Wien: Plakate von Henryk Tomaszewski

Ausstellungsansicht aus dem Polnischen Institut in Wien (Foto: Konrad Holzer)

Henryk Tomaszewski (1914–2005) war ein polnischer Maler, der polnische Plakatmaler schlechthin. Zu seinem 100. Geburtstag hat Piotr Dąbrowski, ein polnischer Sammler und Besitzer der Galeria Plakatu (Galerie des Plakats) in Warschau, im Polnischen Institut in Wien eine Ausstellung kuratiert.

In Wien begann auch die Weltkarriere von Henryk Tomaszewski, hier erhielt er 1948 im Rahmen der Internationalen Plakatausstellung, der ersten bedeutenden Plakataustellung im Nachkriegseuropa, auf der mehr als zweitausend Plakate aus 18 Ländern gezeigt wurden, fünf erste Preise. Die damals prämierten Plakate sind jetzt auch unter den dreißig Werken, die im Polnischen Institut präsentiert werden (Es sind zumeist Filmplakate, für die er – statt der damals üblichen Fotos – ganz intensive, grafische Elemente und Schriften einbrachte). So begann im Jahr 1948 das, was man bald darauf die „Polnische Schule der Plakatkunst“ bezeichnen sollte.

Bronisław Zelek, der in Wien lebende Schüler Tomaszewskis, erzählte bei der Ausstellungseröffnung über die selektive und besessene, exakte und sparsame Arbeitsweise des Meisters, die aber gleichzeitig Hand in Hand ging mit einer nahezu kindlichen Annäherung an die Sujets. Mit der Aufforderung „Kunst ist, das zu machen, was man nicht kann“ feuerte er seine Schüler zu extremen Leistungen an. Zelek meint heute, dass die Kunst Tomaszewskis zu beschreiben genauso schwer wäre, wie die Eindrücke eines Livekonzerts wiederzugeben. Er war durch und durch unkonventionell und legte es darauf an, die Dinge anders als in ihrer herkömmlichen Betrachtungsweise zu sehen. Er verknappte und reduzierte auf das unbedingt Notwendige, machte unendlich viele Skizzen, verschob die einzelnen Elemente immer wieder nur um einige Millimeter, bis ihn das Ergebnis befriedigte. Es waren Autoren-Kunstplakate, die er schuf. Der Kurator Dąbrowski verwendete die Schlagworte „Emotion“, „Idee“, „Thema“, „Transparenz“, um sich dem Phänomen Tomaszewski annähern zu können. Er machte auch auf die ganz subtile Erotik einiger Werke aufmerksam, die der Plakatkünstler für Ausstellungseröffnungen seiner Frau Teresa Pagowska, einer bedeutenden polnischen Malerin, geschaffen hatte. Abschließend stellte Dąbrowski fest, dass die Werke Tomaszewskis vielleicht an Aktualität verloren, sicher aber nichts an Attraktivität eingebüßt haben und dass er in den Werken seiner Schüler weiterlebe.