Kunstforum Wien: Liebe in Zeiten der Revolution

Warwara Stepanowa, Selbstkarikatur, 1922, Tusche auf Papier, Privatbesitz, Foto: © A. Rodtschenko & W. Stepanowa Archiv, Kunstwerk: © Bildrecht, Wien, 2015 (Ausschnitt)

Einem interessanten Phänomen ist die aktuelle Ausstellung im Wiener „Kunstforum“ gewidmet, nämlich der Tatsache, dass die russische Avantgarde des frühen 20. Jahrhunderts sehr stark von Künstlerpaaren geprägt wurde. „Liebe in Zeiten der Revolution“ lautet dementsprechend der Haupttitel der Schau, die „Natalja Gontscharowa & Michail Larionow, Warwara Stepanowa & Alexander Rodtschenko, Ljubow Popowa & Alexander Wesnin, Olga Rosanowa & Alexej Krutschonych und Valentina Kulagina & Gustav Klutsis“ gewidmet ist.

Im Zuge der grundlegenden Reform der Gesellschaft im Umfeld der russischen Revolution entstand ein neues Bild der Weiblichkeit, das es auch Frauen verstärkt ermöglichte, als Künstlerinnen tätig zu sein. Die vom frühen Kommunismus geprägte Ästhetik entwickelte einen thematisch sehr weiten Anspruch und sollte alle Lebensbereiche der werktätigen Bevölkerung umfassen. Daher trennten die besten Vertreter und Vertreterinnen der Avantgarde nicht zwischen „hoher“ und angewandter Kunst und somit hatte auch die Gebrauchsgrafik eine bedeutende Rolle im Werk der neuen kreativen Kräfte.

Eine besondere Rolle spielten in diesem Bereich die KünstlerInnenpaare Warwara Stepanowa und Alexander Rodtschenko sowie Valentina Kulagina und Gustav Klutsis. Neben Stoffentwürfen und Bühnenausstattungen widmete sich Warwara Stepanova gemeinsam mit ihrem Partner Alexander Rodtschenko der Gestaltung von Plakaten, Büchern und Zeitschriften. Diese Arbeiten gehören nach wie vor zu den ausgezeichnetsten Werken des russischen Konstruktivismus. Ähnlich bedeutend für den Bereich des Grafikdesigns waren Valentina Kulagina und Gustav Klutsis, die sich intensiv der visuellen Agitation verschrieben und unter anderem die Technik der Fotomontage nachhaltig weiterentwickelten. Trotz – oder vielleicht auch wegen – seines großen politischen Engagements für Stalins Regime wurde Klusits im Jahr 1938 verhaftet und bald darauf exekutiert. Valentina Kulagina wurde bis zu ihrem Tod im Jahr 1987 über das traurige Schicksal ihres Mannes im Unklaren gelassen…

Weitere Hinweise:
Kunstforum Wien

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