Plakate des Wiener Künstlerhauses

Detail aus dem Plakat für die 33. Jahresausstellung im Künstlerhaus, Entwurf: Adolf Karpellus, 1907

„Die Geschichte des Wiener Künstlerhauses und seiner Plakate ist eine durchaus wechselvolle“ – mit diesem Befund beginnt Christian Maryška seinen Beitrag „Plakat Künstler Haus. Eine kurze Geschichte der Künstlerhaus-Plakate bis 1914“. Erschienen ist der Artikel in dem umfangreichen, von Peter Bogner, Richard Kurdiovsky und Johannes Stoll herausgegebenen Sammelband „Das Wiener Künstlerhaus. Kunst und Institution“.

Christian Maryška gelingt es, die wechselvollen Bezüge der Künstlervereinigung zu ihrer visuellen Selbstdarstellung differenziert darzulegen. Begonnen hat diese Geschichte ja durchaus erfolgsversprechend: Kein Geringerer als Hans Makart gestaltete 1882 das Plakat für die „Erste Internationale Kunst-Ausstellung im Künstlerhause“, und er steht damit – wie Maryška betont – am Anfang der Entwicklung der österreichischen Künstlerplakate. Die Affiche wurde durchaus als Werbemittel gesehen und eingesetzt, wurde sie doch in einer Auflage von 3000 Stück konsequent verbreitet – ein Beleg dafür ist, dass keines dieser Plakate in den Kunsthandel oder in eine öffentliche Sammlung gelangte. Erst rund vierzig Jahre später konnte Ottokar Mascha nach intensiven Recherchen ein Exemplar des Makart-Plakates sicherstellen. Mascha hat in dem Artikel „Die Odyssee eines Sammlers“ ausführlich über diesen seinen „Jagderfolg“ berichtet.

Stilistisch war die Arbeit von der Gestaltung her „state of the art“, das heißt dem Zeitstil entsprechend historistisch. Auch das folgende Bildplakat des Künstlerhauses aus dem Jahr 1888, eine Arbeit von Julius Schmid und Leopold Theyer, war noch vom damals modernen, überladenen Diplom- und Adressenstil geprägt. Es war ein Blanko-Plakat, in dessen neo-renaissancehaften Rahmen die jeweils aktuellen Ausstellungsdaten eingedruckt werden konnten. Allein für die „Internationale Jubiläums-Kunst-Ausstellung“ im Jahr 1888 wurden – so liest man bei Maryška – 12.000 Exemplare in zwei verschiedenen Formaten gedruckt, die dann in 50 Städten der Österreich-Ungarischen Monarchie und darüber hinaus europaweit über die Internationale Schlafwagengesellschaft verbreitet wurden.

So innovativ die Berufsvereinigung der Künstlerhausgesellschaft in der Bewerbung ihrer Aktivitäten in ihren Anfängen war, so konservativ erstarrte sie in ihrer Selbstdarstellung über Jahrzehnte. Die sich aus der Künstlervereinigung abgespaltenen avantgardistischen Secessionisten und die ebenfalls aus deren Reihen hervorgegangenen moderateren Hagenbund-Mitglieder boten in ihrem Erscheinungsbild wesentlich Interessanteres. Zumindest die Arbeiten der Secessionisten gehören auch heute noch zu den international respektierten Arbeiten hervorragenden Grafikdesigns, was man von den entsprechenden Produkten des Künstlerhauses leider nicht sagen kann. Einzige Ausnahmen sind –  darauf weist Christian Maryška hin – Arbeiten von Heinrich Lefler, der sich bald darauf Richtung Hagenbund verabschiedete, und vom unermüdlichen Werbeprofi Adolf Karpellus, der sich von den rückwärtsgewandten Künstlerhaus-Mitgliedern nicht daran hindern ließ, einfach gute, wirkungsvolle Werbung zu machen.

Christian Maryška komplettiert den Sammelband mit einem weiteren Beitrag zum Thema „Das Plakat im Fokus des Künstlerhauses und sein Kommunikationsdesign am Ende des 20 Jahrhunderts“. Darin geht er auf die im Künstlerhaus stattgefundenen Plakatausstellungen vom Jahr 1897 bis zu den Einzelpräsentationen der gebrauchsgrafischen Arbeiten von Otto Exinger (1957), Victor Th. Slama (1975) und Hermann Kosel (1976) ein.

Zum Schluss seines zweiten Beitrages beschreibt Maryška noch die Kreation des aktuellen Künstlerhaus-Logos: Seit der zweiten Hälfte der 1970er Jahre war ein von Erwin Haberl entworfenes, sehr zeittypisches Signet im Einsatz. In der Ära der ambitionierten Geschäftsführerin Doris Rothauer kam es zu einer Neuorientierung des grafischen Erscheinungsbildes. Anfang des Jahres 1998 wurde das von Ecke Bonk entworfene Logo, das bis heute in Verwendung ist, der Öffentlichkeit vorgestellt.

Trotz ihrer Kürze sind die beiden Texte von Christian Maryška wertvolle Beiträge zur Geschichte des österreichischen Grafikdesigns, wenn auch darin nicht alle in diesem Zusammenhang zu stellenden Fragen beantwortetet werden können. So schließt Maryška richtigerweise seinen ersten Artikel mit dem Satz: „Eine ausführliche Geschichte der Künstlerhaus-Plakate bis in die jüngste Vergangenheit wäre also noch zu schreiben.“

Maryška, Christian: Plakat Künstler Haus. Eine kurze Geschichte der Künstlerhaus-Plakate bis 1914, in: Bogner, Peter – Richard Kurdiovsky – Johannes Stoll (Hrsg.): Das Wiener Künstlerhaus. Kunst und Institution, Wien 2015, S. 219 ff.

Maryška, Christian: Das Plakat im Fokus des Künstlerhauses und sein Kommunikationsdesign am Ende des 20 Jahrhunderts, in: Bogner, Peter – Richard Kurdiovsky – Johannes Stoll (Hrsg.): Das Wiener Künstlerhaus. Kunst und Institution, Wien 2015, S. 229 ff.

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