entdeckt das Meer, Wien 2013, S. 96ff.

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