Der Grafiker Gabor von Ferenchich und der Lyra-Verlag

Gabor von Ferenchich (Entwurf), Titelblatt Franz Lehár Wo die Lerche singt. „Auf dem Bankerl“. „Emel“ Karten No. 21.

Wenn man sich dem Thema nähert, werden mehrere Forschungsdefizite in der Buchhandels- und Verlagsgeschichte in Österreich im 20. Jahrhundert evident. Da ist zum einen der Bereich der (Künstler-)Postkartenverlage – und dazu zählt das massenhafte Erscheinen von Kriegspostkarten im Ersten Weltkrieg. Von den zahllosen Postkartenverlagen, die neben dem Lyra-Verlag existierten, hat sich die Forschung am ehesten mit dem Postkartenverlag Brüder Kohn, sowohl unter dem Gesichtspunkt der Gebrauchskunst als auch unter dem der dubiosen historischen Entwicklung (Stichwort: Arisierung und Restitution) näher beschäftigt. Nebenbei bemerkt, war die Firma Brüder Kohn auch ein Konkurrent des Lyra-Verlags, zumal auch sie um 1911 mit einer Ansichtskartenserie „Wiener Operettenkönige“ (Ludwig Engländer, Edmund Eysler, Leo Fall, Franz Lehár, Oskar Straus) mit Aquarellkarikaturen von Carl Josef auf dem Markt präsent war.[1] Aber darüber später. Bei näherem Hinschauen war Wien nicht nur eine Stadt der Musik, sondern auch eine Stadt der Musik- bzw. Musikalienverlage. Über die Musikverlage der Wiener Klassik (etwa Beethovens Wiener Originalverleger) ist viel publiziert worden und über Musikverlage, die nach 1900 gegründet wurden, findet man gelegentlich in Selbstdarstellungen in Festschriften wie auch im Internet mal mehr[2] mal weniger[3] ausführliche Darstellungen. Im Zeitraum ab 1900 und bis in die 1930er Jahre stößt man auf mehrere Dutzend Musik- bzw. Musikalienverlage, die das Musikleben in Wien geprägt haben, aber das Interesse der Forschung noch nicht geweckt haben.[4]

Abb. 1 Frühes Firmenlogo von Lyra-Verlag (H. Molitor)

Gründung des Lyra-Verlags

Abb. 2 Foto von Firmengründer Oskar Molitor. In: ders.: Vollständiges Verlagsverzeichniss (sic) des Oskar Molitor (Lyra) Musik-Verlages. Manuskript Wien 1945, o.P.

Der Lyra-Verlag (H. Molitor) wurde laut Adreßbuch des Deutschen Buchhandels als Musikalienverlag von dem am 19. September 1881 in Wien geborenen Oskar Molitor im Juli 1912 gegründet. Laut seiner Autobiographie begann er mit 14 Jahren ein Praktikum beim Musikinstrumentenbauer V.J. Schunda in Budapest, wo er nicht lang blieb, im Jahr 1896 ging er bei der Buch-, Kunst- und Musikalienhandlung Rózsavölgyi & Comp. ebenfalls in Budapest in die Lehre und kam in dieser Zeit mit der Operette in Kontakt. Nach einer dreijährigen Lehrzeit kam er Anfang 1900 nach Wien in die Musikalienhandlung Ludwig Doblinger (Bernhard Herzmansky), wo er das Konzertleben in Wien kennenlernte. Im Jahr 1903 kehrte er nach Budapest in die Firma Rózsavölgyi zurück, in der er eine leitende Stellung einnahm. In den Jahren 1907–1908 eröffnete Molitor in Budapest eine Musikalienhandlung mit Verlag und Konzertdirektion. Molitors „Schlagerverlag“ galt als vielversprechend, aber lang hielt er nicht. Er kehrte zurück nach Wien zu Doblinger. Im Jahr 1912 schließlich wollte er sich wieder selbstständig machen und gründete den Lyra-Verlag – in seinen Worten – „mit einem von einer Tante geliehenen Kapital von sage und schreibe 1000 Kronen.“[5] Die Konzession zum Betrieb des Musikalienverlages mit Ausschluss des Sortimentshandels erhielt er erst am 26. April 1918.[6] Schon Anfang dieses Jahres hat er allerdings im österreichischen Branchenorgan, der Österr.-ungar. Buchhändler-Correspondenz, für neue Verlagsprodukte sehr intensiv Werbung betrieben. Das würde darauf schließen lassen, dass Molitor für den Vertrieb von Künstlerpostkarten eine solche Erlaubnis nicht benötigte.

