Herbert W. Türk: Höflicher Schneemann

Ein höflicher Schneemann grüßt mit erhobenem Hut eine rot gekleidete Schiläuferin, die etwas erstaunt zu ihm aufblickt. Und obwohl der weiße Riese von einer nahezu King-Kong-artigen Körperfülle ist, wirkt er nicht bedrohlich, sondern freundlich und einladend – immerhin macht er ja Werbung für einen Winterurlaub in der Steiermark. Das beschriebene Sujet findet sich auf einem der bekanntesten österreichischen Wintersportplakate. Gestaltet hat es Herbert W. Türk mit dem für ihn typischen Humor. „Sympathisch und erfolgreich werben“ lautet deshalb auch sehr passend der Titel des von Andreas Koop verfassten Bändchens über Türk, das in der der Serie „/design/er/leben/“ erschienen ist.

Herbert W. Türk wurde am 15. Dezember 1925 in Cieszyn (Teschen) in Polen geboren. Durch die kriegsbedingten Wirren landete seine Familie in Graz, wo Türk von 1946 bis 1948 an der Kunstgewerbeschule Malerei und Grafik bei Hanns Wagula, Alfred Wickenburg und Rudolf Szyszkowitz studierte. Herbert W. Türk begann seine berufliche Laufbahn zunächst im Atelier von Hanns Wagula, der damals bereits als eine Art Klassiker der österreichischen Gebrauchsgrafik galt. Bereits 1950 machte sich Türk selbständig, und die notwendigen Aufträge wie auch die entsprechenden Erfolge ließen nicht lange auf sich warten. So wurde das beschriebene Schneemannplakat im Jahr 1952 im Rahmen des „Internationalen Wettbewerbes für Tourismusplakate“ in Rimini mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Neben dem Steiermark-Tourismus gehörten Firmen wie Pewag-Schneeketten, die „Alpenländische Veredelungsindustrie“ (Metallwaren) oder „Hornig-Kaffee“ zu Türks Auftraggebern. Gerne arbeitete Herbert W. Türk auch für den sozialen und kulturellen Bereich, weil er dabei einen weiteren Gestaltungsspielraum als bei seinen Auftraggebern aus der Wirtschaft hatte. So gehören auch seine Plakate für das steirische Landesmuseum Joanneum und eine Plakat-Serie, die für den Beruf der Krankenschwester warb, zu seinen modernsten Arbeiten.
Ein Klassiker österreichischer Tourismuswerbung von Herbert W. Türk, 1951

Ein Klassiker österreichischer Tourismuswerbung von Herbert W. Türk, 1951

Das vorliegende Bändchen ist eine gute Ergänzung zu dem 2006 erschienenen Ausstellungskatalog „Herbert Türk. Unschuldige Moderne“, der von der „Neuen Galerie Graz“ herausgegeben wurde. Ausstellung und Katalog bewiesen schon damals, dass Herbert W. Türk nicht nur ein beachtenswerter Grafikdesigner ist, sondern auch mit seinen freien Arbeiten zu den interessanten Vertretern der österreichischen Nachkriegsmoderne zählt.

Koop, Andreas: Herbert W. Türk. Sympathisch und erfolgreich werben, Wien 2012 (=/design/er/leben/, 6. Bd).

Ergänzender Literaturtipp:
Steinle, Christa (Hrsg.): Herbert Türk. Unschuldige Moderne, Graz 2006.

Herbert W. Türk ist am 2. November 2018 verstorben.

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