Reklamemarken: Sammelwut und Bilderflut

Aus dem Cover des Ausstellungskataloges (© Jüdisches Museum Berlin, Schenkung von Peter-Hannes Lehmann; Foto: Jens Ziehe)

Der „Werbegeschichte im Kleinformat“ ist derzeit eine beachtenswerte Ausstellung im „Jüdischen Museum Berlin“ gewidmet, in der mehr als 650 historische Reklamemarken gezeigt werden.

Werner J. Schweiger sah die Anfänge dieser „Mikro-Plakate“ in Österreich. So schrieb er in dem Werk „Aufbruch und Erfüllung. Gebrauchsgraphik der Wiener Moderne“ dazu: „Reklamemarken gehörten nach 1900 zu den am meisten verbreiteten, bekanntesten und populärsten Werbemitteln in der Geschichte der Werbung und Reklame überhaupt. Der Beginn lag bei Propagandamarken für Ausstellungen, wobei Wien sich die ‚Erfindung‘ zugute halten kann: die älteste Ausstellungsmarke stammt aus dem Jahre 1845 und warb für die ‚Dritte allgemeine österreichische Gewerbe-Producten-Ausstellung‘“.

In Österreich hat der Trend zu dieser Art von Reklame nicht nur relativ früh begonnen, sondern er war hier auch von einer erstaunlichen Beständigkeit. Endete der Boom in anderen Ländern bereits mit dem Ersten Weltkrieg, so waren die Reklamemarken in Österreich noch Ende der 1920er Jahre ein beliebtes Werbemittel.

In Deutschland erlebte der Einsatz von Marken als Reklamemedium dafür zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine besondere Intensität, wie Maurice Rickards in seinem Buch „Collecting Printed Ephemera“ betont: „In Germany, heartland of the cult, the medium attracted the attention of major poster artists, and by 1914 the country’s leading poster journal Das Plakat was able to publish an extended feature on the subject, showing the miniature work of 40 top designers.“

Entwurf: Leon Lica Amar (© Jüdisches Museum Berlin, Schenkung von Peter-Hannes Lehmann; Foto: Jens Ziehe)

Zur Ausstellung ist ein hervorragend gestaltetes und auch inhaltlich sehr aufschlussreiches, 65 Seiten umfassendes Büchlein erschienen, das den verschiedenen Aspekten dieser interessanten „Werbegeschichte im Kleinformat“ nachspürt.

In der Ausstellung „Sammelwut und Bilderflut“ im Berliner „Jüdischen Museum“ reicht das Spektrum der gezeigten Beispiele zeitlich von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs und ist inhaltlich auf den Bereich der Wirtschaftswerbung fokussiert. Möglich gemacht wurde die Schau durch eine großzügige Schenkung von Peter-Hannes Lehmann, der in zwanzigjähriger Sammeltätigkeit eine Kollektion von Tausenden Reklamemarken zusammenstellen konnte, die auch sehr anschaulich die Bedeutung von jüdischen Wirtschaftstreibenden, Verlagen und Gebrauchsgrafikern dokumentieren. Bei den Arbeiten, die bestimmten Entwerfern namentlich zugeordnet werden können, stechen besonders positiv jene der beiden aus Wien gebürtigen und zeitweise in Berlin tätigen jüdischen Grafiker Ernst Deutsch und Julius Klinger hervor.

Sammlerwut und Bilderflut. Werbegeschichte im Kleinformat, Jüdisches Museum Berlin, Berlin 2014.

Weitere Hinweise:
Jüdisches Museum Berlin