Bayreuth: Plakate von Frieder Grindler

Frieder Grindler, Plakat „Hölderlin“ für das „Tübinger Sommertheater“, 1993

Das Kunstmuseum Bayreuth bietet derzeit „Ganz großes Theater!“ – denn so lautet der Titel der aktuellen Ausstellung im Neuen Rathaus. Gezeigt werden Plakate des deutschen Designers Frieder Grindler. Und der Titelslogan ist nicht übertrieben, bietet doch die Überblicks-Schau zu Grindlers bisherigem Lebenswerk nicht nur eine Darstellung zu einem bemerkenswerten Kapitel deutscher Designgeschichte, sondern auch wichtige Dokumente zur deutschen Theaterentwicklung in den letzten 55 Jahren.

Links: Renate und Frieder Grindler, 1968 / Rechts: Frieder Grindler, 2020

Frieder Grindler wurde am 3. Juni 1941 in Berlin geboren und erhielt seine Ausbildung an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart sowie an der Kunsthochschule Kassel. Er arbeitete als Grafiker, teilweise in Kooperation mit seiner Frau Renate, unter anderen für das Staatstheater Stuttgart, das Staatstheater Darmstadt, das Stadttheater Bremerhaven, das Badische Staatstheater Karlsruhe, die Württembergische Landesbühne Esslingen sowie für das Tübinger Zimmertheater. Als Art Director prägte er von 1966 bis 1979 den visuellen Auftritt des Süddeutschen Rundfunks und war danach von 1979 bis 2005 Professor für Kommunikationsdesign an der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt. 1976 wurde er in die renommierte Alliance Graphique Internationale als Mitglied aufgenommen.

Bestimmt wird Grindlers Plakatschaffen in wesentlichen Teilen durch die Symbiose von Fotografie und Grafik. Es ist dies eine Technik, in der er eine besondere Meisterschaft erreichte. Dies ist besonders erwähnenswert, da Grindlers Arbeiten in einer Zeit entstanden, in der sich die Werbegrafik im Allgemeinen sichtlich schwer tat, unter Verwendung der Fotografie ästhetisch ansprechende Ergebnisse zu erzielen.

Links: Renate und Frieder Grindler, 1971 / Rechts: Frieder Grindler, 1994

Zwei besondere Arbeiten aus Grindlers Oeuvre, die auch zu den Highlights der Bayreuther Schau gehören, hat René Grohnert bereits in seiner Publikation „Theaterplakate von Frieder Grindler“, erschienen zur Ausstellung „Flächen, die die Welt bedeuten“ im Deutschen Plakat Museum, exemplarisch herausgestellt: „Schaut man sich ein frühes Blatt, etwa Porgy + Bess aus dem Jahr 1971 im direkten Vergleich mit dem Plakat für das Tanztheaterstück Othello von Ismael Ivo und Johann Kresnik aus dem Jahr 1994 an, wird deutlich, wie das Prinzip der Montage und Bildmanipulation sich verändert hat. Das Handwerkliche ist zugunsten einer assoziativen Gestaltung zurückgetreten, das Experiment zu einer wichtigen Methode der Bildfindung und der Bildregie geworden. Die Wahl der Gestaltungsmittel und der Motive orientiert sich dabei ganz am Anliegen des Stücks und kommentiert es auf einer weiteren Ebene.“[1]

Die Ausstellung „Ganz großes Theater! Plakate von Frieder Grindler“ ist bis 28. August 2022 zu sehen, und ein für das Kunstmuseum Bayreuth typisches sympathisches Vermittlungsprogramm steht dazu im Angebot. Dies reicht von Führungen in Gebärdensprache bis zu Kinderkunstkursen zum Thema „Was ich immer schon mal zeigen wollte. Plakate gestalten mit Malerei und Collage“.

[1] Grohnert, René: Flächen, die die Welt bedeuten. Plakate von Frieder Grindler, Göttingen 2011, S. 9.

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