Neue Buchreihe zur Geschichte des österreichischen Grafikdesigns

Severin Filek, der Geschäftsführer von designaustria, kann auf eine neue, grundsätzlich verdienstvolle Aktivität hinweisen: Vor kurzem erschien der erste Band der Serie „/design/er/leben/”. Mit der Reihe soll an jene Generation von Grafikern – und hoffentlich auch Grafikerinnen – erinnert werden, die das österreichische Design nach 1945 entscheidend geprägt haben. Dazu Filek im Vorwort der Publikation: „Die Idee zu der Reihe stammt von dem Designer Andreas Koop, der teilweise zufällig auf Informationen über ältere KollegInnen stieß, mit ihnen Kontakt aufnahm, Gespräche führte und dabei den Gedanken fasste: Das muss man erhalten, zeigen und weitererzählen.”

Andreas Koop widmet den 48 Seiten umfassenden ersten Band von „/design/er/leben/” dem 1919 in Deutschland geborenen Grafiker Nikolai Borg. Die Arbeit Borgs war klar auf den deutschen Markt ausgerichtet: Verpackungen für Bahlsen, Etiketten für Schnäpse und Kölnischwasser gehören zu seinem Oeuvre. Einem weiteren Kreis bekannt wurde Borg, als er 2004 einen Prozess gegen die Volkswagen AG verlor, die er mit Unterstützung von designaustria geklagt hatte. Borg behauptete, dass das weltberühmte VW-Logo von ihm stamme. Die betroffene Firma konnte jedoch in der Gerichtsverhandlung glaubhaft darlegen, dass der Wiener Neustädter Konstrukteur Franz Xaver Reimspieß das charakteristische VW-Zeichen im Rahmen seiner Tätigkeit für Porsche entworfen hatte.

Während der NS-Zeit erhielt Nikolai Borg – laut seinen Angaben – Aufträge vom „Generalinspekteur für das Deutsche Straßenwesen”, Dr. Fritz Todt. So entwarf Borg Signets für die „Deutschen Jugendherbergen”, für die „Reichsautobahnen” – eine Straße führt auf diesem Signet in ein überdimensionales Hakenkreuz – oder für das „Kraft durch Freude”-Seebad auf Rügen.

Autor Andreas Koop quittiert ein derartiges Engagement mit den – will man es höflich darstellen – bemerkenswert naiven Worten: „Neben dem Studium war er also bereits mit beneidenswerten Aufgaben betraut.”

Dazu ist anzumerken, dass die nach dem Generalinspekteur und späteren „Reichsminister für Bewaffnung und Munition” benannte „Organisation Todt” Straßen und militärische Bauwerke – auch in den eroberten Gebieten – errichtete. Mit zunehmender Dauer des Krieges mussten Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge auf den Baustellen im Rahmen der „Organisation Todt” Schwerstarbeit verrichten.

So verdienstvoll der Start dieses Projektes der Reihe „/design/er/leben/” ist – es wäre erfreulicher gewesen, am Beginn der Reihe das Werk einer Persönlichkeit zu präsentieren, bei dem einem nicht, wie im Band über Borg, schon auf Seite 10 die Hakenkreuze entgegenprangen…

Koop, Andreas: Nikolai Borg. Bessere Werbung durch gute Gestaltung, Wien 2010 (=/design/er/leben/, 1.Bd).

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