Das Plakat-Jahr 1896

Motiv aus dem Plakat „Harper’s August“ von Edward Penfield, USA (Alle in diesem Artikel abgebildeten Plakate stammen aus dem Jahr 1896)

Man kann das Plakat-Jahr 1896 sicherlich nicht isoliert betrachten, die Ereignisse in diesem Jahr haben ihre Vorläufer und wirken in den Folgejahren weiter. Und doch kulminiert hier Einiges, was sich als wegweisend für die Entwicklung des Plakats herausstellen sollte. Dem nochmals nachzugehen, 130 Jahre später schien interessant.

Die Plakatjahre um 1900 zeigen sich international auf recht unterschiedlichem Niveau.

In Frankreich hatte sich mit Jules Chéret (1836-1932), Henri de Toulouse-Lautrec (1864-1901), Alfons Maria Mucha (1860-1939), Théophile Alexandre Steinlen (1859-1923) und vielen anderen längst eine anerkannte Szene des modernen künstlerischen Plakats etabliert.

Henri de Toulouse-Lautrec, Frankreich, Paris / Théophile A. Steinlen, Frankreich, Paris / Alfons Maria Mucha, Frankreich, Paris

In Belgien sind es u. a. André Louis Armand Rassenfosse (1862-1934) und Emile Berchmanns (1867-1947), die die Entwicklung vorantreiben.

Italien hat mit Künstlern wie Adolpho Hohenstein (1854-1949) und Giovanni Mataloni (1869-1944) starke eigene Charaktere.

Brothers Beggarstaff, Großbritannien, London

In Großbritannien machen die Brothers Beggarstaff (William Nicholson: 1872-1949 & James Pride: 1866-1941), Aubrey Beardsley (1872-1898), John Hassall (1868-1948), Dudley Hardey (1867-1929) und viele andere von sich reden. Leider blieb das, aus heutiger Sicht, wichtigste Plakat der frühen Plakatzeit ohne direkte Nachfolge, das bereits 1871 erschienene Blatt zum Theaterstück „The Woman in White“ von Frederic Walker (1840-1875). Hatte es doch schon alle Merkmale des modernen Plakats: Ein Zentralmotiv, große Schrift und starke Kontraste.

Marc Auguste Bastard, Schweiz, Geneve / Adolfo Hohenstein, Italien / Louis John Rhead, USA, New York

In den USA finden sich ebenfalls eine ganze Reihe von Gestaltern, die den Plakaten einen jeweils modernen und individuellen Charakter geben, so unter anderen Frank Hazenplug (1873-1931), Elisha Brown Bird (1867-1943) und Edward Penfield (1866-1925).

In Ländern wie der Schweiz, Österreich und Deutschland startet diese Entwicklung im Vergleich verspätet. In der Schweiz setzt sich das Bildplakat erst langsam am Ende des 19. Jahrhunderts durch, die ersten wegweisenden Gestaltungen unter anderem von Emil Cardinaux (1877-1936), Burkhard Mangold (1873-1950), Otto Morach (1887-1973) und Otto Baumberger (1889-1961) lassen dann ab 1908 erahnen, welche Entwicklung sich hier ankündigt. In Österreich sind es die Plakate, die im Umfeld der Wiener Secession entstehen, unter anderem von Kolo Moser (1868-1918), Alfred Roller (1864-1935), Josef Hoffmann (1871-1956) oder auch von Heinrich Lefler (1863-1919), die besondere Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Henri de Toulouse-Lautrec, Frankreich, Paris / Théophile A. Steinlen, Frankreich, Paris / Alfons Maria Mucha, Frankreich, ParisIn Deutschland stehen einer vergleichbaren positiven Entwicklung ganz verschiedene Aspekte entgegen: Zum einen hinkt die Industrialisierung in ihrer Entwicklung den anderen Industrienationen um Jahre hinterher, daher ist Bedarf nach Reklame noch nicht so ausgeprägt. Ein vergleichbares Bruttosozialprodukt wird erst um 1914 erreicht. Zum anderen hat das Sozialistengesetz (1878-1890) wesentliche Entwicklungen der Kommunikation im öffentlichen Raum verhindert. Hinzu kommt noch eine kaiserliche Kunstdoktrin, die ausschließlich auf Repräsentanz ausgerichtet war und alles verachtete, was sich mit „… als trivial geltenden Niederungen des Alltags …“[1] künstlerisch auseinandersetzte. Zahlreiche alternative Künstlergruppen, zum Beispiel in Wien, München und Berlin, die sogenannten Secessionen[2], widersetzten sich dieser Kunstauffassung mit ihren Werken.

