Bayreuth: Plakate ohne Bilder

Einer interessanten Facette der Designgeschichte ist eine Ausstellung des „Kunstmuseums Bayreuth“ derzeit gewidmet, nämlich dem Textplakat. „Ohne Bilder“ ist die Schau betitelt, und ohne Illustrationen kommen tatsächlich die meisten der gezeigten Objekte aus. Die AusstellungsmacherInnen gingen bei ihrem Projekt von der Idee aus, dass die Anfänge der Plakate eben im typographisch gestalteten Maueranschlag zu finden sind. Der Einsatz von Bildern war ja in den Anfängen dieses Mediums aus technischen Gründen nur sehr beschränkt möglich. Das reine Textplakat hat sich als Typus trotz aller technischen Möglichkeiten jedoch bis in die heutige Zeit erhalten, und die Bayreuther Ausstellung zeigt auch, welch vielfältige gestalterische Herausforderungen dieses Genre für die EntwerferInnen bieten kann. Da machte etwa der Bühnenbildner Helmut Jürgens auf seinem Musikplakat einfach aus vier Buchstaben einen Eyecatcher, da spielten „Mendell & Oberer“ für eine Eigenwerbung mit der Sehprobentafel des Augenarztes oder funktionieren das E bei NEU zu einer geöffneten Tür für eine Ausstellung von Neuerwerbungen um, da skizzierte Dieter Rot 1972 in flüchtiger Handschrift ein „Freundliches Plakat“ für seine Ausstellung in der Wiener „Galerie Grünangergasse“.

Links: Helmut Jürgens (1902 – 1963), mu/si /ca /vi /va, Plakatdruckerei Wurm, Deutschland (BRD), München 1961 / Rechts: Mendell & Oberer, GRA/PHIC/DESIGN/MENDELL/UNDOBERER, Deutschland (BRD), München 1987

Links: Helmut Jürgens (1902 – 1963), mu/si /ca /vi /va, Plakatdruckerei Wurm, Deutschland (BRD), München 1961 / Rechts: Mendell & Oberer, GRA/PHIC/DESIGN/MENDELL/UNDOBERER, Deutschland (BRD), München 1987

Zur Ausstellung im Bayreuther Rathaus ist auch ein repräsentativer und hervorragend gestalteter Katalog erschienen. Anita Kühnel und René Grohnert haben dazu zwei substantielle Beiträge verfasst. Grohnert lieferte unter dem Titel „Information – Ornament – Bild“ eine prägnant gefasste Geschichte der Text-Plakate, in dem er nicht nur auf Lucian Bernhard, Max Burchartz oder Jan Tschichold, sondern auch auf Alfred Roller, Julius Klinger und Mihály Biró eingeht: „Das reine Textplakat verlor – angesichts der Möglichkeiten Bilder farbig zu drucken – an Bedeutung. Neu aber war, dass Texte auch als Ornamente angelegt wurden (Wiener Sezession) oder sogar selbst zu Bildern wurden.“

Der Artikel von Anita Kühnel ist programmatisch mit den Worten „Buchstäblich werben“ übertitelt. Treffender Weise vermerkt sie darin: „Eine Plakatsammlung nach dem Thema Schriftplakat zu befragen, bedeutet, nach dem gestalterischen Potential des Alphabets zu fragen und elementare Formkriterien in den Vordergrund zu rücken.“

Links: Mendell & Oberer, NEU / Donationen / und Neu-/erwerbungen / 1984/85, Deutschland (BRD), München 1988 / Rechts: Italo Lupi, MUSEO DI STORIA / CONTEMPORANEA, 1914-1945, Italien, Milano 1980

Links: Mendell & Oberer, NEU / Donationen / und Neu-/erwerbungen / 1984/85, Deutschland (BRD), München 1988 / Rechts: Italo Lupi, MUSEO DI STORIA / CONTEMPORANEA, 1914-1945, Italien, Milano 1980

Ermöglicht wurde die bemerkenswerte Schau durch Franz Joachim Schultz, der das von ihm gegründete „Kleine Plakatmuseum Bayreuth“ im Jahr 2012 dem „Kunstmuseum Bayreuth“ schenkte. Aus diesem rund 18.000 Plakate umfassenden Bestand wurden die Objekte für die aktuelle Präsentation in der „Ausstellungshalle Neues Rathaus“ ausgewählt. Schultz lieferte für den Katalog einen sehr persönlich gehaltenen Essay unter dem Titel „Faszination der Lettern“. Weitere Präsentationen aus dem wertvollen Bestand sollen noch folgen.

Weitere Hinweise:
Kunstmuseum Bayreuth