Emil Ranzenhofer – ein früher Werbespezialist

Emil Ranzenhofer war einer der ersten akademisch ausgebildeten Künstler in Österreich, die sich professionell mit Werbung beschäftigten. Doch er ist noch aus einem anderen Grund eine interessante und bedeutende Persönlichkeit, hat er doch mit seinen grafischen Arbeiten für den frühen Zionismus wichtige optische Beiträge zum Gründungsmythos des Staates Israel geschaffen.

Telegrammformular zur Unterstützung des Jüdischen Nationalfonds, vor 1911

Telegrammformular zur Unterstützung des Jüdischen Nationalfonds, vor 1911

Der am 4. Jänner 1864 in Wien geborene Emil Ranzenhofer studierte an der Akademie für bildende Künste bei Christian Griepenkerl und wurde in der Folge ein überaus produktiver Maler und Grafiker. In seinen freien Arbeiten war Ranzenhofer vor allem ein wichtiger Bildchronist des jüdischen Lebens in der österreichisch-ungarischen Monarchie. So schuf er im Jahr 1902 eine Reihe von Aquarellen von Wiener Synagogen und anderen Gebäuden der jüdischen Gemeinde, die nicht nur künstlerisch, sondern auch kulturhistorisch einen hohen Wert haben, da die meisten dieser Bauten im Jahr 1938 durch den Nazi-Terror zerstört wurden. Darüber hinaus dokumentierte Ranzenhofer immer wieder das jüdische Leben seiner Zeit, wie etwa ein Aquarell von einer Sitzung der Israelitischen Kultusgemeinde im Jahr 1902 zeigt. Im selben Jahr wurde Emil Ranzenhofer Freimaurer und in die „Grenzloge Humanitas“ aufgenommen, wo er sich besonders für soziale Fragen engagierte.
Goldenes Buch-Diplom, vor 1911

Goldenes Buch-Diplom, vor 1911

 
Im Ersten Weltkrieg schuf Emil Ranzenhofer unter anderem berührende Grafiken von jüdischen Flüchtlingen. Jüdische Affinität hatte auch ein Teil seiner gebrauchsgrafischen Arbeiten: Für den auf Initiative von Theodor Herzl gegründeten Jüdischen Nationalfonds, dessen Ziel es war, Land für jüdische Siedler in Palästina zu erwerben, entwarf er etwa ein Telegrammformular oder eine Urkunde über einen Spendennachweis. Das Zentralorgan der zionistischen Bewegung „Die Welt“ vermerkte dazu am 23. Juni 1911: „Der jüdische Maler Emil Ranzenhofer in Wien, dessen Kunst wir auch die Entwürfe zum Goldenen Buch, zum G[oldenen] B[uch]-Diplom, zum Ölbaum-Diplom und zum Telegramm verdanken, hat nach Beratung mit unserm verdienstvollen Gg. Johann Kremenezky mit dem Zertifikat zur Landspende ein neues vollendetes Kunstwerk geschaffen, das überall berechtigten Beifall findet und zur Popularisierung dieser Spende sicherlich beitragen wird.“

Darüber hinaus entwarf Emil Ranzenhofer viele Arbeiten im Bereich der angewandten Grafik, wie Buchillustrationen, Inserate, Ansichtskarten und Ex libris. Unter dem Pseudonym Sartori schuf er auch erotische Zeichnungen.

Neue Freie Presse, 1913

Neue Freie Presse, 1913

 

Ein eindeutiger formaler Schwerpunkt von Emil Ranzenhofers Arbeit lag im Bereich der Plakatgestaltung, wobei er in Österreich einer der ersten Spezialisten in diesem Metier war. Was seine Entwürfe besonders interessant macht, ist der Umstand, dass Ranzenhofer hervorragend über die internationalen Trends Bescheid wusste und er dazu beitrug, Art nouveau in Wien bekannt zu machen und zu popularisieren. So beweist zum Beispiel seine Affiche zur Eröffnung des „Etablissement Apollo“, dass Ranzenhofer den französisierenden Geist des Varietés perfekt in der Art eines Jules Chéret, des Pariser „roi des affiches“, umzusetzen verstand.

1903 1903

1903                                                                                                                            1903

Während des Ersten Weltkrieges arbeitete Emil Ranzenhofer im Kriegspressequartier der österreichisch-ungarischen Armee, wo er Propagandamaterial, wie Ansichtskarten, Plakate und sogenannte „Vivatbänder“, schuf. Im Oktober 1918 wurde Ranzenhofer „in Anerkennung hervorragender künstlerischer Leistungen vor dem Feinde das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens mit der Kriegsdekoration“ verliehen.

Nach dem Krieg konnte Ranzenhofer jedoch nicht mehr an seine früheren Erfolge anschließen, jüngere Designer drängten mit neuen, modernen Ideen nach. Nahezu vergessen verstarb Emil Ranzenhofer am 19. Oktober 1930 in Wien.

Weitere Hinweise:
EMIL RANZENHOFER