Hohes Land 2115: Eine Utopie in 15 Plakaten

Detail aus einem Plakat der Serie „Hohes Land“, ©Atelier Am Stein

„Die Zukunft kann man am besten voraussagen, wenn man sie selbst gestaltet“. Dieser Ausspruch des 75jährigen amerikanischen Informatikers Alan Kay steht als Motto über dem Projekt „Hohes Land 2115“. Wolfgang Hartl vom Atelier Am Stein im niederösterreichischen Kirchberg am Wechsel hatte eine Vision: „In hundert Jahren zählt das Land südlich von VIN zu den Top 10 auf der Welt.“ Und zwar deswegen, weil Vordenker, Kreative, Planer und Produzenten ihre Ideen durchgesetzt und so einen internationalen Durchbruch geschaffen hätten. Dass diese Utopie in Plakatform stattfindet, hat mehrere Gründe: In der Zeit, als die Plakatkunst hierzulande ihren Höhepunkt hatte, also vor rund hundert Jahren, gab es auch wegweisende Denker. Denn die „gute, alte Zeit“ war mit dem Ersten Weltkrieg zu Ende gegangen und im Hohen Land, also dort in den Bergen südlich von Wien, wohnten, arbeiteten und erholten sich die damaligen Visionäre. „Arena der Pioniere“ nennt Hartl die Gegend. Er führt Pioniere des Denkens und Pioniere der Technik an. Theodor Herzl und Sigmund Freud, Ludwig Wittgenstein und Viktor Frankl auf der einen Seite und auf der anderen, der technischen Seite, Eduard Nittner, Carl Ritter von Ghega und Hedy Lamarr (letztere ist wohl als Schauspielerin in Erinnerung, weniger aber als Erfinderin des „frequency hopping“, eines Verfahrens für drahtlose Datenübertragung.) Dann fällt ein Name, der die Überleitung zu den Plakaten schafft: Gustav Jahn. Er war nicht nur ein bekannter Alpinist, sondern auch einer der erfolgreichsten Skiläufer und Skispringer zu Beginn des 20.Jahrhunderts. 1909 ließ er am Semmering drei Schanzen bauen. Und, Gustav Jahn war auch Maler und Grafiker. Seine Plakatserie mit Alpenansichten im Auftrag der Staatsbahnen fand besondere Anerkennung.

Eine futuristische Plakatserie trägt nun auch das Projekt „Hohes Land 2115“, das im Rahmen des „Viertelfestivals NÖ – Industrieviertel 2015“ stattfindet. Eben weil vor hundert Jahren auf dem Gebiet der Plakatkunst Außerordentliches geleistet wurde. Und die Plakate Raum schaffen – so Hartl – und in ihrer Reduktion Platz für verschiedene Assoziationen machen würden. Sein Team und er wollten für ihre Utopie 2115 keine festgelegten Szenarien, sondern offene Schnittstellen haben. Damit sei das Medium Plakat die perfekte Wahl. Hartl sieht sich mittlerweile in seinem Tun bestätigt, das Feedback sei großartig und er meint, dass in dieser Richtung noch einiges geschehen werde: „2015 war sozusagen der Anfang, bis 2115 kann noch einiges passieren!“

Die Plakate und das 116 Seiten starke, zweisprachig verfasste Magazin „Hohes Land 2115“ (in Deutsch und Englisch) sind im Webshop erhältlich. In Kirchberg am Wechsel finden bis zum 30. November 2015 noch mehrtägige Veranstaltungen zum Thema statt.

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