Hubert Riedel

Hubert Riedel, 60 Plakate, Galerie Mitte, 2008 (Ausschnitt)

„Die Plakatsprache von Hubert Riedel ist direkt, aber ohne Aufdringlichkeit. Er bevorzugt knappe, stilisierte und abstrahierte Formen, seine Bilder sind klar, ganz auf den Gegenstand bezogen.“ So charakterisierte Barbara Martin das Werk des Berliner Grafikdesigners. Nachzulesen ist dies in dem jüngst in Berlin erschienenen Band „Hubert Riedel. Die Plakate“.

Das von Kathrin Menge herausgegebenen „Bilderbuch“ bietet einen Gesamtüberblick über das bisherige Plakatschaffen von Hubert Riedel und stellt damit nicht nur eine beachtenswerte Publikation zu einer bemerkenswerten Künstlerpersönlichkeit dar, sondern auch zu einem interessanten Stück deutscher Kulturgeschichte.

Hubert Riedel, Plakat für die Galerie im Turm, 1989

Hubert Riedel, Plakat für die Galerie im Turm, 1989

Hubert Riedel wurde im Jahr 1948 in Berlin geboren. Nach der Schule arbeitete er zehn Jahre lang in der Metallindustrie und beschäftigte sich bereits damals mit künstlerischen Gestaltungen. Da es ihm besonders die Plakate von Lucian Bernhard angetan hatten, setzte er sich zunehmend mit gebrauchsgrafischen Arbeiten auseinander und konnte schließlich dieses Interesse zu seinem Beruf machen. Von 1975 bis 1986 war Riedel an der Berliner Stadtbibliothek als Grafiker tätig, danach wurde er zum freischaffenden Plakat-, Buch- und Ausstellungsgestalter, sowie auch zum Kurator und ist in diesen Bereichen bis heute aktiv. Seine 1999 zusammengestellte Schau „Lucian Bernhard, Kunst und Design zu Beginn des 20. Jahrhunderts“ wird immer noch international präsentiert.
Hubert Riedel, Plakat für die Galerie im Turm, 1989

Hubert Riedel, Plakat für die Galerie im Turm, 1989

Hubert Riedels Arbeiten zeichnet besonders der intellektuelle Tiefgang des Gestalters aus. Weil er sich mit der zu bewerbenden Materie immer intensiv beschäftigt, findet er originelle optische Umsetzungen, die ihresgleichen suchen. Ein typisches Beispiel dafür stellt sein Plakat für eine Lesung des bedeutenden österreichischen Vertreters der Konkreten Poesie, Ernst Jandl, dar. Wie sich der Grafiker erinnern kann, war der Autor von dem von Riedel gestalteten Plakat sehr angetan – und dies zu Recht, stellt es wohl eines der besten, weil intelligentesten Literaturplakate überhaupt dar. Die möglichen Farbunterschiede bei den einzelnen Affichen erklärt Hubert Riedel selbst folgendermaßen: „Das Plakat wurde in einer kleinen Auflage von 200 Stück von Hand im Siebdruck auf verschiedenen Papieren gedruckt, meist jedoch auf grauem Packpapier“.

Hubert Riedel, Plakat für eine Lesung von Ernst Jandl, 1983

Hubert Riedel, Plakat für eine Lesung von Ernst Jandl, 1983

Die herausragende Qualität der Riedelschen Arbeiten basiert sehr wesentlich auch auf dessen großer Sachkenntnis zur Geschichte des Plakats. So war es, wie Sylke Wunderlich im Riedel-Band vermerkt, auch ein Buch, das Hubert Riedel auf den Weg der angewandten Grafik brachte, nämlich Hellmut Rademachers „Deutsche Plakatkunst und ihre Meister“.

Anita Kühnel betont in ihrem Beitrag, wie wichtig für den Grafiker immer die Beschäftigung mit der Geschichte des Grafikdesigns und insbesondere mit Lucian Bernhard war und ist: „Trifft man Hubert Riedel, so fällt der Name Bernhard oft schon im zweiten Satz. Sobald dieser mit ‚Übrigens…‘ eingeleitet wird, kann man sicher sein, dass Hubert wieder einen Bernhard auf dem Flohmarkt oder bei eBay erworben oder ein aufregendes Detail zum Werk herausgefunden hat. Hubert Riedel hat sich hier eine Kennerschaft erworben, die längst über das Bernhardsche Werk hinausweist und die Blüte der frühen deutschen, insbesondere der Berliner Plakatkunst betrifft.“

Menge, Kathrin (Hrsg.): Hubert Riedel. Die Plakate. Ein Bilderbuch, Berlin 2013.