Emil Pirchan: Plakat – Bühne – Objekt

Emil Pirchan, Bühnenbildentwurf, Schlussszene aus Shakespeares „Othello“, Berlin, Staatstheater,1921, © Sammlung Steffan / Pabst, Foto: Theatermuseum, Wien

„Der österreichische Architekt, Bühnenbildner, Gebrauchsgraphiker und Schriftsteller Emil Pirchan ließ sich von den Reformbestrebungen der Künste um 1900 mitreißen. Er sah die Kunst nicht als hehren Tempel, unterschied nicht zwischen ‚high‘ und ‚low art‘, sondern nutzte Kunst als Möglichkeit einer gestalterischen Vielfalt und breiten Wirksamkeit“ – so René Grohnert, der Kurator der Schau „Emil Pirchan. Plakat – Bühne – Objekt“, die bis zum 5. Mai 2019 im Essener Museum Folkwang zu sehen ist.

Links: Emil Pirchan, Coverdesign für die Zeitschrift „Mitteilungen des Vereins Deutscher Reklamefachleute“, 1913, Heft 43, © Sammlung Steffan / Pabst, Foto: Sammlung Steffan / Pabst; Rechts: Emil Pirchan Bühnenentwürfe, Plakat, München 1912, Museum Folkwang / Deutsches Plakat Museum © Sammlung Steffan / Pabst, Foto: Jens Nober, Museum Folkwang

Gegliedert in acht thematische Räume werden in der Schau auf rund 700 m² über 350 Beispiele aus Pirchans umfassendem Schaffen präsentiert. Der Bogen des Gezeigten reicht dabei von Kleingrafik über Plakate und Werbeprospekte bis zu Architekturzeichnungen und Bühnenbildentwürfen. Diese künstlerische Vielseitigkeit war typisch für die Wiener Szene des frühen 20. Jahrhunderts. Pirchan stand damit in der Tradition von Persönlichkeiten wie etwa Heinrich Lefler, Alfred Roller, Koloman Moser oder Joseph Urban, die sich allesamt neben der angewandten Grafik ebenso intensiv mit der Kunst des Bühnenbildes beschäftigten.

Emil Pirchan, Projektskizze für ein Theater in Südamerika, Berlin ca. 1930, © Sammlung Steffan / Pabst, Foto: Theatermuseum, Wien

Emil Pirchan wurde 1884 in Brünn/Brno in Mähren im damaligen Österreich-Ungarn geboren. Er studierte Architektur bei Otto Wagner an der Akademie der bildenden Künste in Wien und war dann als Zeichenlehrer in seiner Geburtsstadt tätig. 1908 ging er nach München, wo er als Architekt und Gebrauchsgrafiker tätig war und eine Kunstschule für Gebrauchsgrafik und Bühnenbild betrieb. 1918 wurde Emil Pirchan Ausstattungsdirektor der Bayrischen Staatstheater, 1921 übersiedelte er nach Berlin, wo er für die Bühnenausstattungen des Verbundes der Staatstheater zuständig war. Ab den 1920er Jahren entfaltete Pirchan auch eine reiche Lehrtätigkeit im Bereich Bühnenbild in Berlin, dann in Prag und schließlich ab 1936 in Wien, wo er außerordentlicher Professor an der Akademie für bildende Künste wurde und hier ebenso Theaterproduktionen ausstattungsmäßig betreute. Daneben ist Emil Pirchan auch als Autor von Romanen und Fachliteratur hervorgetreten. 1957 verstarb er in Wien.

Neben der umfassenden Ausstellung zu Leben und Werk des vielseitigen Künstlers ist auch die im Schweizer Verlag Nimbus 2018 erschienene Monografie „Emil Pirchan. Ein Universalkünstler des 20. Jahrhunderts“ zu erwähnen.

Weitere Hinweise:
Museum Folkwang