Wilhelm Deffke

Wilhelm Deffke, Entwurf für die Gestaltung eines Reemtsma-Lieferwagens, 1920, Scherenschnitt, Papier, Nachlass Wilhelm Deffke, Mappe III, Tafel Nr. 220 (© Bröhan Design Foundation)

Nach einer Ausstellung über den „Logopionier Wilhelm Deffke“ im Folkwang Museum in Essen ist nun ein beeindruckender Sammelband zu Leben und Werk des deutschen Grafikdesigners im Züricher Verlag Scheidegger & Spiess erschienen. In exemplarischer Weise werden darin von Expertinnen und Experten die verschiedensten Aspekte im Schaffen des Grafikers, Architekten sowie Plakat- und Buchgestalters aufgearbeitet. Herausgegeben wurde das Werk von der „Bröhan Design Foundation“ in Berlin. Dazu deren Gründer Torsten Bröhan im Vorwort des Bandes: „Selbst wenn Deffkes Werk animiert, sich mit dessen sozioökonomischer Relevanz in der modernen Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft zu beschäftigen, möchten wir uns in diesem Buch auf die gestaltungshistorische Bedeutung des Logoentwicklers Deffke beschränken. Wir wollen versuchen, anhand seiner künstlerischen Entwicklungsphasen Deffkes einzigartige Leistung als Pionier des modernen Logos, auch im Kontext mit seinen zeitgenössischen Künstlerkollegen, herauszustellen.“

Die einzelnen Beiträge reichen dabei von biografischen Studien bis zu beispielhaften Einzeldarstellungen von Deffkes Projekten, wie etwa für die Stadt Wuppertal oder die Zigarettenproduzenten Reemtsma, Tesma und Manoli. Den von Wilhelm Deffke entworfenen Plakaten ist ein eigener Artikel von René Grohnert gewidmet. Der Autor betont darin, dass das Medium Plakat im Oeuvre von Wilhelm Deffke quantitativ gesehen eine nicht so große Rolle spiele: „Trotzdem“, so Grohnert, „erstrecken sich seine Plakatentwürfe über den gesamten Schaffenszeitraum, dies wohl vor allem, da er das Plakat jeweils auch als Teil einer werblichen Gesamtstrategie betrachtete.“

Wilhelm Deffke, Plakatentwurf für den Wettbewerb Deutsche Werkbundausstellung Köln, 1914, Kennwort „Hinkefuß“, ein Erster Preis, 1913, Buchdruck auf Papier, Motiv: 15,7 x 22,3 cm, Blatt: 16,1 x 22,8 cm, Nachlass Wilhelm Deffke, Mappe II, Tafel Nr. 122 (© Bröhan Design Foundation)

Wilhelm Deffke, Plakatentwurf für den Wettbewerb Deutsche Werkbundausstellung Köln, 1914, Nachlass Wilhelm Deffke, Mappe II, Tafel Nr. 122 (© Bröhan Design Foundation)

In Zusammenhang mit der Ausstellung und dem Buch wurde immer wieder eine Aussage des renommierten Designexperten Steven Heller zitiert, der Deffke als „Father of the Modern Logo“ bezeichnet hat. Heller behauptet allerdings auch, dass Wilhlem Deffke der Entwerfer des Hakenkreuzes als Symbol der NSDAP gewesen sei und stützt sich dabei auf eine Aussage von Maria Tress, einer früheren Ateliermitarbeiterin Deffkes und auf das im Jahr 1918 von Wilhelm Deffke herausgegebene Werk „Handelsmarken und Fabrikzeichen“. Darin findet sich die Abbildung eines rechtsdrehenden Hakenkreuzes mit dem Vermerk „Fyrfos, Swastika, Hakenkreuz. Mystisches Schrift- und Heilzeichen. Die Urmarke der Arier“.

Torsten Bröhan vertritt in seinem bereits zitierten Vorwort die Meinung, dass die Sichtweise Hellers nicht stimmen könne. In diesem Zusammenhang wird auch gegen die angebliche Urheberschaft Deffkes immer wieder ins Treffen geführt, dass er nach der Machtergreifung der Nazis in Deutschland im Jahr 1933 als Professor und Direktor der Kunstgewerbeschule in Magdeburg entlassen worden sei und er diese Stellung erst nach dem Krieg wieder erlangen hätte können.

Wie schwierig für uns heute die damalige Situation zu bewerten ist, beweist der Umstand, dass Deffke, obwohl von den Nazis in seiner beruflichen Funktion entlassen, am 1. Mai 1933 in die NSDAP aufgenommen wurde. Dass Wilhelm Deffke der Entwerfer des Nazi-Hakenkreuzes war, ist aufgrund der jetzigen Quellenlage nicht zu beweisen. Schon Andreas Koop hat in seiner Untersuchung „NSCI. Das visuelle Erscheinungsbild der Nationalsozialisten 1920-1945“ festgestellt, dass die Anfänge des Parteizeichens im Dunkeln liegen. Die Tatsache, dass offenbar bis heute nicht geklärt ist, auf wen die Gestaltung des Hakenkreuz-Logos der Nationalsozialisten zurückgeht, zeigt, wie stark und nachhaltig die Kräfte der Selbstmythisierung der Nazi-Bewegung gewirkt haben. Wie etwa auch die Herkunft des „Führers“ in gewisser Weise ein Geheimnis war, so sollte offenbar auch die archaische Wucht des Swastika-Emblems nicht durch nüchterne designhistorische Details profaniert werden, weshalb es auch diesbezüglich keine nachvollziehbaren Unterlagen gibt.

Es ist eine der Qualitäten des Bandes „Wilhelm Deffke. Pionier des modernen Logos“, dass – obwohl darin derartige Fragen auch nicht endgültig beantwortet werden können – die Publikation reichlich Dokumentationsmaterial und Analysen für weitere wissenschaftliche Diskurse im Bereich der europäischen Designgeschichte bietet. Mit seinen über 600 Abbildungen enthält das Buch darüber hinaus reichlich Anschauungsmaterial zum umfassenden und innovativen Lebenswerk von Wilhelm Deffke.

Wilhelm Deffke. Pionier des modernen Logos, Zürich 2014.