Überzeichnet: Expression und Karikatur

Max Beckmann, Zwei Autooffiziere (Aus dem Zyklus „Gesichter“) 1915, Kaltnadelradierung, Dr. Helmut und Constanze Meyer Kunststiftung

Eine Karikatur ist – wörtlich genommen – etwas Überladenes, entlehnt aus dem italienischen caricatura, was sich aus dem lateinischen carrus ableitet, mit dem wiederum der deutsche Karren sprachlich verwandt ist – also eigentlich ein überladener Wagen im ursprünglichen Wortsinn. Das Phänomen, bildnerischen Gestaltungen durch „Überzeichnung“ einen komischen Effekt zu verleihen, ist so alt wie die bildende Kunst selbst. In der frühen ägyptischen Kunst, im antiken Griechenland und in römischen Grotesken sind Darstellungen zu finden, die sich bereits dem Bereich der Karikatur zuordnen lassen. Die Blütezeit des grafischen Humors aber brach mit dem 19. Jahrhundert an, als das Aufkommen von Massenpublikationen auch einen erhöhten Bedarf an unterhaltenden Illustrationen mit sich brachte. Das Werk von Honoré Daumier zum Beispiel, das rund 4000 Lithografien umfasst, legt davon ein anschauliches Zeugnis ab. Im 20. Jahrhundert kam es, dieser Entwicklung folgend, zu einer potenzierten Bildexplosion. Die bildende Kunst setzte dabei Trends, wurde aber auch ihrerseits von den Bildmedien der Populärkultur beeinflusst.

Das „Kunstmuseum Bayreuth“ widmet derzeit eine Ausstellung der Frage, welche Rolle die Karikatur im Rahmen der expressiven Kunst spielen kann. Der Bogen ist dabei sehr weit gefasst, thematisiert wird wesentlich mehr als die eigentliche Kunstströmung des Expressionismus. Auch wenn die Präsentation mit Vertretern der Künstlergruppe „Brücke“, wie Ernst-Ludwig Kirchner, Max Pechstein und Karl Schmidt-Rottluff, beginnt und mit Otto Dix, George Grosz, Hannah Höch, Karl Hubbuch, Käthe Kollwitz, Oskar Kokoschka und Elfriede Lohse-Wächtler fortsetzt, geht die Schau über die Kunst der Weimarer Republik sowohl zeitlich als auch thematisch um einiges hinaus.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zu einer starken, dem Realismus verhafteten, sozialkritischen Kunstströmung, die in ihrem politischen Engagement zu kräftigen, expressiven Darstellungsweisen fand. Der österreichische Bildhauer, Maler und Grafiker Alfred Hrdlicka war mit seinen oft bitteren Bild-Satiren einer der bedeutendsten Vertreter dieser Richtung.

Helmut Bibow, Ende eines Kunstgespräches, Federzeichnung, o. J., Dr. Helmut und Constanze Meyer Kunststiftung

Eine Reihe von Bayreuther Künstlern komplettieren die interessante Schau, mit der ein vierteiliger Ausstellungs-Zyklus aus Anlass des zwanzigjährigen Bestehens des „Kunstmuseums Bayreuth“ seinen Abschluss findet. Dazu die Direktorin des Museums, Dr. Marina von Assel: „Die Karikatur spielt in den Sammlungen einen kleinen, aber hochspannenden Part: Zur Dr. Helmut und Constanze Meyer Kunststiftung gehört auch ein größeres Konvolut des Karikaturisten Helmut Bibow. In den letzten Jahren kam durch die Schenkung von Prof. Dr. Werner Grüninger ein kleiner Werkkomplex von Rudolf Hesse hinzu. Ganz neu in der städtischen Sammlung sind 10 Originalzeichnungen des Bayreuther Cartoonisten Matthias Ose.“

Weitere Hinweise:
Kunstmuseum Bayreuth

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