Graz: Aufbruch in die Moderne?

Ausstellungsbereich zum Thema der angewandten Grafik (Foto: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner, 2014)

Einem spannenden Kapitel österreichischer Kunstentwicklung ist die derzeitige Ausstellung „Aufbruch in die Moderne? Paul Schad-Rossa und die Kunst in Graz“ in der Neuen Galerie in der steirischen Landes­haupt­stadt gewidmet.

Im Jahr 1900 kam der in Nürnberg geborene und in München ausgebildete Maler Paul Schad-Rossa (1862 – 1916) nach Graz, wo er intensive Impulse für die Modernisierung der steirischen Kunstlandschaft geben konnte. Er setzte sich für den von ihm vertretenen Symbolismus ein, gründete eine Kunstschule und gab die Zeitschrift „Grazer Kunst“ heraus.

Ausstellungsansicht (Foto: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner, 2014)

Ausstellungsansicht (Foto: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner, 2014)

Die von Gudrun Danzer in Kooperation mit Velten Wagner kuratierte Schau gibt in ihrer genauen Auseinander­setzung mit dem wiederentdeckten Werk von Paul Schad-Rossa und seines Grazer Kreises einen wertvollen Einblick in einen bemerkenswerten Bereich österreichischer Kunst um 1900.

Erfreulich ist an dem gelungenen Projekt auch, dass der Gebrauchsgrafik der Zeit sowohl in der Ausstellung als auch in dem vorbildlich edierten Katalog gebührende Beachtung eingeräumt wird. Von der Kunsthistorikerin Eva Klein, die bereits gemeinsam mit Claudia Friedrich den Band „Große Schau der Reklame“ (2009) sowie die Dissertation zum Thema „Das Plakat in der Moderne. Der Beginn des Grafikdesigns in der Steiermark im Kontext internationaler soziokultureller Entwicklungen“ (2011) verfasst hat, stammt nun auch der Katalog-Beitrag „Die ‚Grazer Zeitkunst‘ und das Plakat. Gebrauchsgrafik um 1900“. Die Autorin betont darin die enge Verknüpfung der Kunstszene zur frühen visuellen Werbung: „Mit den modernen Strömungen in der Kunst und dem erhöhten Bedarf an Gestalterinnen und Gestaltern für Werbezwecke zur Jahrhundertwende sowie den neuen technischen Möglichkeiten leitet die ‚Grazer Zeitkunst‘ in der Steiermark auch die Disziplin des Grafikdesigns bzw. der visuellen Kommunikation ein – denn es sind Künstler/innen, die als Bildexpertinnen und Bildexperten ihrer Zeit für die ersten künstlerisch gestalteten Werbesujets im modernen Stil herangezogen werden.“ Tatsächlich waren es in Graz – so wie auch in Wien – die Plakate für Kunstausstellungen, mit denen um 1900 neue Gestaltungsformen auf den Anschlagflächen der Stadt popularisiert wurden.

Ausstellungsansicht mit dem Bild „Drei Schwestern“ von Paul Schad-Rossa im Vordergrund (Foto: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner, 2014)

Ausstellungsansicht mit dem Bild „Drei Schwestern“ von Paul Schad-Rossa im Vordergrund
(Foto: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner, 2014)

Eva Klein weist auch auf ein weiteres interessantes Phänomen in diesem Themenbereich hin, nämlich auf den Umstand, dass in der Steiermark schon damals erstaunlich viele Frauen als Gebrauchsgrafikerinnen tätig waren. Leben und Werk der in diesem Zusammenhang erwähnten Künstlerinnen, wie Else Birnbacher, Cora Lauzil, Elfriede Coltelli oder Friederike von Koch, sind zweifellos noch eine weitere Beschäftigung wert. Aber das wäre schon wieder Stoff für eine nächste Ausstellung…

Beitrag teilen: