Graphic Design Visionaries

Ausschnitt aus der Rückseite des Buches (Grafik: TwoSheds Design)

Caroline Roberts, als Publizistin im Bereich der Visual Arts bekannt, hat jüngst bei „Laurence King Publishing“ eine repräsentative Darstellung zum Grafikdesign des 20. Jahrhunderts in Form von 75 Einzelporträts der einflussreichsten Entwerferinnen und Entwerfer des letzten Jahrhunderts herausgebracht. Ein derartiges Unternehmen einer Kanonisierung eines bestimmten Kunstbereiches bedarf der Erklärung und natürlich auch der entsprechenden Rechtfertigung. Ihre Auswahl, so erläutert die Autorin, sei nach folgenden Prinzipien erfolgt: „The dictionary defines a visionary as ‘a person with original ideas about what the future will or could be like‘. It’s a very forthright label, and it’s unlikely that many of the designers featured here woke up one day and decided that they would try and change the world through graphic design.“

Die konkreten Beispiele im Buch erscheinen durchaus nachvollziehbar und bestätigen den von Caroline Roberts erhobenen Anspruch. So beginnt der abwechslungsreiche Weg des Designs des 20. Jahrhunderts mit dem 1885 geborenen Niederländer Piet Zwart, der – obzwar hierzulande kaum bekannt – als einer der Ahnherren des bildreduzierten, typografischen niederländischen Grafikstils gilt. Im Jahr 2000 wurde er von der „Association of Dutch Designers“ zum „Designer des Jahrhunderts“ gewählt. Von ihm führt die von Roberts zusammengestellte Auswahl über den aus den USA stammenden und in England tätigen Eward McKnight Kauffer bis zum 1966 geborenen Briten Jonathan Barnbrook, um dann abschließend eine Reihe von Gemeinschaftsateliers, wie „Grapus“, „The Designers Republic“, „Tomato“ oder „M/M Paris“ zu präsentieren.

An deutschen Entwerfer wurden Hans Schleger, Gerd Arntz, Jan Tschichold, Will Burtin, FHK Henrion, Otl Aicher und Wolfgang Weingart in diese Hall of Fame der angewandten Grafik aufgenommen. Die Schweiz beweist sich auch in diesem „Kanon“ wieder einmal als Designgroßmacht und ist mit Herbert Matter, Max Bill, Erik Nitsche, Emil Ruder, Max Huber, Armin Hofmann, Lora Lamm, Karl Gerstner und Bruno Monguzzi vertreten. An Persönlichkeiten mit Österreichbezug sind Herbert Bayer, Cipe Pineles und Stefan Sagmeister angeführt, wobei man darauf hinweisen muss, dass alle drei Genannten – aus sehr unterschiedlichen Gründen – ihre künstlerischen Erfolge nicht in Österreich, sondern im Wesentlichen von den USA aus erzielen konnten. Stefan Sagmeister, der in Bregenz geboren wurde, in Wien studiert hatte und über Hongkong nach New York gegangen war, hatte und hat nach wie vor als vielseitiger Innovator einen großen internationalen Erfolg. Über ihn meint die Autorin: „Never reticent about baring his soul or his body, Austrian-born designer Stefan Sagmeister has charmed both his clients and his many admirers throughout his career with his masterful use of materials, goofy humor and endearing honesty.“

Caroline Roberts Buch ist eine gelungene Verbindung von kurzgefassten und dabei sehr präzisen Biografien und eindrucksvollen Illustrationen, und es macht deutlich, wie sehr das grafische Erscheinungsbild der westlichen, industrialisierten Welt am Beginn des 21. Jahrhunderts von den Arbeiten der 75 porträtierten Persönlichkeiten geprägt ist.

Roberts, Caroline: Graphic Design Visionaries, London 2015.

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