Wien: Hagenbund – Netzwerk der Moderne

Bis Anfang Februar 2015 ist im Wiener „Belvedere“ eine bemerkenswerte Ausstellung zur Geschichte der Künstlervereinigung Hagenbund zu sehen. Dieses Kollektiv war ein Zusammenschluss von Malern, Grafikern und Bildhauern aus und in Konkurrenz zum Wiener Künstlerhaus, und es stand auch in einer gewissen Rivalität zu den Stars der Wiener Secession. Die bedeutendsten Vertreter des Hagenbunds waren in der Anfangsphase der Architekt Joseph Urban und dessen Schwager, der Maler, Grafiker und Bühnenbildner Heinrich Lefler.

Als Ausstellungsgebäude wurde von Joseph Urban eine Markthalle im ersten Wiener Gemeindebezirk adaptiert, die jedoch mit der programmatischen Einmaligkeit des Secessionsgebäudes nicht dauerhaft konkurrieren konnte. Ähnlich verhielt es sich mit dem grafischen Erscheinungsbild der Hagenbündler: Man gab sich mit den Plakaten und Katalogen durchaus modern, aber nie derart radikal, wie das die Kollegen von der Secession wagten. Gerade aufgrund seines gemäßigten, eher pragmatischen Zugangs zur Moderne erreichte der Hagenbund allerdings eine nicht zu unterschätzende Bedeutung für die mitteleuropäische Kunst in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Man gab sich nicht dogmatisch und vereinigte in der Überwindung des Neoimpressionismus aktuelle Tendenzen zwischen Symbolismus, Expressionismus und Neuer Sachlichkeit.

„Lange im Schatten der Wiener Secession stehend“, meint Ausstellungskurator Harald Krejci, „setzte der Hagenbund wesentliche Impulse für die Wiener Kunstszene, aber auch für das Künstlerleben der Nachbarländer Ungarn, Tschechien, Polen oder Slowenien im Zeitraum seines Bestehens von 1900 bis 1938“. Gerade die Beispiele aus den zentral- und osteuropäischen Ländern gehören zu den Höhepunkten der überaus beeindruckenden Schau im Unteren Belvedere.

Die Gebrauchsgrafik des Hagenbundes ist in der Schau aufgrund des beschränkten Platzangebots leider im Wesentlichen nur durch das Originalplakat für den Kaiser-Jubiläums-Huldigungs-Festzug (1908) von Ludwig Ferdinand Graf und durch die Ausstellungskataloge, deren Coversujets meist mit den Plakaten identisch waren, vertreten. Großartig ist jedoch der zur Ausstellung erschienene Katalog auch bezüglich dieses Aspekts, denn in der darin enthaltenen „Ausstellungschronologie“ sind alle Entwerfer der Hagenbund-Plakate und der Kataloge penibel angeführt.

Weitere Hinweise:
Museum und Schloss Belvedere Wien