Grafik des Punk

Eingang zur Ausstellung in Brüssels Designmuseum (Alle Fotos: René Grohnert)

„Punk Graphics. Too fast to live, too young to die“ lautet der Titel einer Ausstellung, die am 19. November im Brüsseler ADAM Design Museum eröffnet wurde. Die Ausstellung beruht auf der Kollektion des New Yorker Sammlers Andrew Kriwine, der das umfangreiche Material in Jahrzehnten zusammengetragen hat. Zu sehen sind unter anderem Plakate, Buttons, Schallplatten, Eintrittskarten, Flyer, Bekleidung und Fotografien.

Die Brüsseler Punk-Band „mAd“

Die Eröffnung begann mit einem kleinen Konzert der Brüsseler Punk-Band „mAd“. Laut, kraftvoll und hart machten sie musikalisch klar, worum es geht: Provokation, anders sein – und das mit aller Kraft. Die Ausstellung selbst ist dann thematisch sortiert und in sehr unterschiedlicher Weise präsentiert. Die Kapitelüberschriften lauten: „Copy and Paste: The Appropriated Image“, „Cut‚n’Paste_Collage & Bricollage“, „Riding a new Wave“, „Comic Relief“, „Scary Monsters & Super Creeps“, „For Art’s Sake“, „Agit-Prop: Power to the People“ und „Do it Yourself: Zines & Flyers“. Raum für Raum gelingt so immer wieder eine Überraschung, allerdings ist die Fülle des Materials nicht zu bewältigen – jedenfalls nicht in einem Durchgang.

Die Themenbereiche lassen erahnen wie frech, kreativ und genial Quellen benutzt wurden, ob Bauhaus, Comics oder Monsterfilme, fremde visuelle Sprachen wurden vereinnahmt, indem sie übersetzt, zitiert, kopiert, verfremdet, collagiert oder parodiert wurden. Deutlich wird dies vor allem auf den Ankündigungsplakaten der Konzerte und den Plattenhüllen.

Heute sind viele Bandnamen vergessen oder aber schon Klassiker oder Legenden, einstmals war ihre Musik aber nicht weniger als Rebellion. Die Musik, die Art und Weise zu tanzen (Pogo), das Auftreten in der Öffentlichkeit (eigener Dresscode), alles atmete den Odem des Umsturzes, bis hin zur Selbstvernichtung. Dabei war es nicht nur die Abwendung von einer in den 1980er Jahren krisengeschüttelten Gesellschaft, sondern immer wieder auch eine aktive Einmischung in deren Entwicklung, wie im Kapitel „Agit-Prop: Power to the People“ zu erfahren ist. Hatten die Hippies ähnliche Ideen vom Ausstieg aus der Gesellschaft, so versuchten sie die gesellschaftlichen Normen und Zwänge zu umgehen, um neue Wege zu finden, die Punker wollten Normen und Zwänge rammen. Viele haben diesen Kraftakt nicht überlebt. Heute zeugen neben der Musik vor allem die grafischen Hinterlassenschaften vom unbändigen Willen zur Veränderung – und das vermittelt die Ausstellung. Hin und wieder blitzt auch etwas von dem auf, was fortlebt aus jener Ära, Musik, die ohne den Punk auch in der Nach-Punk-Ära nicht denkbar gewesen wäre.

Eine separate Sektion ist der belgischen Punk-Szene gewidmet: „Belgium ain’t Fun and More“. Man bekommt ein Gefühl dafür, warum die großen Namen in Belgien Konzerte gaben. Gab es doch in den Endsiebziger und den 1980er Jahren eine wilde Szene, vor allem in Brüssel. Insofern schließt sich der Kreis, und der „Punk-Ort“ Brüssel wird mit dieser Ausstellung wieder neu definiert.

Wer also demnächst in Brüssel ist und sich das Atomium ansieht, möge bitte 200 Meter weitergehen, denn dort befindet sich das ADAM Designmuseum und die lohnende Ausstellung.

Weitere Hinweise:
ADAM – Brussels Design Museum

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