Betörende Plakate

Vorsatzblatt des Buches unter Verwendung des Imageplakates „Betörend“

Dass Plakate nach wie vor ein wirkungsvolles Werbemedium sein können, beweisen die Studierenden der Folkwang Universität für Künste mit einem bemerkenswerten Projekt. In einer Kooperation von „Schauspielhaus Bochum“ und der Essener Folkwang Universität ist zum einen eine Serie von Plakaten für die Produktion „Ein Mann will nach oben“ (nach dem Roman von Hans Fallada) sowie zum anderen eine allgemeine Imagekampagne für das Theater entstanden, in der einzelne Blätter der Visualisierung der Slogans „Befreiend“, „Bewegend“, „Berauschend“ und „Betörend“ gewidmet sind.

Erfreulicherweise wurde das Projekt in einer Publikation unter dem Titel „Unsere Bühne ist die Straße: Plakate von Studierenden der Folkwang UdK“ ausführlich dokumentiert. Die beiden HerausgeberInnen Ralf de Jong und Christin Heinze haben nicht nur die verschiedenen Plakatentwürfe der Studierenden in die Sammlung aufgenommen, sondern auch ausführliche Interviews mit dem Leiter der künstlerischen Druckwerkstätten an der Folkwang Universität Thomas Kühnen, dem Plakatkünstler und Lehrenden Lex Drewinski sowie mit dem Intendanten des „Schauspielhauses Bochum“ Anselm Weber. Ergänzt wird der Band durch ein umfassendes und aufschlussreiches Glossar zum dargestellten Themenkreis und einen „visuellen Essay“ zur Aufgabenstellung „Plakate im Stadtbild“ von Pitt Wenninger. Eine sympathische grafische Intervention bietet Nora Prinz mit ihren witzigen Illustrationen zur Geschichte der Plakatentwicklung.

René Grohnert, der als wissenschaftlicher Experte dem Projekt zur Seite stand, bemerkt in seinem Grußwort zur Publikation, dass das Plakat „im Reigen der Medien nicht mehr die wichtigste Rolle“ spiele, um dann zu dem treffenden Schluss zu kommen: „Das Plakat aber kann mehr, viel mehr. Nimmt man es als Gestaltungsaufgabe ernst, so steht einem eine komplexe Arbeit bevor. Es geht um die Organisation von Wirksamkeit, um Assoziation, Kreativität, Zielgruppen, inhaltliche Bewältigung, Bedeutungsebenen, Entschlüsselungswissen, um Codierung und Decodierung, um Typografie, Bilder, Texte u.v.m.“ Dass die Studierenden der Folkwang Universität für Künste diese Komplexität der Aufgabenstellung hervorragend bewältigt haben, davon kann man sich in der lesens-, aber auch betrachtenswerten Publikation gut überzeugen.

 Ralf de Jong – Christin Heinze (Hrsg.): Unsere Bühne ist die Straße. Plakate fürs Theater von Studierenden der Folkwang UdK, Essen 2015 (Neue Schrift 1).

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