SIMPLICISSIMUS

Ausschnitt aus dem Buchcover unter Verwendung eines Plakates von Thomas Theodor Heine

Blutrot auf Schwarz droht die rote Buldogge als Wappentier der Münchner satirischen Wochenschrift SIMPLICISSIMUS. Sie ist eine Ikone, ein noch immer bekanntes Logo und das, obwohl es die Zeitschrift schon über 80 Jahre nicht mehr gibt. (Vielleicht trägt ja auch das Wiener Kabarett Simpl zur Bekanntschaft bei. Dieses wurde 1911 gegründet, übernahm damals Name, Schriftzug und die rote Buldogge und besteht noch immer.) Blutrot auf Schwarz prangt die rote Buldogge auch am Cover des von Reinhard Klimmt und Hans Zimmermann herausgegebenen Reprints „SIMPLICISSIMUS 1896-1933. Die satirische Wochenzeitschrift“.

Die Herausgeber: Klimmt war saarländischer Ministerpräsident und deutscher Bundesverkehrsminister, ist ausgebildeter Cellist , als Buchautor und literarischer Kolumnist tätig und betreibt außerdem noch ein Antiquariat. Zimmermann war wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar und im Rahmen eines Forschungsprojekts zuständig für die Erschließung des SIMPLICISSIMUS. In der Einleitung wird kurz die Biografie des Verlegers Albert Langen angerissen, der nach französischem Vorbild eine illustrierte Literaturrevue geplant hatte, aus der sich dann aber bald die satirische Wochenschrift entwickelte. Hier ist auch die Stelle, kritisch anzumerken, dass die Herausgeber die Einleitung doch etwas gar knapp und oberflächlich gehalten haben. Liest man allein die Eintragung in WIKIPEDIA zum Thema SIMPLICISSIMUS, dann übertrifft die an Ausführlichkeit und Information das Buch bei weitem. 

D a s  Ereignis an dem Buch aber sind sowieso die Bilder. Waren diese anfänglich nur als Illustrationen zu den Texten im SIMPLICISSIMUS gedacht, so übernahmen die auf allerhöchstem künstlerischen Niveau gestalteten Karikaturen sehr bald die Hauptrolle. Namen wie Olaf Gulbransson, Thomas Theodor Heine, Ferdinand von Reznicek, Eduard Thöny und Heinrich Zille sind uns – hundert Jahre danach – ja noch immer ein Begriff. Die Herausgeber fassten nun für dieses Buch die Bilder in Themengruppen zusammen und beginnen mit einer Aufzählung der Typen und Charaktere. Der Wiedererkennungswert von Stereotypen ist natürlich bei Karikaturen besonders wichtig, und so gab es als Typen die Studenten und Soldaten, die Adeligen und die Damen der Halbwelt, die Priester und die Künstler. Die erste Themengruppe ist dem Kaiser gewidmet: „Wilhelm II. war ein Glücksfall für die Karikaturisten“, es folgt das Kaiserreich mit all seinen Institutionen und Gegebenheiten, zu denen auch der Antisemitismus gehörte. Dieser war ja ein Kennzeichen der Wilhelminischen Gesellschaft. Es ist für uns dennoch sehr eigenartig, zu sehen wie in einer satirischen Zeitschrift manchmal kritisch Distanz genommen, dann aber doch „perfide denunziatorisch“ zugespitzt wird. Der „große Krieg“ und die Folgen sind ein weiterer Abschnitt, bevor das Buch mit der Weimarer Republik und der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus endet. Man hat sich von Seiten des SIMPLICISSIMUS übrigens nicht wirklich lange mit ihm auseinandergesetzt, sondern recht bald klein beigegeben. (Was aus der Sicht eines Nachgeborenen nur sine ira et studio bemerkt werden kann.) Im Epilog steht, dass es unsinnig wäre, „Satiriker oder Karikaturisten für gleichsam auserwählte Moral- und Wahrheitswächter zu halten; das süße und lähmende Gift des Konformismus versucht auch sie. Und es entgeht der Dummheit seiner Epoche kaum jemand ganz.“ So kurz die Herausgeber die Einleitung hielten, so sehr bemühten sie sich, die Themen der Karikaturen samt deren gesellschaftlicher und sonstiger Hintergründe in knappen Sätzen zu erläutern, weil die uns Heutigen ja nicht immer bekannt sein können. Das Hauptvergnügen an diesem Buch wird dennoch das Betrachten der rund 270 Bilder ausmachen und da vor allem die Bewunderung deren grafischer Gestaltung.

Statistisches am Ende: 2.577 Hefte sind erschienen, die enthielten mehr als 52.000 Einzelbeiträge, davon 27.000 Karikaturen von 400 Beiträgern.

Alle Jahrgänge des SIMPLICISSIMUS sind digitalisiert und mit Stichwörtern erschlossen, Bilder und Texte leicht abzurufen.

Klimmt, Reinhard  – Hans Zimmermann (Hrsg.): SIMPLICISSIMUS 1896-1933. Die satirische Wochenzeitschrift, LangenMüller, Stuttgart 2018.