MAK Wien: Josef Frank

Josef Frank, Sofa, Stoffbezug Brazil, 1930er Jahre, © Svenskt Tenn, Stockholm, Schweden

Was vielen als typisch skandinavisches Design erscheint, hat eigentlich seine Wurzeln in Wien – genauer genommen im Werk von Josef Frank. Der 1885 in Baden bei Wien geborene Architekt verlieh der Wiener Architektur- und Designszene in den 1920er und 1930er Jahren ganz wesentliche Impulse. Derzeit widmet das Wiener „Museum für angewandte Kunst“ dem immer noch zu wenig beachteten Künstler eine überaus sehenswerte Ausstellung.

Als Architekt war Frank sowohl im sozialen Wohnbau als auch im Bereich von Einfamilienhäusern und Villen tätig. 1932 wurde unter seiner Leitung die Wiener Werkbundsiedlung gebaut, für die so renommierte ArchitektInnen wie Josef Hoffmann, Adolf Loos, Richard Neutra, Gerrit Rietveld oder Margarete Schütte-Lihotzky einzelne Häuser entwarfen. Ein besonderer Schwerpunkt von Josef Franks Interesse bildete jedoch die Gestaltung von Interieurs. 1925 gründete Frank mit Oskar Wlach das Wiener Einrichtungsunternehmen „Haus & Garten“, das neue und zeitgemäße Akzente in der Wohnungsgestaltung setzte.

Die zunehmende politische Repression in Österreich, die mit einem stärker werdenden Antisemitismus verbunden war, veranlassten Frank bereits 1933 nach Schweden, in die Heimat seiner Frau, zu emigrieren. In Stockholm entwickelte Josef Frank gemeinsam mit dem Möbel- und Einrichtungshaus „Svenskt Tenn“ wesentliche Elemente jenes Stils, der bald als typisch skandinavisches Design weltberühmt werden sollte.

Im Laufe seines Lebens entwarf Josef Frank weit über 1000 Möbelstücke und nicht weniger als 200 Stoffmuster. Gerade in diesem Bereich ging er stets von einer sehr humanen, an den tatsächlichen menschlichen Bedürfnissen orientierten Gestaltungsidee aus, die sich keinen strikten Dogmen der Moderne unterwarf. „Man kann alles verwenden, was man verwenden kann“, lautete einer seiner Leitsätze, der frappierend an das von Paul Feyerabend geprägte „Anything goes“ der Postmoderne erinnert. Dementsprechend zählten bei Franks Möbelentwürfen vor allem Funktionalität und Bequemlichkeit zu den wichtigsten Prämissen. Besonders die Textilentwürfe entzogen sich dem ernsten Reduktionismus einer strengen Moderne: Da war viel Raum für sehr bunte, oft nahezu skurrile florale Elemente, bei denen meist auch ein lebensbejahender, fröhlicher Grundton erkennbar ist.

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