Shin Matsunaga: Made in Japan

Shin Matsunaga, Verglüht Japan? Verbrennt Japan?, Plakat, 2001 (Ausschnitt) © Shin Matsunaga (Alle Fotos: Jens Nober, Essen)

„In unserer Gesellschaft, die durch eine hochgradige Digitalisierung geprägt ist, hieß es schon vor langer Zeit: ‚Plakate sind tot‘. Obgleich Plakate als Medium einen Rückgang zu verzeichnen haben, werden sie jedoch als Grundlage des Grafikdesigns auf keinen Fall aussterben. Gerade die starke Verbindung zwischen der Arbeit und den fünf Sinnen des Menschen ist der Ursprung alles Kreativen.“ Dieser Befund zum derzeitigen Stellenwert des Plakates stammt vom renommierten japanischen Grafikdesigner Shin Matsunaga. Ihm widmet das Deutsche Plakatmuseum im Museum Folkwang in Essen derzeit eine Ausstellung.

Shin Matsunaga, Links: Die Zukunft des japanischen Sake, 2016 / Rechts: Autumn in Austria, 1989 (Beide © Shin Matsunaga)

Der 1940 in Tokyo geborene Matsunaga gehört zu den bedeutendsten japanischen Vertretern seines Metiers. Er studierte von 1960 bis 1964 an der Tokyo University of Fine Arts and Music (heute Tokyo University of the Arts) und arbeitete nach seinem Universitätsabschluss zunächst in der Werbeabteilung des Kosmetikkonzerns Shiseido. 1971 gründete er sein eigenes Atelier. Sein Aufgabenspektrum umfasst nahezu alle Bereiche der angewandten Grafik: Plakate, Signets, Verpackungen, Illustrationen und vor allem ganze Corporate Identity-Konzepte, wie etwa für die japanische Benesse Corporation, den Modeschöpfer Issey Miyake, den Snackproduzenten Calbee und für das in Tokyo beheimatete National Museum of Western Art. Matsunagas Arbeiten sind in namhaften Museen vertreten und wurden in vielen Gruppen- und Einzelausstellungen präsentiert. Der Künstler hat zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhalten und er ist Mitglied so renommierter Vereinigungen, wie der „Alliance Graphique Internationale“ und des „Tokyo Art Directors Club”. Darüber hinaus ist er Direktor der „Japan Graphic Designers Association“ und des „Japan Design Committee“.

Shin Matsunaga, Links: Ausstellungsplakat „Freaks von Shin Matsunaga” (Torso), 2015 / Rechts: Wildfang „Lively Minx“ (Lesung), 1991 (Beide © Shin Matsunaga)

Die Kreativität von Shin Matsunaga lässt sich nicht auf eine Stilrichtung einengen. Er beherrscht die vom neueren japanischen Design erwartete geometrische Reduktion der Formen, aber er kann je nach inhaltlichen Anforderungen aus diesem Schema ausbrechen und in eine Expressivität gehen, die bisweilen auch archaische Art brut-Elemente enthält.

Der Designer und Designexperte Jianping He hat in dem reich illustrierten Begleitbuch zur Ausstellung des Deutschen Plakat Museums eine sehr persönliche Annäherung an die Person und das Werk von Shin Matsunaga verfasst und dabei versucht, dessen theoretische Annäherung an seine Arbeit folgendermaßen zu charakterisieren: „Als herausragender Designer entdeckte er Elemente, die die meisten übersehen, ignorieren, ablehnen oder gar hassen, kritisieren, vermeiden, und unterwarf sie kreativen ästhetischen Veränderungen, um aussagekräftige Objekte zu erschaffen, die ästhetisiert und aus einer anderen Perspektive wiederhergestellt worden waren. Der Gehalt der Information wurde, abhängig vom jeweiligen Medium und der Sprache, von der sozialen Öffentlichkeit, die dann ihre ursprünglichen Vorstellungen ändern würde, überdacht, neu abgewogen und wieder akzeptiert.“

Jianping He; Konzeption René Grohnert: SHIN MATSUNAGA. Made in Japan – Plakate, Edition Folkwang / Steidl, Göttingen 2019. 

Weitere Hinweise:
Museum Folkwang

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