Wien: Franz von Zülow

Franz von Zülow, Papiertheater „Jerusalem“, 1934, Tusche, Aquarell (Foto: © MAK/Georg Mayer)

Die Programmierung des kleinen Kunstblättersaales im Wiener Museum für angewandte Kunst (MAK) bietet seit Jahren eine spannende Alternative zum Programm vieler anderer, eher mainstream-orientierter Wiener Museen und betreibt mit seinem vermeintlichen „Nischenprogramm“ in Wahrheit die Kernaufgabe des MAK.

Derzeit ist hier anlässlich des 130. Geburtstages und 50. Todestages von Franz von Zülow (1883–1963) eine Schau über eine interessante Facette in dessen Werk zu sehen. „Dieses Doppeljubiläum“, so Direktor Christoph Thun-Hohenstein in seinem Beitrag zum Ausstellungskatalog, „ist für das MAK auch ein doppelter Ansporn – nämlich einen noch immer viel zu wenig bekannten Künstler als herausragenden ‚Angewandten‘ ins Scheinwerferlicht zu rücken und zugleich durch Fokussierung auf einen speziellen Ausschnitt seines vielfältigen Schaffens (oft kleinteilige grafische Arbeiten und kunstvoll gefaltete Papiergebilde) dessen Qualitäten exemplarisch erfahrbar und verständlich zu machen.“

Das hier definierte Ziel wurde von der Ausstellungs-Kuratorin Kathrin Pokorny-Nagel mehr als erreicht. In der Schau wird eine Reihe bunter und phantasievoller Papierarbeiten von Franz von Zülow in dichter Folge gezeigt, im ergänzend dazu erschienenen Katalog Leben und Werk des Künstlers in kompetenter Weise dargestellt.

Franz von Zülow, Monatsheft, Februar 1910, Papierschnittdruck, © MAK

Franz von Zülow, Monatsheft, Februar 1910, Papierschnittdruck, © MAK

Ausstellung und Katalog bieten reichlich Gelegenheit, sich mit dem Facettenreichtum und der Komplexität österreichischer „Moderne“ des 20. Jahrhunderts differenziert auseinanderzusetzen. Denn Franz von Zülow war modern und konservativ zugleich, ein Vertreter der Wiener Werkstätte, geachtet von den Vertretern des Roten Wiens sowie von den Proponenten des Ständestaates, erhielt er zum einen Aufträge für die künstlerische Ausgestaltung von Wiener Gemeindebauten und zum anderen auch von alpiner Architektur.

Stilistisch war sein Werk – besonders in den Arbeiten auf Papier – in oft raffinierter Weise mit einer scheinbaren bäuerlichen Naivität verbunden. Hin und wieder wurde seine Arbeit auch mit der Kunst des französischen Zöllners Henri Rousseau verglichen.

Peter Baum hat es in seiner 1980 erschienenen, überaus verdienstvollen Monografie zu Zülow auf den Punkt gebracht: „Versucht man Zülow über das Technische hinaus zu charakterisieren, so fällt in Verbindung mit Einfachheit und Schlichtheit früher oder später auch der ungenaue Begriff des ‚Naiven‘. Man kann in diesem, hier allerdings auf den Bedingungen einer professionell entwickelten Kunst beruhenden Merkmal einen wichtigen Grundzug seines Gesamtwerkes sehen“.

Baum, Peter: Franz von Zülow 1883-1963, Wien 1980.
Thun-Hohenstein, Christoph – Kathrin Pokorny-Nagel (Hrsg.): Franz von Zülow Papier Paper, Wien 2013.

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