Koloman Moser – analog und digital

Einladungskarte der „Österreichischen Galerie Belvedere“ zur Präsentation ihres Online-Werkverzeichnisses zu Koloman Moser unter Verwendung von Details aus dem Gemälde „Blühendes Bäumchen“ (um 1913) und einer Illustration zu „Vorfrühling“ von Rainer Maria Rilke (Ver Sacrum 1901/21), © Belvedere

Ausnahme-, Tausend- oder Universalkünstler sind Begriffe, mit denen versucht wurde und wird, der Vielseitigkeit des künstlerischen Schaffens von Koloman Moser gerecht zu werden. Sein Oeuvre umfasste neben Malerei und Grafik auch viele angewandte Bereiche, wie Gebrauchsgrafik, Möbel, Textilentwürfe oder Bühnenausstattungen. Vielleicht ist gerade dieses große Spektrum an Gestaltungsformen der Grund, warum die Bekanntheit Mosers, etwa verglichen mit den „Großen Drei“ – Klimt, Schiele, Kokoschka – nicht ganz so groß ist.

Diesem Umstand können nun zwei Ausstellungen und ein Online-Werkkatalog Abhilfe schaffen: Denn aus Anlass des 100. Todestages und des 150. Geburtstages von Koloman Moser im Jahr 2018 offerieren drei bedeutenden Wiener Museen entsprechende Programmschwerpunkte.

„Genoveva” (Tragödie von Friedrich Hebbel): nicht realisierter Bühnenbildentwurf für eine geplante Regie von Hermann Bahr bei Max Reinhardt in Berlin, um 1907, Theatermuseum, © KHM-Museumsverband

Unter dem Titel „Anwendungen“ widmet das Theatermuseum eine kleine, aber gehaltvolle Ausstellung dem Thema „Koloman Moser und die Bühne“. Bisher wurde dieser Aspekt von Mosers Schaffen relativ wenig beachtet, umso interessanter also ist die Aufarbeitung dieses Themenkreises durch Daniela Franke und Kurt Ifkovits. Vordergründig betrachtet möge man diesen Aspekt für ein Randgebiet halten, meinen die beiden, doch – und das zeigen auch die Ausstellung und das dazugehörige Begleitbuch – biete das Thema sehr wohl die Chance einer tiefergehenden Beschäftigung mit dem Werk des Künstlers, „zumal sich in seinen Arbeiten für die Bühne durchaus auch seine eigene künstlerische Entwicklung widerspiegelt: vom Grafiker über den Kunsthandwerker zum Maler bzw. vom Historismus zur Secession hin zu einem – wenn man so will – Klassizismus Goethe’scher Prägung.“

Koloman Moser, Entwurf für das Südfenster der Kirche St. Leopold am Steinhof, 1905/06, © MAK/Georg Mayer

Die Präsentation im Theatermuseum begreift sich auch als eine ergänzende Ausstellung zu der großen Koloman Moser-Schau im „Museum für angewandte Kunst“, die den bezeichnenden Untertitel „Universalkünstler zwischen Gustav Klimt und Josef Hoffmann“ trägt. Das KuratorInnenteam Elisabeth Schmuttermeier und Christian Witt-Dörring präsentieren mit über 500 Objekten ein imposantes Gesamtbild dieses produktiven Künstlerlebens. In fünf Kapiteln wird die Arbeit von Moser im Kontext der allgemeinen Kunstentwicklung seiner Zeit gezeigt: Der Bogen reicht dabei von „Wien als Bühne der Künste“ über „Die Einheit von Form und Funktion“, „Koloman Mosers frühe Jahre“, „Die Einheit der Künste“ bis zum Schlusskapitel der Schau unter dem Titel „Abschied von der Einheit der Künste“. Die Ausstellung ist bis 22. April 2019 in Wien zu sehen.

Koloman Moser, Stoffmuster Palmenblatt, 1898, Ausführung: Joh. Backhausen & Söhne, © MAK/Katrin Wißkirchen

Zeitlich und räumlich unbegrenzt ist der Zugang zu Mosers Werk, den die „Österreichische Galerie Belvedere“ bietet. Hier hat man jüngst einen auf Malerei und Druckgrafik bezogenen Werkkatalog ins Netz gestellt. Das Verzeichnis umfasst 208 Gemälde und 887 Objekte aus dem Bereich der Druckgrafik.

Der Moser-Experte Gerd Pichler, der dabei für die Zusammenstellung des malerischen Oeuvres verantwortlich zeichnet, charakterisiert in seiner Einleitung die Bedeutung des Künstlers folgendermaßen: „Die unbändige Schaffenskraft, die Kolo Moser als Mitbegründer der Wiener Secession und der Wiener Werkstätte sowie als Professor an der Kunstgewerbeschule in die Kunstszene um 1900 einbrachte, wirkte über Wien hinaus in die Länder der Donaumonarchie ebenso wie in die Metropolen Europas. Er war ein kompromissloser Ästhet, der sich nur so lange mit einer künstlerischen Materie auseinandersetzte, wie er eine Herausforderung darin sah und persönlich durch die künstlerische Tätigkeit wachsen und Befriedigung darin finden konnte.“

Ausschnitt aus dem Online-Werkverzeichnis zu Koloman Moser, © Belvedere

Stefan Üner hat in dem Werkverzeichnis den Bereich der Druckgrafik übernommen und meint dazu: „Arbeiten für private und öffentliche Auftraggeber wie die Secession, die Wiener Werkstätte, die k. k. Staatsdruckerei oder für das Theater verdeutlichen Mosers Tätigkeit als kreativer Universalkünstler, der fern jeglicher Dogmen einen ästhetischen Kosmos erschuf, der bis heute Anklang findet. Würde Moser heute leben, wäre er wohl ein international gefragter Stardesigner, ähnlich wie Stefan Sagmeister oder Philippe Starck. Wie keiner zweiter seiner Zeit verstand es Moser die traditionelle Druckgrafik als visuelles Medium für die Massenkultur einzusetzen.“

Der digitale Werkkatalog ist eine erfreuliche und auch für die Forschung überaus nützliche Initiative, die zeigt, in welche Richtung sich Museen in der Zukunft entwickeln müssen.

Weitere Hinweise:
Theatermuseum
Museum für angewandte Kunst
Österreichische Galerie Belvedere

Franke, Daniela – Kurt Ifkovits: „Anwendungen“. Koloman Moser und die Bühne, Wien 2018.
Thun-Hohenstein, Christoph – Elisabeth Schmuttermeier – Christian Witt-Dörring (Hrsg.): Koloman Moser: Universalkünstler zwischen Gustav Klimt und Josef Hoffmann / Universal Artist between Gustav Klimt and Josef Hoffmann, Basel 2018.