Japonismus auf Europas Bühnen

Collage von Theaterzetteln und -plakaten in der Ausstellung des Theatermuseums (Foto: B. Denscher)

Japonismus nennt man jenen kulturellen Einfluss des fernöstlichen Landes auf Europa, der sich in der zweiten Hälfte des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts deutlich bemerkbar machte. Wesentliche Impulse dazu waren von den Weltausstellungen in Paris, London und auch in Wien ausgegangen, wo sich das zuvor lange vom Ausland abgeschottete Japan wirkungsvoll international präsentierte.

In der Wiener Kunst der Jahrhundertwende hinterließ dieser asiatische Einfluss besonders deutliche Spuren, wie man etwa an Arbeiten von Gustav Klimt, Kolo Moser oder Josef Hoffmann und vielen anderen deutlich ablesen kann. Schon 1990 widmete das Wiener Museum für angewandte Kunst dem Thema unter dem Titel „Verborgene Impressionen“ eine wegweisende Präsentation. Nunmehr spürt das Österreichische Theatermuseum in seiner aktuellen Ausstellung unter dem Titel „Im Rausch der Kirschblüten“ dem japanischen Einfluss auf die europäische Theaterlandschaft nach. Es ist dies ein – wie die Schau zeigt – überaus ergiebiges Thema. Die Kuratorin des Projektes, Daniela Franke, meint dazu im liebevoll bibliophil ausgestatteten Begleitbuch zur Ausstellung: „Bis heute ist das Japanbild von Stereotypen geprägt, die sowohl inhaltlich wie formal Eingang in die europäischen Bühnenwerke gefunden haben.“

Einen entscheidenden Einfluss auf die europäische Japanmode im Unterhaltungstheater hatte die legendäre Comic Opera „The Mikado“ von Gilbert und Sullivan, die 1885 in London uraufgeführt worden war. Bereits ein Jahr später gab die englische „D’Oyly Carte’s Opera Company“ mit dem Erfolgsstück ein erfolgreiches Gastspiel in Wien, und es dauerte nicht lange, bis „Der Mikado“ im Carl-Theater in einer deutschsprachigen Fassung herausgebracht wurde. Parodien und andere japanisch-exotisch beeinflusste Operetten und Theaterstücke folgten. Das meiste davon wurde – den Gesetzen der Entertainment-Industrie folgend – mit Plakaten heftig beworben. Das trug naturgemäß zu einer weiteren Verbreitung des Japonismus, des „Rausches der Kirschblüten“, in Europa bei – und dies sowohl in inhaltlicher als auch formaler Hinsicht. Im Jahr 1900 schrieb Richard Muther angesichts der legendär gewordenen Japan-Ausstellung in der Wiener Secession: „Unter japanischem Einfluss entstand das europäische Plakat, das seinerseits wieder der Vorbote einer neuen stilisierenden Monumentalmalerei zu sein scheint.“