Franz Plachy und der „Bobby Bär“

Auseinandersetzung über das Hakenkreuz und die sozialdemokratischen „Drei Pfeile“ (Zeichnung: Franz Plachy), Das Kleine Blatt, 30. April 1933

Franz Plachy (1896–1968) war einer der wichtigsten Grafiker der österreichischen Sozialdemokratie im 20. Jahrhundert. Er entwarf nicht nur Plakate für die Arbeiterpartei, sondern war vor allem auch als Zeichner für die parteieigenen Tageszeitungen „Das Kleine Blatt“ und „Arbeiter-Zeitung“ sowie als Buchillustrator tätig.

„Das Kleine Blatt“ erschien am 1. März 1927 zum ersten Mal. Julius Braunthal, Begründer und erster Chefredakteur der Zeitung, schrieb dazu später in seinen Memoiren: „Obgleich mir die ‚Arbeiter-Zeitung‘ als das Vorbild einer sozialdemokratischen Tageszeitung erschien, fühlte ich dennoch den Mangel einer zweiten sozialistischen Tageszeitung – einer Zeitung, fähig, in die namenlosen Massen des Proletariats einzudringen.“ Die Erfüllung dieser Idee war eine Art linksorientierte Kopie der auch damals schon weit verbreiteten und sehr populären „Kronen-Zeitung“. Das Projekt gelang: Innerhalb von bloß vier Monaten erreichte das „Kleine Blatt“ eine Auflage von 100 000 Exemplaren, nach rund eineinhalb Jahren waren es 200 000 Stück. Das Kleinformat war reich mit Zeichnungen illustriert. Besondere Popularität erreichte das „Kleine Blatt“ im Laufe der Zeit mit verschiedenen Bildgeschichten, wie „Bobby Bär“, „Klipp und Klapp“ oder dem frühen Comicstrip vom „Herrn Seicherl“, der mit seinem intelligenten Hund „Struppi“ die verschiedensten Abenteuer erlebte.

Franz Plachy war Zeichner der für die Kinderseite der Zeitung kreierten Serie „Bobby Bär“, die sich von der ersten Ausgabe an großer Beliebtheit erfreute. Die Popularität dieser Figur führte dazu, dass bis 1933 in Wien 70 Bobby-Bär-Bund-Gruppen gegründet wurden, denen insgesamt 1700 Kinder angehörten.
 
Diesem interessanten mediengeschichtlichen Phänomen hat vor kurzem die Kunsthistorikerin Veronika Pfolz in der wissenschaftlichen Zeitschrift „medien & zeit“ einen überaus interessanten Artikel unter dem Titel „Und es hat den Kindern allen, Bobbys Antwort sehr gefallen“ publiziert. Pfolz, die für die Arbeit in den nach wie vor in Privatbesitz befindlichen Nachlass von Franz Plachy Einblick nehmen konnte, geht in der Publikation unter anderem der Frage nach, wie weit die Bildserie als politische Beeinflussung der Kinder konzipiert war. Sie widmet sich dabei beispielhaft den Themenkreisen „Information“, „Politik“ und „Wertevermittlung“ und kommt dabei zum Schluss: „Die Vermutung, dass die Bobby Bär Geschichten nicht nur der harmlosen Familienunterhaltung dienen, ist naheliegend. Wie an den exemplarischen Stichproben gezeigt, haben einige Folgen teilweise explizit politische Inhalte, besonders interessant erscheinen jene Episoden, die partei- und entsprechende gesellschaftspolitische Ideen transportierten.“
Das erste Auftreten des „Bobby Bären“ am 1. März 1927 (Zeichnung: Franz Plachy)

Das erste Auftreten des „Bobby Bären“ am 1. März 1927 (Zeichnung: Franz Plachy)

 

Veronika Pfolz hat schon im Jahr 2009 in den „Mitteilungen der Gesellschaft für Buchforschung in Österreich“ unter dem Titel „Illustrieren in den Jahren 1945-50“ einen Artikel über Franz Plachy veröffentlicht (siehe: Mitteilungen der Gesellschaft für Buchforschung in Österreich 2009-2). Nun legt sie mit der Arbeit über den Kreateur des „Bobby Bären“ einen weiteren wertvollen Beitrag zu einer noch ausstehenden umfassenden Würdigung der sowohl medien- als auch designgeschichtlich interessanten Persönlichkeit von Franz Plachy vor.

Pfolz, Veronika: „Und es hat den Kindern allen, Bobbys Antwort sehr gefallen“. Propaganda für Kinder: Die Bobby-Bär Bildgeschichten in Das Kleine Blatt, in: medien & zeit. Kommunikation in Vergangenheit und Gegenwart, 2013/3, S. 5ff.

Der Autor dankt Murray G. Hall für die Hilfe bei der Erstellung dieses Beitrages.

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