Hamburg: Krieg und Propaganda

Ausstellungsansicht (Foto: Michaela Hille)

Einen essentiellen Beitrag zu den Gedenkaktivitäten in Zusammenhang mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren bietet derzeit das „Museum für Kunst und Gewerbe“ in Hamburg. Mit über 400 Exponaten werden die Strategien und Methoden der Propaganda in den wesentlichen kriegführenden Staaten beleuchtet.

In der Schau wird der Erste Weltkrieg als erstes massenmedial vermitteltes globales Ereignis der Moderne dargestellt und analysiert. Mit einer Vielfalt von unterschiedlichen Materialien – darunter Plakate, Ansichtskarten, Fotografien, Zeitschriftenillustrationen, Skulpturen, diverse Alltagsgegenstände, Kinderspielzeug, Patriotika, historische Tonaufnahmen und Musikbeispiele – wird ein breites Panorama der Zeit entworfen. Anhand der Propaganda der USA, die 1917 in den Krieg eingetreten waren, dokumentiert Ausstellungskurator Dennies Conrad die Bedeutung des Plakates in diesem Kampf um die Meinungen in einem seiner Katalogbeiträge: „Um beispielsweise die Zahl der Rekruten zu steigern, wurden Plakatkampagnen mit renommierten Werbegrafikern entwickelt. Eines der heute bekanntesten Motive ist der von James Montgomery Flagg gestaltete ‚Uncle Sam‘, dessen direkter Fingerzeig auf ein britisches Plakat der ersten Kriegsmonate Bezug nimmt. Andere Plakate glorifizierten die Rolle der Soldaten, beschworen die patriotische Bürgerpflicht oder warben – wie im Beispiel von Frederick Strothmann – mit bedrohlichen Zukunftsszenarien für den Erwerb von Kriegsanleihen. Dessen blutrünstiger deutscher ‚Hunne‘ greift über den Ozean hinweg gierig nach den Vereinigten Staaten. Mit mehr als 100 Millionen vertriebenen Plakaten und Flugblättern entwickelte die Propagandakampagne des CPI [Federal Committee on Public Information] eine enorme Präsenz in der amerikanischen Öffentlichkeit.“

Das reichhaltige Material zur Propaganda im Ersten Weltkrieg, das man im Hamburger „Museum für Kunst und Gewerbe“ sehen kann, ist acht Themenkreisen zugeordnet: Mobilisierung, Dämonisierung, Partizipation, Werbefeldzüge, Authentizität, Erinnerung, Mythos Hindenburg und Kriegsanleihen. In diesem letzteren Bereich werden Plakatbeispiele aus dem Deutschen Reich, aus Russland, Frankreich, Italien, den USA und aus Österreich-Ungarn gezeigt. Im Wandtext dazu wird vermerkt: „Der multiethnische Charakter Österreich-Ungarns als Vielvölkerstaat kommt auch in den verschiedenen Sprachen auf den Kriegsanleiheplakaten zum Ausdruck. Tschechische Plakate unterstreichen etwa mit Soldatenmotiven die Verbindung zwischen Heimat und Front. Bei den deutschsprachigen Plakaten wird mit historischen und allegorischen Motiven hingegen auf die glorreiche Geschichte der Habsburgermonarchie angespielt. Hierfür stehen etwa der Fahnenträger im Wams des 16. Jahrhunderts, die Darstellungen ritterähnlicher Figuren oder der Siegesgöttin Victoria. Diese Motive sind Ausdruck der Strategie, von den Schrecken des aktuellen Krieges abzulenken und stattdessen aus der glanzvollen Vergangenheit Vertrauen und Siegesgewissheit für die Gegenwart abzuleiten.“