Les Suisses de Paris – Grafik und Typografie

Visuel Design, Jean Widmer, Centre Georges Pompidou, Signet Andruck, 1977, Museum für Gestaltung Zürich, Grafiksammlung

Jene Schweizer Grafiker, die seit den 1950er Jahren in Paris tätig waren und sind, stellen ein besonders interessantes und ergiebiges Kapitel europäischer Designgeschichte dar. Denn gerade Entwerfer aus der Schweiz haben die grafische und vor allem typografische Entwicklung in der französischen Hauptstadt maßgeblich beeinflusst. Das Züricher „Museum für Gestaltung“ widmet diesem Phänomen nun eine umfassende Schau: „Die neue Ausstellung“, so Kuratorin Barbara Junod, „nimmt rund zwanzig Protagonisten in den Fokus, die mehrjährig oder dauerhaft in Paris arbeiteten oder immer noch aktiv sind. In acht Themenfeldern zeigt sie deren wichtigste Kreationen, die in internationalen und schweizerischen Teams sowie in enger Zusammenarbeit mit den Pariser Arbeitgebern entstanden sind. Die Vielfalt der Exponate, die von Plakat, Buch, Magazin, Foto, Film, Szenografie bis zu Erscheinungsbild und Signaletik reicht, zeugt von der Begabung und interdisziplinären Aktivitäten der Paris-Schweizer.“

Adrian Frutiger, Sortie, Signaletik Pariser Metro, 1973 Museum für Gestaltung Zürich, Grafiksammlung

Adrian Frutiger, Sortie, Signaletik Pariser Metro, 1973 Museum für Gestaltung Zürich, Grafiksammlung

Ausgegangen ist man bei dieser Präsentation von Adrian Frutigers künstlerischem Nachlass, den das Museum vor einigen Jahren als Schenkung übernehmen konnte. Der 1928 geborene Frutiger ging nach seiner Ausbildung an der „Kunstgewerbeschule Zürich“ nach Paris, wo er zunächst in der Schriftgießerei „Deberny & Peignot“ arbeitete. In Frankreich wurde er im Laufe der Jahre zu einem der weltweit einflussreichsten Schriftgestalter. Er schuf nicht nur die berühmte Schriftfamilie „Univers“, sondern in seinem 1961 eröffneten Atelier – in dem unter anderem auch seine Landleute Bruno Pfäffli, André Gürtler und Hans-Jürg Hunziker arbeiteten –  entwickelte er die Signalisationsschrift der Pariser Metro sowie mit „Roissy“ die Schrift des Pariser Flughafens Charles de Gaulle. Seit 2003 werden für die Schweizer Verkehrsschilder die von Frutiger entworfenen Schriften „ASTRA Frutiger Standard“ und „ASTRA Frutiger Autobahn“ verwendet.

Peter Knapp (Art Direktor), Brian Duffy (Foto), D’un oeil neuf, les nouveaux tricots, Zeitschrift Doppelseite, in: Elle No. 944, 1964, Museum für Gestaltung Zürich, Grafiksammlung

Peter Knapp (Art Direktor), Brian Duffy (Foto), D’un oeil neuf, les nouveaux tricots, Zeitschrift Doppelseite, in: Elle No. 944, 1964, Museum für Gestaltung Zürich, Grafiksammlung

Neben Adrian Frutiger gelang es einem erstaunlich weiten Kreis von Schweizer Grafikern in Paris Fuß zu fassen und neue Standards des Informationsdesigns zu schaffen. So etwa stammt eines der berühmtesten Museumslogos, nämlich das Markenzeichen für das „Centre Georges Pompidou“, vom Schweizer Jean Widmer. Er war eine der herausragenden Persönlichkeiten der Schweizer-Pariser Grafikszene: Gemeinsam mit Peter Knapp zeichnete er Ende der 1950er Jahre für das modernisierte Erscheinungsbild des Kaufhauses „Galeries Lafayette“ verantwortlich und war dann in den 1960er Jahren Art Direktor von „Jardin des Mondes“. 1969 gründete Widmer das Atelier „Visuel Design“, mit dem er nicht nur das grafische Erscheinungsbild des „Centres Pompidou“ samt dessen Unterabteilungen gestaltete, sondern auch das optische Konzept für das „Musée d’Orsay“ entwarf. Sein Kollege Peter Knapp übernahm unterdessen die Verantwortung für das Erscheinungsbild des Modemagazins „Elle“, wobei er nicht nur als Grafiker tätig war, sondern auch als Fotograf internationale Anerkennung erlangte.

Fred Rawlyer, Modeschau der Kollektion Indreco, Sommer 1967, Museum für Gestaltung Zürich, Grafiksammlung

Fred Rawlyer, Modeschau der Kollektion Indreco, Sommer 1967, Museum für Gestaltung Zürich, Grafiksammlung

Die florierende französische Modebranche und ihr mediales Umfeld boten GrafikdesignerInnen und Fotografen ein reiches Aufgabengebiet, in dem auch Schweizer Kreative tätig waren: So lieferte etwa Sonja Knapp Illustrationen und Stoffentwürfe für Ungaro, Fred Rawyler Grafik und Stoffentwürfe für Hermès und Bruno Suter Werbekampagnen für Benetton, Hermès und die Galeries Lafayette.

Eldorado / Bruno Suter, Galerie Lafayette, Logosignet, 1987, Museum für Gestaltung Zürich, Grafiksammlung

Eldorado / Bruno Suter, Galerie Lafayette, Logosignet, 1987, Museum für Gestaltung Zürich, Grafiksammlung

Begleitend zur Ausstellung publizierte das Züricher „Museum für Gestaltung“ einen Katalog in der Reihe „Sammeln heisst forschen“, in dem zwanzig in Paris tätige Schweizer Grafiker mit ihren Arbeiten aus Werbung, Typografie,  Produktgestaltung und Lehre präsentiert werden.

Weitere Hinweise:
Museum für Gestaltung Zürich

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