Es bildeten sich aber auch im Schatten dieser Hemmnisse an zahlreichen Orten in Deutschland manchmal kurzzeitig sogar eigenständige Plakatgestaltungen heraus. Natürlich sind auch Einzelleistungen hervorzuheben, die als Boten einer neuen Auffassung und Gestaltung erwähnenswert sind.

Fritz Stollenberg, Kiel

München dürfte dabei die ältesten Vorrechte haben, genannt zu werden, denn hier gab es schon in den 1880er Jahren vor allem Plakate für Ausstellungen. Wobei historistische und symbolistische Gestaltungsideen vorherrschten. Franz von Stuck (1863-1928) beschreitet 1893 mit seinem Plakat zur „I. Internationalen Kunstausstellung des Vereins Bildender Künstler“, trotz seiner strengen klassisch-antiken Orientierung, aber bereits neue Wege. Er stellt die Göttin Athena als Zentralmotiv in den Mittelpunkt, die als Mosaik gezeigte Fläche vermittelt den klassisch-antiken Ansatz. Es gibt nur die notwendigsten Textinformationen, auch verzichtet er auf weitere Versatzstücke mit metaphorischer Bedeutung. Merkmale, die formal auch das moderne Plakat ausmachen.

Josef Rudolf Witzel, München

Ab 1896 wurden in München die Zeitschriften „Jugend“ und „Simplicissimus“ herausgegeben. In dieser Situation fanden Entwürfe von Angelo Jank (1884-1940), Nicolaus Gysis (1842-1901), Ernst Liebermann (1869-1960), Julius Diez (1870-1957), Maximilian Dasio (1865-1954) und nicht zu vergessen von Thomas Theodor Heine (1867-1948) und in der Folge natürlich auch Arbeiten von Ludwig Hohlwein (1874-1949) schnell Akzeptanz und Anerkennung.

Thomas Theodor Heine, München / Angelo Jank, München / Heinrich Heim, Nürnberg

Die Darmstädter Künstlerkolonie war 1899 eine mäzenatische Gründung von Ernst Ludwig, Großherzog von Hessen und bei Rhein (1868-1937), unter Mitwirkung von Alexander Koch (1860-1939). Sie nahmen die Strömungen der Zeit auf und ermöglichten eines der wichtigsten Experimente zur Verbindung von Kunst, Architektur und Alltag um 1900. Wobei die Einheit von freier und angewandter Kunst, einschließlich der von Architektur und Handwerk. Wichtige Vertreter für Design und Graphikdesign sind Josef Maria Olbrich (1867-1908), Hans Heinrich Christiansen (1866-1945), Friedrich W. Kleukens (1878-1956), Peter Behrens (1868-1940), Ludwig Habich (1872-1949) und Albin Müller (1871-1941).

In Dresden gab es eine ganze Reihe von sich gegenseitig beflügelnden Strukturen, die für kurze Zeit zu einer speziellen Entwicklung des Dresdner Plakats führten: museale Sammlungen, Ausbildungsstätten, ein reges kulturelles Leben sowie aufgeschlossene Auftraggeber und technisches know how in Druckereien. Die einzelnen Akteure spielten dabei jeweils eine eigene Rolle, die im Laufe der Jahre immer wieder variierte.

Dort entwickelte sich ein flächiger Stil, bei dem Jugendstilelemente zurückhaltend eingesetzt wurden. Vorherrschend waren klare Farben und die Konzentration auf eine emotionale Ansprache. In vielen Motiven werden daher kleine Geschichten präsentiert. Hierin sind sie eher mit dem Münchner Plakat verwandt als mit dem „Berliner Sachplakat“, das seine Wirkung aus reduzierter Gestaltung – meist nur einer Wort-Bild-Marke – bezieht. Wichtige Vertreter der kreativen Plakatszene waren u. a. Fritz Rehm (1871-1938), Johann Vincenz Cissarz (1873-1942), Otto Fischer (1880-1947), Hans Unger (1872-1936) und Otto Friedrich Gussmann (1869-1926).[3] Aus diesem Grund und nicht ganz verwunderlich, erscheint hier 1897 auch das erste umfangreiche Buch zum Stand der internationalen Plakatentwicklung.[4]

Otto Fischer, Dresden

In Hamburg etablierte sich die 1872 gegründete Druckerei Friedländer als erster spezialisierter Betrieb für lithografisch hergestellte Großformate, die vor allem für den Zirkus, das Varieté, Schausteller, Artisten, Zauberer, Tier- und Völkerschauen arbeitete. Die bis 1935 fast 10.000 Plakatmotive folgen über die Jahre einer eigenen Ästhetik. Noch heute gibt es Zirkusplakate, die stark an diese erinnern.

