Hundertzwanzig Jahre Ankerbrot

Plakat vom Oktober 2011 unter Verwendung eines Motivs eines Plakates aus dem Jahr 1935, das Fritz Bernhard entworfen hat (Foto: B. Denscher)

1891 gründeten die Brüder Heinrich und Fritz Mendl die „Wiener Brot- und Gebäckfabrik“ in Wien-Favoriten. Die rapide Entwicklung der k. u. k. Hauptstadt zu einer Zwei-Millionen-Metropole garantierte den Erfolg des innovativen Unternehmens. 1893 wurde der Anker – als Symbol des Vertrauens und der Sicherheit – als Marke angemeldet, 1906 der Firmenname in „Anker-Brot-Fabrik“ geändert: Erstmals wurde damit in Österreich ein sonst in kleineren Gewerbebetrieben erzeugtes Alltagsprodukt wie Brot zu einem modernen Markenartikel.

Auch nach dem Ersten Weltkrieg blieb das Unternehmen erfolgreich: In der Zwischenkriegszeit war „Anker“ der größte Brothersteller des europäischen Kontinents. Aus diesen Jahren stammte auch der legendäre Slogan: „Worauf freut sich der Wiener, wenn er vom Urlaub kommt? Auf Hochquellwasser und Ankerbrot.“ In den 1920ern hatte die Firma begonnen, groß angelegte Plakatkampagnen zu entwickeln. Und sie tat dies mit den besten Grafikern ihrer Zeit: Alle voran sind hier Joseph Binder und Julius Klinger zu nennen, aber auch Fritz Bernhard, Nikolaus Fechner, Lois Gaigg, Armin Horovitz, Hans Neumann, Erich Schütz arbeiteten für Anker. Ab den 1950er Jahren waren es neben dem Atelier „Donnhofer Werbung“ auch Erwin Bruna, Erich Ess, Karl Fasan, Theodor Kindel, Oskar Rudolf Mack, Hans Mandl oder Josef Stastny.

Aus Anlass des Firmenjubiläums plakatierte Anker ein historisierendes Plakat unter Verwendung eines von Fritz Bernhard gestalteten Motivs aus dem Jahr 1935 mit dem berühmten, Jahrzehnte lang von Anker verwendeten Slogan vom Wiener, der sich auf Hochquellwasser und Ankerbrot freut. Darüber hinaus erschien im Verlag Brandstätter eine von Christian Rapp und Markus Kristan verfasste Firmengeschichte. Das reich illustrierte Buch bietet nicht nur Informationen zur Entwicklung von Ankerbrot und analysiert die bemerkenswerte Architektur des Fabrikgebäudes, sondern dokumentiert auch das Werbe- und Verpackungsdesign des Großbäckers anhand von vielen historischen Beispielen.

Rapp, Christian – Markus Kristan: Ankerbrot. Die Geschichte einer großen Bäckerei, Wien 2011.

Weitere Hinweise:
Denscher, Bernhard: Brot und Werbung. Die Geschichte der Ankerbrotplakate, Wien 1988.

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