Zur Produktion

Vorbemerkung: Die Erfassung der Produktion des Lyra-Verlags (H. Molitor) ist ein Albtraum für jeden Bibliographen. Erstens sind manche „Produkte“ zum Verwechseln ähnlich, zweitens sind die meisten Publikationen dieses Verlags von den Wiener Bibliotheken, vielleicht weil sie als minderwertig angesehen wurden, nicht einmal unsystematisch gesammelt worden und können daher nicht autopsiert werden, drittens ist man auf Verlagsanzeigen angewiesen, die Bandzahlen aufweisen von Bändchen, die vielleicht gar nicht erschienen sind, viertens stimmen bei manchen Reihen die „Titelangaben“ auf dem Cover des Bändchens mit den Angaben auf der Titelseite nicht entfernt überein und fünftens fehlen Angaben zum Erscheinungsjahr völlig.[7]

Die „EMEL“-Karten bzw. M.L. Karten

Der erste Hinweis auf die Existenz eines Postkartenprojekts ist eine ungewöhnliche Anzeige in der BC vom 9. Jänner 1918, die man in der Werbebranche als „teaser“ bezeichnet. Das heißt, es werden in diesem Fall kurze Bild- und Textelemente eingesetzt, die den Betrachter neugierig machen und ihn dazu verleiten sollen, unbedingt auf die kommenden genaueren Informationen zu achten. Ohne dass der Betrachter zunächst weiß, welche Firma hinter dieser Werbung steht, werden „‘EMEL‘ Karten“ angeboten. Die Zeilen mit diesem Namen werden durch die Zeichen „! ? !“ unterbrochen. Erst in der Ausgabe der BC vom 23. Jänner 1918 wird das Geheimnis in einer ganzseitigen Annonce des „Lyra-Verlag (H. Molitor) ‚Emel‘ Kartenverlag“ auf S. 37 gelüftet. Da heißt es voller Zuversicht: „Sensationelle Novität des Ansichtskartenmarktes! Lohnender Verdienst!“ Angekündigt für Ende Jänner sind „M.L. Karten („EMEL“-Karten) „Molitors Liederkarten“, und zwar 10 Operettenschlager in Form von vierseitigen Doppelansichtskarten mit vollständigen Gesangsnoten und vollständigem Liedertext. In dieser ersten, zehn Doppelkarten umfassenden Serie der EMEL-Karten vertreten sind populäre zeitgenössische Operettenkomponisten wie Leo Fall, Edmund Eysler und Karl von Stigler. Anbei Abbildungen aus der ersten Serie:

Links: Abb. 3 Titelblatt „O, Rose von Stambul“, ein Lied aus der Operette Die Rose von Stambul (1916) von Leo Fall. M.L. Karten No. 1. (diese und alle weiteren Karten im Besitz des Verfassers) / Rechts: Abb. 4 Notenblatt „O, Rose von Stambul“, ein Lied aus der Operette Die Rose von Stambul (1916) von Leo Fall. M.L. Karten No. 1.

LInks: Abb. 5 Titelblatt „Heute Nacht“ aus der Operette Lang, lang ist’s her! (1917) von Robert Stolz. M.L. Karten No. 6. / Rechts: Abb. 6 Titelblatt Edmund Eysler: „Man trennt sich so schwer von der Jugend!“, ein Lied aus der Operette Der Aushilfsgatte (1917). M.L. Karten No. 7.

Das Geschäftsmodell war ja einfach und alt. Ein Verlag, hier der Lyra-Verlag (H. Molitor), suchte beim Originalverleger um Bewilligung an, bestimmte Noten und Texte bzw. Bearbeitungen gegen Tantiemenbeteiligung abdrucken zu dürfen. Um die eigenen Ausgaben nicht zu beeinträchtigen, konnten diese Rechte auf bestimmte Bearbeitungen limitiert sein. Oskar Molitor besaß zwar auch Werkrechte, schloss aber meist Geschäfte mit Originalverlegern vor Ort wie W. Karczag, Wiener Bohème Verlag, M. Bard, Adolf Robitschek, Ludwig Doblinger oder Drei Masken Verlag ab.