Berlin ist um 1900 die Metropole mit dem schnellsten Einwohnerwachstum, die Industrialisierung schreitet voran und die Hauptstadt des Deutschen Reiches wird auch zu einem kulturellen Hot Spot. Spektakuläre Ausstellungen und Theateraufführungen und nicht zuletzt eine schnell wachsende Künstler- und die gut organisierte Plakatszene begründen den Ruf als kulturelles Zentrum des Landes mit. Auch wenn Ludwig Sütterlins Plakat für die „Berliner Gewerbeausstellung“ von 1896 einen neuen Weg vorzeichnete, so war es noch lange nicht ausgemacht, dass das moderne Plakat in Berlin weitgehend Fuß fassen würde, Standard war noch immer das historistische Plakat mit seiner Fülle von Metaphern, die das Thema und den zumeist umfangreicheren Text noch einmal bildlich kommentierten.

Ludwig Sütterlin, Berlin / Edmund Edel, Berlin / Fritz Rehm, Dresden

Es bedurfte einer schöpferischen Anstrengung, kluger Organisation und unternehmerischen Risikos, hier neue Entwicklungen anzustoßen. Einen wesentlichen Anteil daran hat der Werbefachmann Ernst Growald (1867-1941).[5] Er leitete bis in die Mitte der 1890er Jahre ein Reklamebüro in Breslau. 1896 übersiedelt er nach Berlin und wird als Reklameagent zunächst Vertreter der Druckerei Hollerbaum & Schmidt, ab 1.1.1897 dann Leiter der neugegründeten Abteilung „Moderner Druck“ (bis 1914) verpflichtet. Er versammelte um sich einen ganzen Kreis innovativer Künstler[6] und wurde zum theoretischen Motor der Entwicklung einer neuen Reklamekunst, deren Höhepunkt mit dem „Berliner Sachplakat“, mit Lucian Bernhards (1883-1972) „Stiller [Schuh]-Plakat“, ab 1908 gefunden war. Unter seiner Anleitung wurde auch die farblithographische Technik erarbeitet und eingesetzt, wie sie in Frankreich durch Jules Chéret in den 1880er Jahren eingeführt wurde. Die spezielle Spritztechnik ermöglichte einen farbenfrohen und kontrastreichen Druck und war darüber hinaus preiswerter und schneller umzusetzen als die Plakate im chromolithografischen Verfahren, die für jeden Halbton oder jede Farbabstufung einen eigenen Stein bzw. eine eigene Folie benötigte, was sich auf ein Dutzend und mehr Durchgänge addieren konnte. Die Lithografie nach Chéret benötigte nur vier Druckdurchgänge. Die in feinen Punkten nebeneinander gesetzten Grundfarben mischten sich dann im Auge des Betrachters. Diese Technik bestimmte fortan ganz wesentlich das Erscheinungsbild des modernen Plakats auch in Deutschland.[7]

All diese Beispiele stellen das Besondere in ihrer Zeit dar, die überwiegende Gestaltung wurde von historistischen Kompositionen, Ganz oder in Teilen getragen, die der offiziellen Kunstauffassung, besonders die in der Malerei am ehesten entsprach.

Das Medium Plakat wurde interessant, so begannen auch staatliche Institution wie Kunstgewerbemuseen und Bibliotheken mit der Sammlung von Plakaten. So in Hamburg das Museum für Kunst und Gewerbe, das seit 1893 Plakate zu sammeln und auszustellen begann – das aber galt zunächst vor allem für „ausländische Plakate“. Ab Mitte der 1890er Jahre öffnete sich das Dresdener Kupferstichkabinett für das Plakat und ab 1898 folgte die Bibliothek des Kunstgewerbemuseums in Berlin (Heute Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin).

