Arthur Zelger und das Grafikdesign in Tirol

Ernst Insam, Plakat, 1972 (Detail)

„Ikonen und Eintagsfliegen. Arthur Zelger und das Grafikdesign in Tirol“ heißt die aktuelle Ausstellung des Innsbrucker „Forums für visuelle Gestaltung WEI SRAUM“: „Im Mittelpunkt steht dabei Tirols bekanntester Gebrauchsgrafiker, Arthur Zelger. Noch nie gezeigte Skizzen und Entwürfe eröffnen einen faszinierenden Blick hinter die Kulissen grafischer Arbeit. Sie erzählen die Entstehungsgeschichte von Plakaten und Logos nach, die zu Ikonen wurden – obwohl sie eigentlich nie mehr sein wollten als ‚Eintagsfliegen‘, wie es Zelger in einem späten Interview ausdrückte“, so die GestalterInnen der Ausstellung. Die ProtagonistInnen des verdienstvollen Unternehmens sind die Designhistorikerin und Leiterin des Kuratorenteams Anita Kern, WEI SRAUM-Vereinsvorstand Kurt Höretzeder und der Grafik- und Kommunikationsdesigner Markus Weithas.

Kurt Höretzeder meint zum Anliegen der Schau: „Grafikdesign sehen wir tagtäglich – aber es wird selten gezeigt. Das gilt ganz besonders für Tirol, wo es für diesen Zweig angewandter Gestaltung aktuell nicht einmal universitäre Ausbildungsangebote gibt, dabei formen Grafikdesigner mit ihren Linien, Farben, Logos, Schriften und Bildern ein Land wahrscheinlich ebenso wie Wind und Wetter und schaffen so ein Klimaphänomen der besonderen Art, das eine grafische Landschaft hervorbringt, die vor allem im Kopf des Betrachters entsteht“. Wobei zumindest, was den diesbezüglichen Publikationsstand betrifft, Tirol gemeinsam mit Wien immer noch zu den am besten erschlossenen österreichischen Bundesländern gehört: 1983 veröffentlichte Meinrad Pizzinini den gut kommentierten Band „Alt-Tirol im Plakat“, 1999 folgte die ebenfalls kompetent dokumentierte Publikation „Plakatkunst im Tourismus. 120 Beispiele aus Tirol“ von Petra Köck und Michael Forcher. Aber zweifellos gibt es gerade in dem Bereich immer noch sehr viel zu erforschen und zu vermitteln. Zu diesem Ziel leisten die Innsbrucker Ausstellung und der dazu erschienene Katalog einen wertvollen Beitrag.

Arthur Zelger, Plakatentwurf, 1973

Arthur Zelger, Plakatentwurf, 1973

Anlass der Schau ist der hundertste Geburtstag und zugleich der zehnte Todestag von Arthur Zelger (1914–2004). Sein Nachlass wurde für dieses Projekt von Anita Kern umfassend aufgearbeitet. Arthur Zelger wurde in Innsbruck geboren, nach seiner Schulausbildung besuchte er in Wien die Hochschule für angewandte Kunst, wo er bei Paul Kirnig studierte und danach im Atelier von Joseph Binder tätig war. Von 1946 an arbeitete er als selbständiger Grafikdesigner in Tirol und prägte in der Folge das Image dieses Bundeslandes mit vielen Tourismus- und Sportplakaten nachhaltig.

Doch die Ausstellung ist nicht nur diesem wichtigen Grafiker gewidmet, sondern allgemein dem Tiroler Grafikdesign von den 1950er Jahren bis zur Gegenwart. Dabei werden auch Arbeiten von anderen bedeutenden GestalterInnen, wie etwa Helmut Benko, Ernst Insam, Maria Rehm oder Gustav Sonnewend gezeigt.

Ein repräsentativer, reich illustrierter Katalog mit Beiträgen ausgewiesener ExpertInnen, wie Anita Kern, Christian Maryška, Doris Hallama, Günther Moschig, Maurice Munisch Kumar und Albrecht Dornauer, Katrin Androschin sowie Kurt Höretzeder erscheint als Print-Ausgabe wie auch als E-Book im Innsbrucker Haymon-Verlag.

Kern, Anita – Kurt Höretzeder (Hrsg.): Ikonen und Eintagsfliegen. Arthur Zelger und das Grafikdesign in Tirol, Innsbruck 2014.

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