Wir können davon ausgehen, dass Molitor bereits im Jahr 1917 zumindest die erste Serie der Liederkarten in Produktion hatte.[8] Der Grund: sein „Hauszeichner“, der alle drei noch vorzustellenden Serien im wesentlichen illustrierte, Gabriel (auch Gabor) Edler von Ferenchich (die Künstlersignatur war „v. Ferenchich“), signierte seine Illustrationen der ganzen ersten Serie mit „v. Ferenchich 1917“. Über den akademischen Maler v. Ferenchich ist in der Kunstgeschichte wenig bekannt. Er wurde am 22. April 1874 in Wien geboren, besuchte das Stiftsgymnasium Kremsmünster 1887–1889, besuchte zeitweise die k.k. Staats-Oberrealschule in Laibach 1893/94, studierte an der Akademie der bildenden Künste in Wien, war Mitglied der Kunstgruppe im Kriegspressequartier, wohnte Anfang der 1920er Jahre in Wien 7., Neustiftgasse 70, hatte sein Atelier in Wien 6., Hugo Wolf Gasse 1 und war mit Hermine Ferenchich verheiratet. Über den sehr produktiven v. Ferenchich waren keine Nachrufe, ja nur eine kurze Meldung über seinen frühzeitigen Tod zu finden: „Am 2.d.M. [Mai 1928] ist hier der akademische Maler Gabor Ferenchich nach langer Krankheit im 54. Lebensjahr gestorben.“[9]

Die ersten zehn M.L. Karten [=Molitor’s Liederkarten] waren nummeriert und graphisch einheitlich gestaltet. Den Anfang machte „O, Rose von Stambul“, ein Lied aus der Operette Die Rose von Stambul (1916) von Leo Fall. Die Nummer 2 bis 4 waren ebenfalls aus dieser Operette. M.L. Karte No. 6 war das Lied „Heute Nacht“ aus der Operette Lang, lang ist’s her! (1917) von Robert Stolz (siehe Abbildung), während No. 7 von einem weiteren Starkomponisten dieser Zeit stammt, nämlich Edmund Eysler: „Man trennt sich so schwer von der Jugend!“, ein Lied aus der Operette Der Aushilfsgatte (1917). (Siehe Abbildung 6.)

Abb. 7 Titelblatt von Wohin? (Ich hört‘ ein Bächlein rauschen.) Lied von Franz Schubert. „Emel“-Karten Nr. 11.

Angeregt durch den Erfolg der ersten, „so ganz beispiellos eingeschlagenen“ (Verlagswerbung) Serie der „EMEL“ Karten – binnen acht Wochen war sie vergriffen und im Mai 1918 eine 4. Auflage im Druck – kündigte Molitor schon für Ende Juni 1918 eine zweite Serie, die künstlerisch völlig anders gestaltet wurde, an. Die Karten Nr. 11 bis 15 – Schubertsche Liederperlen – waren aus Karton in Vierfarben-Kunstdruck und wurden von dem Künstler Otto Peter (geb. 1864) gezeichnet (Siehe Abb. 7), ein weiterer Teil der Serie (Siehe Abb. 8) wurde von G.v. Ferenchich gestaltet.[10]

Abb. 8 Titelblatt „Klingen im Herzen süße Melodien“. Duett aus dem Singspiel „Hannerl“ (Dreimäderlhaus Teil II). Musik von Franz Schubert-Lafite.

Das in Wien und Graz erscheinende Blatt Deutsche Zeitung berichtete schon am 12. Mai 1918 wohlwollend über Molitors Unterfangen: „Der Verlag wird diese sogenannten ‚Emel‘-Karten demnächst auch für die Schubert-Liederpropaganda ausnützen. Auf diese Weise ist endlich wirklich jedermann in den Stand gesetzt, sich sein Lieblingslied für den erstaunlich billigen Preis von 40 Heller zu erstehen. Wie schön als Freundesgruß zwischen ausübenden Künstlern, auf Reisen, wie praktisch sind doch diese Karten und wieviel gute Musik werden sie unter die Leute bringen. Die Serie der zehn Operettenschlager kostet 4 Kronen.“ Die Karten Nr. 16–Nr. 20 waren fünf Operettenschlager in zehnfarbigen Lithographien – ausschließlich von G.v. Ferenchich gezeichnet – aus der erfolgreichen Operette ‚Hannerl‘ Dreimäderlhaus (Musik von Franz Schubert). (ABB zwei Beispiele, ein Notenbeispiel). Das Copyright lag bei diesen fünf Beispielen beim Verlag W. Karczag (1918). Alle zehn Karten in dieser Serie waren (wie Kriegspostkarten zuvor) dank eines Vordrucks auf der letzten Doppelseite als „Drucksache“ versandbereit (Siehe Abbildung 9) und mit einem Bildnis von Franz Schubert versehen.