Aber auch private Sammler traten auf den Plan. Zum Beispiel Hans Sachs (1881-1974), ein wichtiger Plakatsammler und späterer Herausgeber der Zeitschrift „Das Plakat“, erinnert sich an die Anfänge seiner Sammlungstätigkeit: „Zu Ostern 1897 [die meisten Äußerungen von Sachs allerdings nennen das Jahr 1896, Anm. RG] wurde ich in die Unterprima des König-Wilhelm-Gymnasiums in Breslau versetzt und drückte dort mit einem Freunde die Schulbank, der berufen war, durch drei Eigentümlichkeiten seinen Mitschülern einen großen Respekt einzuflößen: er hatte ein körperliches Gebrechen, hatte eigene Gedanken in Schulaufsätzen (er wurde später Germanist) und erzählte von Zeit zu Zeit, dass er Reklameplakate sammelte. Ich konnte mir nichts darunter vorstellen; aber als er mich eines Tages aufforderte, seine geheimnisvolle Sammlung anzusehen, begab ich mich in seine Wohnung und war überrascht davon, welche Leuchtkraft von den Wänden seines kleinen Stübchens ausging, das über und über mit bunten Bildern behängt war, die bestimmten Zwecken dienten. Otto Fischers ,Alte Stadt‘, Robert Engels ,Literarische Vereinigung Düsseldorf‘, des gleichen Künstlers ‚Patria Fahrräder‘ und einige andere machten auf mich einen so mächtigen Eindruck, daß ich im Geheimen wünschte, auch meine Stube gleichermaßen auszustatten […]“[8] Man stelle sich diesen Zufall vor: Sachs sah bewusst als eines der ersten Plakate jenes Blatt, das oftmals mit an den Beginn einer modernen Plakatentwicklung in Deutschland gestellt wird: Otto Fischers „Die Alte Stadt“ aus dem Jahr 1896.

Robert Engels, Düsseldorf

Was also ist für Deutschland und das Jahr 1896 hervorzuheben: Mit dem Plakat von Ludwig Sütterlin (1865-1917) zur „Berliner Gewerbeausstellung“, dem Plakat von Otto Fischer (1880-1947) zur Ausstellung „Die Alte Stadt“ und Thomas Theodor Heines (1867-1948) Plakat für den „Simplicissimus“ entstehen drei Arbeiten, die wesentliche Impulse liefern: Das Plakat von Sütterlin ist eines der ersten Plakate, das von Anfang an eine internationale Wirkung anstreben sollte und über das wohl erstmals so intensiv in der Öffentlichkeit reflektiert wurde, nicht zuletzt auch wegen der Persiflage von Edmund Edel (1863-1934). Das Blatt von Otto Fischer wurde als eines der frühen deutschen Plakate wahrgenommen, das nicht auf französische Vorbilder zurückgreifen musste. Heines Entwurf ist der radikalste seiner Zeit, ähnliche Reduktion und Konzentration auf das Wesentliche findet sich nur bei den Brothers Beggarstaff. Diese assoziative Kraft entwickelt erst wieder das „Berliner Sachplakat“ ab dem Jahr 1908. Auch die Ankunft von Ernst Growald im Jahr 1896 in Berlin sollte große Veränderungen nach sich ziehen, ebenso der Start der Zeitschriften „Jugend“ und „Simplicissimus“. Mit gleichem Zufall begann auch die Sammeltätig von Hans Sachs wohl in diesem Jahr, eine Voraussetzung für das Erscheinen der wichtigsten Zeitschrift zum Thema Plakat zwischen 1910 und 1922: von „Das Plakat“, deren Herausgeber Hans Sachs wurde.

Auch wenn das Jahr 1896 nicht ausschließlich Neues brachte, so finden sich hier, in der Rückschau, an vielen Stellen Keimzellen neuer Entwicklungen des Plakats in Deutschland. Vieles deutet sich an, was später als allgemeiner Fortschritt empfunden wird, das gilt nicht nur für die Gestaltung, sondern auch für die Drucktechnik und die professionelle Präsentation der Plakate im Stadtraum. „1896: Ein Jahr des Aufbruchs und doch nicht der Reife, wohl aber angesichts seiner Impulse ein entscheidendes Jahr und so, recht betrachtet, ohne Wenn und Aber das deutsche Plakatjahr!“[9]

