Bauhaus-Postkarten

Paul Klee, Karte für das Laternenfest 1922

„Kalt, karg und maschinell“, das waren die Vorurteile, die den Bauhaus-Bauten in den Anfangszeiten der Bewegung entgegenschlugen. Dass dort in Weimar aber auch ganz andere Seiten aufgezogen wurden, erfährt man in dem Büchlein „Die Bauhaus-Postkarten“, das die beiden Kunsthistoriker Rainer Stamm und Gloria Köpnick, letztere ausgewiesene Bauhaus-Fachfrau, herausgegeben haben. Es erscheinen ja zum hundertjährigen Gründungsjubiläum des Bauhauses eine Reihe von Büchern – und dieses kleine Postkarten-Buch ist wohl eines der schönsten. Im Vorwort wird knapp auf die Zielsetzung der Postkarten hingewiesen, dass sie nämlich die erste große Leistungsschau im Jahr 1923 bewerben sollten.

Diese Postkarten werden in unseren Tagen weltweit gesucht und gesammelt, stammen sie doch unter anderen von den Bauhausmeistern Lyonel Feininger, Wassily Kandinsky, Paul Klee und Gerhard Marcks. Die Sammlung in dem Büchlein ist außerdem durch die Ankündigungskarten der 1921 und 1922 veranstalteten Drachenfeste sowie des Laternenfests 1922 erweitert.

Sieht man die von Paul Klee gestaltete Ankündigungskarte für das Laternenfest, dann ist sie eine vollkommene Übersetzung ins Bildliche, nämlich der Stimmung, wie sie der Maler und Schriftsteller Lothar Schreyer schildert: „Wir zogen in langer Kette (…) durch die Stadt, eine Schar von Lichtträgern in der Dunkelheit, manchmal singend, manchmal schweigend, doch ganz erfüllt von der Schönheit unserer Lichter in der schönen Nacht.“

Oskar Schlemmer, Karte für das Laternenfest 1922

In ihrem Nachwort schreiben Köpnick und Stamm vom Massenmedium Ansichtskarten zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Allgemeinen und von der Geschichte der Bauhaus-Postkarten im Besonderen. Als „graphische Meisterwerke“ bezeichnen sie die Postkarten von Klee und Schlemmer. Zu Letzterem meinen sie, dass es „die gestalterischen Charakteristika des Meisters en miniature zeige, so bei dem in zartem Rosa kolorierten Kopf am Bildrand.“

Gloria Köpnick und Rainer Stamm weisen auch auf die widerstrebenden gestalterischen Tendenzen hin, wenn zum Beispiel Wassily Kandinsky „das Aufstreben der Flugkörper in eine abstrakte Chiffre bannt“, die doch im Gegensatz zu anderen Werken steht, die im Vergleich dazu noch „wie eine konventionelle Kinderbuchillustration“ wirken.

Soweit die mehr oder weniger privaten und individuellen Postkarten der Bauhaus-Feste. Jene Bauhaus-Postkarten, die auf die erste „Ausstellung des Staatlichen Bauhauses“ 1923 hinweisen sollten, entsprachen im Gegensatz dazu „modernen Reklamemedien“, die „quasi industriell hergestellt“ wurden und bei denen auch keine Varianten mehr möglich waren. Einen Umbruch stellen die Herausgeber fest, der sich bei der Betrachtung dieser zwanzig Postkarten ergibt, „einen Umbruch von individuellen, expressionistischen oder abstrakten Gestaltungen zur konstruktivistischen Formensprache und moderner Typographie“. Somit wird hier „eine Geschichte des Bauhauses in nuce“ geboten.

Köpnick, Gloria – Rainer Stamm (Hg.): Die Bauhaus-Postkarten. Insel-Bücherei 1463, Berlin 2019.

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