Bier. Macht. München

Bierflaschen mit Originaletikett „Helles Versandbier“ von Spatenbräu mit Kronkorkenverschluss. Die Strohumhüllung sollte die Flaschen beim Transport schützen. Die Entwürfe für die Etiketten stammen von Otto Hupp, um 1910 (© Edith-Haberland-Wagner-Stiftung)

„Bier ist der Wein dieses Landes“ lautet der Titel der aktuellen Ausstellung im „Jüdischen Museum München“. Die interessante Schau zu den jüdischen Bezügen bayerischer Bierkultur stellt eine Kooperation mit dem Münchner Stadtmuseum dar, in dem derzeit die große Ausstellung „Bier. Macht. München“ zu sehen ist. Die drei titelgebenden Begriffe sind dabei durchaus vielschichtig zu verstehen. Denn zum einen gehört das Bier zum traditionellen Image der Stadt, zum anderen waren Bier und seine Produzenten in der bayerischen Hauptstadt stets nicht zu unterschätzende soziale und wirtschaftliche Machtfaktoren.

„Mit Ausstellungen und Veranstaltungen beleuchtet die Landeshauptstadt München zum Jubiläum ‚500 Jahre Reinheitsgebot‘ das Phänomen Bier und spürt dem Einfluss des Gerstensaftes auf Gesellschaft und Politik, auf die Entwicklung der Stadtkultur, die bildenden Künste, die Feste und auf das Kabarett nach“, vermerken Oberbürgermeister Reiter und Kulturreferent Küppers in der Einleitung des umfangreichen Ausstellungskataloges und betonen damit auch selbst den hohen Stellenwert des Themas in der Isarmetropole.

Neben der Bedeutung jüdischer Hopfenhändler, „Bierkrugsveredeler“ und Brauherren faszinieren im „Jüdischen Museum“ besonders historische Werbefilme der amerikanischen Liebmann Brewery. Der von den Nazis vertriebene jüdische Brauereiexperte Hermann Schülein machte die Firma mit deren Biermarke „Rheingold“ zu einer der bedeutendsten Brauereien der USA.

Postkarte, um 1910 (© Münchner Stadtmuseum)

Postkarte, um 1910 (© Münchner Stadtmuseum)

Dem Bier als Markenprodukt und seiner Bewerbung wird auch in der großen Ausstellung im Stadtmuseum breiter Raum eingeräumt. Im Jahr 1874 wurde vom Deutschen Reichstag das „Gesetz über Markenschutz“ beschlossen, womit die rechtlichen Grundlagen für ein modernes Marketing geschaffen wurden. Florian Dering beschreibt in seinem Katalogbeitrag zum Thema „Gütesiegel und Werbeträger“ die sich für die Brauereien dadurch ergebenden Notwendigkeiten: „Dem eigenen Produkt musste zur Abgrenzung und Alleinstellung eine unverwechselbare Identität gegeben werden. Der Konsument sollte auf den ersten Blick erkennen, welches Münchner Bier er trinkt. Das Etikett mit dem Markenzeichen der Brauerei auf der Flasche wurde für den Konsumenten ein von außen sichtbares Zeichen für gleichbleibende Qualität und somit eine Art Gütesiegel.“

Postkarte, um 1890 (© Münchner Stadtmuseum)

Postkarte, um 1890 (© Münchner Stadtmuseum)

Konsequent wurden die Schutzmarken in der Fülle an Werbemitteln, die sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts mit Postkarten, Werbemarken, Inseraten und Plakaten entwickelten, eingesetzt. Im Münchner Stadtmuseum ist einer klugen und informativen Auswahl viel davon zu sehen. Aus der umfangreichen Sammlung an historischen Plakaten, die das Museum besitzt, werden dabei attraktive Beispiele von so bekannten Grafikern wie etwa Carl Moos, Ludwig Hohlwein, Julius Ussy Engelhard, Max Eschle oder Jean Carlu gezeigt.

Ein umfassendes Rahmenprogramm mit wissenschaftlichen Vorträgen, Diskussionen und Bierfesten begleitet die Ausstellung während ihrer gesamten Laufzeit bis zum 8. Jänner 2017.

Weitere Hinweise:
Jüdisches Museum München
Münchner Stadtmuseum

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