Neu: Poster House New York

Blick in die Räume der Mucha-Ausstellung im New Yorker Poster House. Alle Fotos: René GrohnertBlick in die Räume der Mucha-Ausstellung im New Yorker Poster House. Alle Fotos: René Grohnert

Am Abend des 18. Juni 2019 wurde das Poster House in New York feierlich eröffnet. Nicht nur die örtliche Plakatprominenz gab sich die Ehre, auch zahlreiche Gäste aus dem In- und Ausland nutzten die Gelegenheit, sich das Haus und die ersten Ausstellungen anzusehen.

Blick in den Innenraum (Verkehrsflächen) am Eröffnungsabend

Blick in den Innenraum (Verkehrsflächen) am Eröffnungsabend

Die Gründung eines Plakatmuseums in dieser Zeit scheint ein Anachronismus zu sein, wurde und wird doch immer wieder vom Tod des Plakats gesprochen. Zuerst sollten das Fernsehen, dann die Digitalisierung zu „Totengräbern“ werden. Auch sei es als Medium nicht mehr zeitgemäß… Dagegen sprechen die stetig wachsenden Marktanteile – zumindest in Deutschland, Österreich und der Schweiz – der sogenannten Out of Home Media (OOH), zu denen neben dem klassischen Plakat auch das Großformat, die hinterleuchtete und die elektronische Werbefläche zählen.

Natürlich hat sich das Plakat unter diesem Druck gewandelt, die Aufgaben, die Stellung und die Produktion haben sich stark geändert – und damit natürlich auch die Funktion und das Aussehen. Aber es gibt es nach wie vor, wenn auch häufig nur noch als integralen Bestandteil von Kampagnen. Die Stärken des Plakats werden dabei kaum genutzt, lediglich die starke Präsenz im öffentlichen Raum und der erwartete Wiederholungseffekt scheinen da noch interessant zu sein.

Auf der anderen Seite ist New York seit den 1970er Jahren die heimliche Plakathauptstadt. Nicht nur die Ausstellungen des MoMA trugen dazu bei, es gab darüber hinaus – und gibt es zum Teil noch heute – eine lebendige Plakatszene mit Galerien, Sammlern und Auktionshäusern. Der große Andrang am Eröffnungsabend des Poster House lässt also auf eine dauerhaft interessierte Wahrnehmung hoffen.

Zum Gebäude: Das Haus wurde ab dem Jahr 1901 errichtet, also etwa zu jener Zeit, als Alphonse Mucha seine Erfolge feierte. Verschiedene Nutzungen hinterließen über die Jahrzehnte ihre Umbauspuren, zuletzt befand sich dort ein legendärer Apple-Store. Teile des Gebäudes museumstauglich zu machen war nicht einfach. Das New Yorker Büro LTL Architects übernahm den Umbau und schuf eine einfühlsame Struktur, die der Nutzung ebenso Rechnung trägt wie dem Charakter des Baus. Unterstützt wird dieser Eindruck von einem interessanten Materialmix aus Holz, Sichtbeton, Stahl und Glas.

Die Eingangsfront 119 West 23rd Street

Die Eingangsfront 119 West 23rd Street

Zu den Organisatorinnen: Im Jahr 2016 begannen die Vorbereitungen für die Gründung des Poster House. Durchaus bemerkenswert ist, dass die gesamte Gründungs- und Führungsmannschaft aus Frauen besteht – findet man ja eher selten sonst.

Von links nach rechts: Julia Night (Direktorin), Val Crosswhite (Präsidentin), Ola Baldych (Design Direktorin) und Angelina Lippert (Kuratorin)

Von links nach rechts: Julia Night (Direktorin), Val Crosswhite (Präsidentin), Ola Baldych (Design Direktorin) und Angelina Lippert (Kuratorin)

Zu den Ausstellungen: Gestartet wird mit zwei Ausstellungen: „Alphonse Mucha: Art Nouveau / Nouvelle Femme“ (bis 6. Oktober 2019). Leihgeber ist die Richard-Fuxa-Stiftung aus Prag, die u.a. die Mucha-Plakate aus einer Schenkung des ehemaligen Tennisprofis Iván Lendl verwaltet. Auf meine Frage, warum es gerade Mucha ist, mit dem gestartet wird, antworte Kuratorin Angelina Lippert, dass die letzte Mucha-Ausstellung in New York in den 1920er Jahren stattfand. Diesem Umstand dürfte auch die Informationsmenge geschuldet sein, von der die Arbeiten begleitet werden. Die für europäische Sehgewohnheiten eher üppige Inszenierung passt aber wunderbar zu den Arbeiten von Mucha und seinem „schweren Jugendstil“. Die Ausstellung erstreckt sich über zwei Räume in zwei Stockwerken.

Blick in die Räume der Mucha-Ausstellung

Blick in die Räume der Mucha-Ausstellung

Die zweite Ausstellung ist der deutschen Künstlergruppe CYAN gewidmet (Jewel-Box-Galerie): „Designing Through the Wall: Cyan in the 1990s“ (bis 6. Oktober 2019). Gedacht als Gegenposition und Kontrast erschließt sich mir die Sinnfälligkeit hier nicht so recht. Mir fielen da spontan eher zeitgenössische Theaterplakate ein, die starke Frauen aus den Stücken präsentieren und in Design und inhaltlicher Anlage einen anderen Gegenpol zu den dekorativen Beispielen von Muchas Sarah Bernard-Plakaten hätten bieten können.

Blick in die CYAN-Ausstellung

Blick in die CYAN-Ausstellung

Man darf sehr gespannt sein, wie das Poster House angenommen wird. Die Ausrichtung ist jedenfalls international und soll das Plakat in seiner ganzen Vielfalt in Geschichte, Gegenwart und Zukunft beleuchten. Gesammelt wird ebenfalls, bisher verfügt man über rund 7.000 Plakate von den 1890er Jahren bis in die Gegenwart und aus vielen Ländern der Welt. Ein spannendes Projekt hat begonnen, worüber ich mich sehr freue, zumal es an einem so exponierten Ort wie New York startet.

In nächster Zeit (2019/2020) in Planung sind folgende Präsentationen:
„The Golden Age of the Ghanaian Hand-Painted Film Posters“ und „Three Years Later: The 2017 Women’s March & Where We Are Today“.

Weitere Hinweise: Poster House