Jim Dine und die Liebe zum Drucken

Alle Abbildungen: Steidl Verlag

Im Steidl Verlag ist das Verzeichnis des druckgrafischen Werks (2001–2020) von Jim Dine erschienen.[1] Es ergänzt den Band seines druckgrafischen Werks (1985–2000) aus dem Jahr 2002.[2]

Jim Dine (*1935) studierte in Boston und Ohio Kunst, übersiedelte 1958 nach New York und gründete gemeinsam mit Marc Ratliff (*1935), Bernard Bud Scott, Claes Oldenburg (*1929) und Tom Wesselmann (1931–2004) die Judson Gallery. Dort etablierte die Gruppe mit der ersten Ausstellung, in der figurative Zeichnungen von Claes Oldenburg gezeigt wurden, und der zweiten Ausstellung mit Zeichnungen von Jim Dine den Platz für ihre Präsentationen und Veranstaltungen / Happenings (bis 1961).

Neben seinen künstlerischen Arbeiten war Dine immer wieder auch als Lehrender an verschiedenen Universitäten und Hochschulen (bis 1985) tätig. Er wurde im Umfeld der Pop-Art bekannt, ist aber in seiner Gestaltung eher auf den emotionalen Ausdruck innerer Zustände des Menschen orientiert. Er arbeitet genreübergreifend, widmet sich der Zeichnung und der Malerei ebenso wie dem Bühnenbild, der Fotografie, der Lyrik, der Skulptur und im Besonderen der Druckgrafik.

Sein Interesse richtete sich von Anfang an intensiv auf die grafischen Drucktechniken, vor allem darauf, wie er seine künstlerischen Intentionen damit umsetzen kann. Dies führt letztlich dazu, dass er immer wieder nach neuen Wegen sucht, sich der unterschiedlichsten Techniken bedient und diese auch kombiniert. Besondere Aufmerksamkeit ist dabei auf die Rolle der Drucker zu richten, mit denen sich Dine jeweils zusammenschließt, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Die intensive Zusammenarbeit lässt die Drucker zu „Co-Autoren“ werden. Dine schätzt diese Zusammenarbeit und widmet ihr immer wieder auch eigene druckgrafische Serien. Auch in dem nun vorliegenden Buch ist der wichtigste Beitrag genau dieser Zusammenarbeit gewidmet.[3]

Dine verbreitet seine Arbeiten nicht nur als Originale, sondern auch in zahlreichen (Künstler-) Büchern, die seit 2002 exklusiv im Steidl-Verlag erscheinen. Das vorliegende Verzeichnis hat Tobias Burg erarbeitet. Burg ist Kurator der Grafischen Sammlung im Museum Folkwang und richtete dort 2015 die Ausstellung Jime Dine. About the Love of Printing ein.[4] Hier begann auch die intensive Zusammenarbeit mit Jim Dine und Gerhard Steidl, die im nun vorliegenden Catalogue Raisonné ihren fruchtbaren Ausdruck findet.

Penibel zusammengetragen wurden die dokumentarisch notwendigen Detailinformationen zu den Druckwerken, wie Ort, Zeit, Technik, Farben, Auflage (inkl. spezieller Informationen, wie etwa zu Signaturen oder speziellen Papieren etc.) und zu Beteiligten (Herausgeber, Drucker). Diese Arbeit ist eine hervorragende Grundlage für die Einordnung der Druckwerke von Jim Dine in sein eigenes Werk aber auch für die Einordung in einen historischen und kunsthistorischen Kontext. Dass das Buch trotzdem nicht den Eindruck eines dokumentarischen Werks macht, das verdanken wir der großzügigen Gestaltung von Rahel Bünter (Steidl-Design) und Ideen von Tobias Burg. So kann man dieses Buch auch als illustrierte Lebensgeschichte durchblättern, sich an den wunderbar gedruckten Abbildungen erfreuen, und schnell entdeckt man auch die Phasen in Dines druckgrafischem Werk. Die Themen wechseln genauso wie Farbe und Schwarz/Weiß, Selbstportraits kommen immer wieder vor, Motive wechseln oder wiederholen sich in Variationen. Und ein Blick auf die technischen Daten beantwortet die Frage: Wie hat er das gemacht?

Dieses Buch bietet ein adäquates Abbild der Arbeiten eines Künstlers, dessen Passion, ja dessen Besessenheit im immerwährenden Experiment liegt, im Versuch, die vorhandenen Möglichkeiten zu erweitern, um neue, wirklich neue Bildwelten zu erschaffen, um Möglichkeiten zu finden menschliche Befindlichkeiten – eigene wie fremde – auszudrücken.

[1] Das Buch ist in zwei Ausgaben erschienen:
I Tobias Burg (Hg.): I print. Jim Dine. Catalogue Raisonné of Prints 2001-2020, Göttingen, 2021 (Steidl Verlag, 1. Auflage 03/2021) ISBN 978-3-95829-872-9. Mit einem Vorwort von Susan Tallmann und einem Text von Tobias Burg | 392 Seiten, 807 Abbildungen | Englisch | Fester Einband / Leineneinband | 24 x 29 cm, EUR 220.
II Tobias Burg (Hg.): Jim Dine. Jim as I know him, Göttingen, 2021 (Steidl Verlag, 1. Auflage 04/2021).
Enthält:
– I print. Jim Dine. Catalogue Raisonné of Prints 2001-2020 in einem handgefertigten Schuber
– Eine Lithographie vom Stein von Jim Dine, ISBN 978-3-95829-960-3, EUR 450. Weitere Informationen zu diesen Ausgaben und weiteren Jime Dine-Büchern, die im Steidl Verlag erschienen sind, unter: https://steidl.de/Kuenstler/Jim-Dine-0022243039.html
[2] The Minneapolis Institute of Arts (Hg.): Jim Dine Prints, 1985-2000: A Catalogue Raisonné, (1. Auflage 2002). ISBN 10: 0912964863 | ISBN 13: 9780912964867. Mit Beiträgen u.a. von Elizabeth Carpenter, Joseph Ruzicka, illustriert von Jim Dine | 256 Seiten | Englisch | Fester Einband | 18 x 32 cm.
[3] Tobias Burg: Jim Dine and his Printers. In: Tobias Burg (Hg.): I print. Jim Dine. Catalogue Raisonné of Prints 2001–2020, Göttingen, 2021, S. 11ff.
[4] Museum Folkwang (Hg.): Jim Dine. About the Love of Printing, Essen, Göttingen, 2015 (Steidl-Verlag). Konzeption und Text von Tobias Burg, mit einem Vorwort von Tobia Bezzola.

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