Erster Weltkrieg: Jubel & Elend

Eingang zur Ausstellung auf der Schallaburg (Foto: B. Denscher)

Im prächtigen niederösterreichischen Renaissanceschloss Schallaburg wird derzeit die sehenswerte Ausstellung „Jubel & Elend. Leben mit dem großen Krieg 1914 – 1918“ gezeigt. Im österreichischen Veranstaltungsreigen aus Anlass des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren sticht diese Präsentation aufgrund ihres umfassenden Konzeptes und ihrer präzisen Gestaltung besonders positiv hervor. Inhaltlich wird hier das Phänomen dieses Krieges weit über die Grenzen Österreichs hinaus thematisiert, und man beschränkt sich dabei nicht auf das Modell traditioneller Herrscher-Geschichtsschreibung. Anhand von autobiografischen Aufzeichnungen aus verschiedenen Ländern wird – ähnlich, wie das Peter Englund in seinem Buch „Schönheit und Schrecken“ tut – gezeigt, was der Krieg für das Leben „normaler“ Menschen bedeutete. „Die Ausstellung sucht“, so die beiden verantwortlichen Kuratoren Christian Rapp und Peter Fritz, „Gegensätzen und Widersprüchen des Ersten Weltkrieges Rechnung zu tragen. Dies wird bereits in ihrem Titel zum Ausdruck gebracht. Jubel und Elend waren von Kriegsbeginn an gleichermaßen auszumachen. Die einen zogen jubelnd in den Krieg, die anderen sahen die kommenden Schrecken bereits voraus. Der Widerspruch prägte auch die folgenden Jahre: von den ersten Toten, auf deren Kosten die ersten Siege gefeiert wurden, bis zum Ende, an dem Zusammenbruch und Neubeginn, Hungersnot und Siegesfeiern miteinander verquickt waren.“

Aus der Ausstellung: Beginn des Kriegs (Foto: Andreas Jakwerth)

Aus der Ausstellung: Beginn des Kriegs (Foto: Andreas Jakwerth)

Die in der Ausstellung präsentierten Quellen und Dokumente sind sehr unterschiedlicher Natur, aber stets von einer besonderen Aussagekraft. So haben sich die Verantwortlichen nicht nur auf die Bestände öffentlicher Institutionen beschränkt, sondern eine breit angelegte Sammelaktion organisiert, bei der private LeihgeberInnen insgesamt 4.500 Objekte anboten, die in der Folge in einer Datenbank erfasst wurden. Davon werden nun nicht weniger als 120 Stück in der Schau präsentiert. Neben diesen Exponaten aus Privatbesitz sind Raritäten aus nationalen wie internationalen Museen ebenso zu sehen wie Originale von Egon Schiele, Alfons Walde, Albin Egger-Lienz, Oskar Kokoschka oder Käthe Kollwitz.

„Welt in Uniform“ (Foto: Andreas Jakwerth)

„Welt in Uniform“ (Foto: Andreas Jakwerth)

Naturgemäß enthält die Ausstellung auch zahlreiche Plakate: Der Bogen reicht dabei von der Kriegserklärung bis zur öffentlichen Verzichtserklärung Kaiser Karls vom 11. November 1918. Die meisten diesbezüglichen Beispiele stammen aus der hervorragenden Sammlung von Erik Eybl, der auch Objektbeschreibungen für Ausstellung und Katalog beisteuerte. Als besonders positiv ist hervorzuheben, wie die AusstellungsgestalterInnen mit der „Quelle Plakat“ umgegangen sind. Denn in der Schau auf der Schallaburg werden die Affichen nicht – wie so oft in Ausstellungen – bloß als Zusatzillustrationen beliebig eingestreut, sondern vielmehr als das behandelt, was sie auch tatsächlich sind: nämlich eminent aussagekräftige Dokumente über die Zeit, aus der sie stammen.

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