Auswahl von Ereignissen im Jahre 1896
1.1. In Hamburg geht die erste Müllverbrennungsanlage Deutschlands in Betrieb.
1.1. Erste Ausgabe der Zeitschrift Jugend erscheint in München.
4.1. Utah wird 45. Bundesstaat der USA
4.1. Gerhard Hauptmanns „Florian Geyer“ wird am Deutschen Theater in Berlin uraufgeführt.
1.2. Giacomo Puccinis Oper La Bohème wird in Turin uraufgeführt.
24.2. Der französische Physiker Henri Becquerel entdeckt eher zufällig die Radioaktivität bei der Untersuchung von Uranverbindungen.
24.3. Der russische Physiker Alexander Popow demonstriert erstmalig die schnurlose Übertragung von Signalen, erster Radioempfänger.
4.4. Erste Ausgabe des Simplicissimus erscheint, Verleger Albert Langen, Zeichner Thomas Theodor Heine.
6.-15.4. Erste Olympische Spiele der Neuzeit in Athen.
25.4. Die Brüder Skladanowsky eröffnen in Berlin ihr Vorführtheater, das erste Kino in Deutschland.
2.5. In Budapest nimmt die erste Untergrundbahn auf dem europäischen Festland ihren Betrieb auf.
26.5. Am 26. Mai veröffentlichte der Journalist Charles Dow erstmals den Aktienindex Dow Jones Industrial Average in den USA.
1.7. Der Reichstag verabschiedet das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB).
9.8. Nach mehr als 1.000 erfolgreichen Gleitflügen seit 1891: Otto Lilienthal stürzt mit seinem Normalsegelapparat aus 15 Metern Höhe ab und bricht sich das Rückgrat, am folgenden Tag erliegt er seinen Verletzungen.
12.8. Am Klondike Creek im Nordwesten Kanadas wird eine Goldader entdeckt und löst einen Goldrausch aus (Klondike Fever) dem 100.000 Menschen erliegen. Kaiser Wilhelm II unterzeichnet und verkündet das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB), tritt am 1.1.1900 in Kraft.
9.9. Der norwegische Polarforscher Fridjof Nansen kehrt mit seinem Schiff Fram nach einer dreijährigen Nordpolar-Expedition zurück.
16.9. Erster Internationaler Frauenkongress in Deutschland, 1.700 Delegierte aus 14 Ländern nehmen teil.
10.12. Alfred Nobel stirbt in San Remo. Testamentarisch verfügte er die Gründung einer Stiftung, aus deren Zinserträgen Auszeichnungen für besondere Leistungen, die sog. Nobelpreise, finanziert werden sollen.

ANMERKUNGEN

[1]  Hellmut Rademacher: Das deutsche Plakatjahr 1896 in: PlakatKonzepte (Hg.): PlakatJournal, Jg. 2/1996, Heft 2, S. 4.
[2]  Auch Sezession, von lateinisch secessio: Absonderung, Abspaltung, Rückzug, Austritt, gemeint war die Lossagung von bestehenden Institutionen.
[3]  René Grohnert: Dresden und das moderne Plakat, in: Peter Forster, Herausgeber für das Museum Wiesbaden: Jugendstil und Symbolismus. Georg Lührig. Ein Meister aus Dresden, Wiesbaden, 2026, S. 90-99.
[4]  Jean-Louis Sponsel: Das moderne Plakat, Dresden, 1897.
[5]  Growald führte neue Geschäftsmodelle in der Vermarktung von Plakaten ein und setzte neue Qualitätsmaßstäbe durch. Wesentlich war die, von ihm eingeführte gezielte Beratung, die darauf aufbauende Entwurfsarbeit und die anschließende Platzierung der Plakate. Growald arbeitete ebenfalls mit in der Reklameprüfstelle des Hagener Folkwang Museums. Gegründet 1913 wirkte sie ab 1916 in Berlin. Ziel der Prüfstelle war die Begutachtung von Werbeangeboten auf ihre Professionalität und Qualität. Er betätigt sich auch als Fachschriftsteller, unter anderem gibt er 1901 den „Plakat-Spiegel“ heraus, 1917 im Verlag „Das Kontor“ eine Aufsatzreihe unter dem Titel „Was Jedermann von der Reklame wissen muß“. Ebenso dazu zählen Aufsätze in verschiedenen Publikationen und Beiträge in der „Gebrauchsgraphik“ sowie das kleine Buch „Reklame-Fetische“ aus dem Jahre 1926.
[6]  Zum Kreis um Growald gehörten vor 1900: Edmund Edel (1863-1934), Carl Schnebel (1874-1939), Albert Knab (1870-1948), Hans Lindenstaedt (1874-1928), Emil Orlik (1870-1932), ab 1900: Julius Klinger (1876-1942), ab 1903: Lucian Bernhard (eigentlich Emil Kahn, 1883-1972), ab 1905: Paul Scheurich (1883-1945), ab 1907: Julius Gipkens (1883-1962), ab 1908: Hans Rudi Erdt (1883-1925), ab 1910: Ernst Deutsch (später Dryden, 1887-1938).
[7]  www.austrianposters.at/2020/04/11/der-einfluss-der-drucktechnik-auf-die-entwicklung-des-plakats/ 
[8]  Hans Sachs: Wie meine Plakatsammlung entstand, in: Die Reklame. Zeitschrift des Verbandes Deutscher Reklamefachleute e. V., Jg. 20/1927, 1. Februarheft, S. 68.
[9]  Hellmut Rademacher: das deutsche Plakatjahr 1896 in: PlakatKonzepte (Hg.): PlakatJournal, Jg. 2/1996, Heft 2, S. 5.