René Wanner (1939–2017) – ein persönlicher Nachruf

René Wanner (links) mit René Grohnert auf der Vernissage der Ausstellung „100 beste Plakate 12“ in Berlin, 2013 (Foto: privat)

Als ich die Nachricht von René Wanners Tod erhielt, da war es wie im Film: „Ich habe doch erst vor ein paar Tagen eine Mail von ihm bekommen.“ Aber das war nur ein Moment, denn unsere Bekanntschaft rührte noch weit aus der Vorwendezeit. Irgendwann Mitte der 1980er Jahre tauchte ein Schweizer im Ostberliner „Museum für Deutsche Geschichte“ auf und wollte sich über Plakate unterhalten. Seitdem haben wir uns über Plakate unterhalten, mal persönlich, mal aus der Ferne, mal seltener, mal intensiver. Wer etwas zum Hintergrund von René Wanner erfahren möchte, der kann sich auf Rene Wanner’s Poster Page  informieren.
Während ich versuchte, immer tiefer in die „Plakatologie“ einzusteigen, praktizierte er seine eigene Idee davon. Basis seiner Ideen und Gedanken war zunächst das Sammeln von Plakat-Daten und -Informationen, dann das von Bildern und schließlich von Plakaten selbst. Seine Kriterien blieben mir oft unklar, eines aber war sicher: er war glücklich damit – und wer kann das schon von sich behaupten.
Wir haben einander in großen Abständen gesehen, das letzte Mal bei einer Ausstellungseröffnung im vergangenen Jahr. Er hatte die Kamera im Anschlag und war immer fragend unterwegs. Er schien losgelöst von der Idee, irgendetwas darstellen zu müssen oder nicht nach bestimmten Umständen fragen zu können – eine Freiheit, die er sich erarbeitet hatte, zu nutzen wusste.
Rene Wanner’s Poster Page habe ich nahezu täglich aufgesucht, irgendetwas Interessantes fand sich immer. Dabei waren seine Fotoberichte und Kommentare immer besonders, offen auf der einen, voller Eigensinn auf der anderen Seite.
Unsere kurzen und intensiven Treffen habe ich immer genossen, irgendetwas blieb auch hier immer hängen, eine Idee, eine Sichtweise – hin und wieder auch ein Verriss der eigenen Ideen.
Wir haben einander so lange gekannt, er hat meine Kinder aufwachsen sehen, meine Familie gekannt, meinen Weg verfolgt und an allem Anteil genommen. Distanz und Nähe waren in unserer Beziehung kein Gegensatz, sondern so einfach und normal.
Es wird mir schwer fallen zu glauben, dass mein ferner naher Freund nicht mehr da ist, weder nah noch fern. Ich trauere für mich und bin mit der Familie. Sie möge Kraft aus dem Netzwerk jener ziehen, die René für sich entdeckt haben und ihn zu einem Teil von sich werden ließen und dies jetzt bekunden.