10 Jahre AUSTRIAN POSTERS

In der Grafiksammlung der Österreichischen Nationalbibliothek (Foto: B. Denscher)

„There really is no such thing as Art. There are only artists. Once these were men who took coloured earth and roughed out forms of a bison on the wall of a cave; today they buy their paints, and design posters for the Underground; they did many things in between. There is no harm in calling all these activities art as long as we keep in mind that such a word may mean very different things in different times and places, and as long as we realize that Art with a capital A has no existence.“

Diese Sichtweise, die der in Wien geborene Kunsthistoriker Ernst H. Gombrich seiner 1950 erschienenen Untersuchung „The Story of Art“ voranstellte, nämlich, dass es „die Kunst“ eigentlich nicht gebe, konnte sich trotz des Erfolges des Buches lange Zeit nicht durchsetzen. Nach wie vor gibt es in der Bewertung von visueller Kunst sehr strenge Hierarchien. Das „L’art pour l’art“, „Kunst um der Kunst willen“ steht ganz an der Spitze kultureller Distinktion, während bildnerische Gestaltungen, die einem bestimmte Zweck dienen, meist ganz unten rangieren. So hat sich die herkömmliche Kunstgeschichtsschreibung relativ wenig mit angewandter Grafik befasst, wohl nach der Logik, dass jemand, der sich mit Alltäglichem beschäftigt, auch selbst nichts Besonderes ist. Es ist dies ein Phänomen, das besonders in Österreich stark ausgeprägt war, obwohl gerade hier so bedeutende Künstler, wie etwa Gustav Klimt oder Oskar Kokoschka, Gebrauchsgrafik als gleichberechtigte Aufgaben zur sogenannten „freien“ Kunst betrachteten.

Aber auch die Geschichtsschreibung tat sich lange Zeit schwer, Ephemera, wie etwa Plakate, als veritable historische Quellen ernst zu nehmen. Bestenfalls kam den Affichen in Ausstellungen und Publikationen die Rolle dekorativer Lückenbüßer zu. Das Aufkommen der Bildforschung, zum Teil in der Nachfolge von Aby Warburg und Ernst H. Gombrich, und die Beschäftigung mit „Visual History“ führten jedoch allmählich zu Änderungen dieser Sichtweisen. Im Konzept der Kulturwissenschaft wurden auch populärkulturelle Phänomene, wie etwa die Werbung, zu respektierten Themenstellungen von Forschung und Vermittlung.

In Österreich entstanden so ab der Wende zum 21. Jahrhundert, vor allem im Kontext der entsprechenden Sammlungen, wie etwa im Museum für angewandte Kunst, in der Österreichischen Nationalbibliothek und in der Wienbibliothek, interessante Projekte in Form von Ausstellungen und Publikationen. Auch die Universitäten erweiterten ihr Forschungsspektrum verstärkt in Richtung Massenmedien und visuelle Kommunikation. Deutsche Museen haben in den letzten Jahrzehnten vielfältige Annäherungen an diesen Themenkomplex geboten, wobei vor allem das Deutsche Plakat Museum im Museum Folkwang in Essen sowie das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe für ihre diesbezüglich exemplarische Arbeit zu nennen sind.

Das Grundkonzept von AUSTRIAN POSTERS ist es, all diese Aktivitäten auf einer Internet-Plattform zu präsentieren sowie auch entsprechende Forschungen anzuregen und ihnen eine Publikationsmöglichkeit im weltweiten Netz zu bieten. Dieser Idee entsprechend lautet das Mission Statement von AUSTRIAN POSTERS: „Österreichische Designerinnen und Designer haben entscheidende Impulse zur Entwicklung der modernen visuellen Kommunikation gegeben. Obwohl ihre Werke weltweit rezipiert wurden, ist über die Personen und über die Entstehung ihrer Arbeiten relativ wenig bekannt. AUSTRIAN POSTERS bietet nicht nur Informationen zu den Grafikerinnen und Grafikern, sondern auch Materialien zu den kulturhistorischen Aspekten des Mediums Plakat sowie anderer optischer Medien. Ein wesentlicher Bereich dabei ist die Einbindung der Thematik in einen internationalen Kontext. Ergänzt wird die Darstellung zur Plakatentwicklung um weitere Aspekte der globalen Populärkultur. Die Geschichte des Plakates ist eben nicht zu schreiben, ohne auf die Zusammenhänge, auf kulturgeschichtliche Fragen, auf die Entwicklung der Fotografie, der Karikatur, der Presseillustration oder der Buch- und Zeitschriftengestaltung einzugehen.“

Nach zehn Jahren des Bestehens von AUSTRIAN POSTERS kann man bezüglich des Projekts positiv bilanzieren: Renommierte Autorinnen und Autoren haben wertvolle Ideen beigesteuert sowie Beiträge geliefert – über 560 sind es mittlerweile geworden. Und auch die Rezeption war zufriedenstellend: Nicht weniger als 4,3 Millionen Zugriffe hat es in diesem Dezennium gegeben. Die meisten Aufrufe kamen dabei aus Deutschland, gefolgt von China und Österreich, knapp danach die USA. Die Österreichische Nationalbibliothek hat AUSTRIAN POSTERS in ihr Webarchiv aufgenommen. Außerdem ist in der Grafiksammlung der Bibliothek eine Buch-Dokumentation über die ersten drei Jahre der Website einzusehen (siehe obige Abbildung).

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