Alois Carigiet – Kunst, Grafik & Schellenursli

Blick in die Ausstellung (Foto: SNM. © Alois Carigiet Erben)

Einer interessanten Künstlerpersönlichkeit ist derzeit eine Ausstellung im „Landesmuseum Zürich“ gewidmet – dem Schweizer Maler, Gebrauchsgrafiker, Buchillustrator und Bühnenbildner Alois Carigiet.

Carigiet wurde 1902 in Trun in Graubünden geboren. Er absolvierte eine Lehre als Dekorationsmaler und arbeitete von 1923 bis 1939 als Gebrauchsgrafiker in Zürich. In diesen Jahren schuf er mehr als hundert Plakate und verschiedene Formen der Kleingrafik. Im Bereich der Plakate war es neben Politik und Wirtschaft vor allem der Tourismus, dem sich Carigiet in ausdrucksstarken Visualisierungen widmete.

Einen besonderen Stellenwert in Carigiets Werk hatte seine Arbeit für das Züricher „Cabaret Cornichon“: Mit einigen Freunden hatte er dieses dezidiert antinazistische Kabarett 1934 gegründet und dafür nicht nur die Plakate, sondern auch die Bühnenbilder gestaltet. Der Name des Kabaretts, „Cornichon“, bedeutet im Französischen „Gewürzgurke“ und sollte darauf verweisen, dass man zwar nicht extrascharf, dafür aber essigsauer wie das eingelegte Gemüse sein wollte. Als Markenzeichen des Kabaretts machte Alois Carigiet aus dem Cornichon eine Art „Gurkenvogel“.

1939 übersiedelte Alois Carigiet in seine Graubündner Heimat, wo er sich verstärkt der Malerei widmete und in über vierzig Jahren ein umfangreiches Oeuvre schuf. Darüber hinaus verbreiterte er sein ohnehin schon beträchtliches gestalterisches Spektrum noch weiter: Er übernahm unter anderem große Kunst-am-Bau-Projekte mit repräsentativen Wandgemälden und ganzen Fassadengestaltungen.

Besondere Popularität erlangte Cargiet allerdings als Gestalter und Autor von Kinderbüchern. Weithin bekannt wurde er dabei mit seinen Illustrationen für das von Selina Chönz verfasste Kinderbuch „Schellen-Ursli“, das mittlerweile im Verlag Orell Füssli in 32. Auflage erschienen ist. Im Herbst 2015 kommt die Verfilmung des Stoffes in die Kinos, wobei in der Züricher Ausstellung bereits Requisiten und Kostüme von den Dreharbeiten sowie ein Ankündigungstrailer zu sehen sind.

Im Begleitbuch zur Ausstellung beschäftigt sich dessen Herausgeber Hans ten Doornkaat mit der Frage nach einem gemeinsamen Nenner in dem überaus komplexen Werk von Carigiet. Die Klammer sei darin – so der Autor – das „Erzählende“: „In Plakaten oder Zeitschriftencovern tritt es so gekonnt und so souverän auf wie in vielen seiner Gemälde. Nicht, dass jede Schweizerin, jeder Schweizer aus einem Bergdorf stammt und gleich eigene Erinnerungen mit den Bildern des Künstlers verknüpfen kann. Aber eine Sehnsucht scheint bei vielen doch anzuklingen.“

Hans ten Doornkaat (Hrsg.): Alois Carigiet. Kunst, Grafik, Schellen-Ursli, Zürich 2015.

Weitere Hinweise:
Landesmuseum Zürich