Abb. 9 Vordruck auf der letzten Doppelseite als „Drucksache“.

Anfang November 1918 erschien eine dritte Serie der „‘Emel‘- oder Molitors Liederkarten“, und zwar in Form von weiteren 10 Operettenschlagern, also Ansichtskarten mit vollständigem Noten- und Liedertext aus Wo die Lerche singt von Franz Lehár (1870–1948) (Abbildungen 10–12), Brüder Leichtsinn von Leo Ascher (Abb. 13), sowie das „Weinlied“ Fein, fein, schmeckt uns der Wein (Abb. 14), alle mit Bewilligung des W. Karczag Verlags.

Links: Abb. 10 Titelblatt Franz Lehár Wo die Lerche singt. „Auf dem Bankerl“. „Emel“ Karten No. 21. / Mitte: Abb. 11 Titelblatt Franz Lehár Wo die Lerche singt. „Wer ist denn der Mann mit der schönen Frau?“. „EMEL“ Karten No. 23. /Rechts: Abb. 12 Titelblatt Franz Lehár Wo die Lerche singt. „Was gehn mich an die Leute (Es ist mir Einerlei)“. „EMEL“ Karten No. 25.

Links: Abb. 13 Titelblatt Leo Ascher „Aber Ernst!“ Lied aus der Operette Bruder Leichtsinn. Emel Karten No. 28. / Rechts: Abb. 14 Titelblatt Edmund Eysler „Fein, fein schmeckt uns der Wein. „Weinlied“ Emel Karten No. 29.

Der Inhalt: fünf Szenenbilder bei Lehár und fünf Karikaturen zu Leo Ascher (1880–1942), Bruno Granichstetten (1879–1944)[11] und Edmund Eysler (1874–1949), alle von G. v. Ferenchich gezeichnet. Eine zweite Auflage erfolgte im Februar 1919, dann wurde es um die vierseitigen Doppelansichtskarten ruhig. Als besonderes Marketingmittel hat Molitor seine Operettenansichtskarten in einer eigens gestalteten, zierlichen „Geschenkkassette“, dem „Schatzkästlein moderner Operetten“ angeboten. Obwohl die Kassette keinerlei Hinweise auf Molitor aufweist und keine Anzeigen für die Kassette gefunden werden konnten, dürfte sie auf Grund der Inschrift „Für unsere Heimkehrer durch das Silberne Kreuz“ in den Jahren 1918–19 verkäuflich gewesen sein.[12]

Links: Abb. 15 Kassette „Schatzkästlein moderner Operetten“ (im Besitz des Verfassers). / Mitte: Abb. 16 Anzeige für das „Schatzkästlein moderner Operetten“. / Rechts: Abb. 17 Anzeige für die Ausgabe der Alpenlieder in: Molitor’s Lieblings-Liederbücher, Band 2, Seite U3.

Zwischen der Veröffentlichung verschiedener Kartenserien hat der Lyra-Verlag (H. Molitor) viele Einzelpublikationen herausgegeben, die nicht immer den Weg in die Bibliothek schafften. Eine Ausnahme bildet eine 163 Seiten starke Sammlung von „Alpenliedern“, die 1919 erschien: Alpenlieder aus Deutsch-Österreich. 110 Lieder und 60 echte Volkstänze aus Kärnten, Steiermark und Tirol; für Gesang und Klavier nebst einem Dialektwörterbuch. Hrsg. von Wilhelm Kienzl und Viktor Zack. (Siehe Abbildung 17)

Molitors Liederperlen

In den 1920er Jahren gab Molitor eine weitere Reihe heraus, die Molitors Liederperlen genannt wurde, und von den Wiener Bibliotheken eher sporadisch gesammelt wurde.[13] Die Reihe umfasste viele Dutzende Ausgaben, darunter das Lied „Grüss mir mein Wien“ aus Emmerich Kálmáns Operette Gräfin Mariza (1924) als Molitors Liederperlen, Nr. 25 und Franz Lehárs „Was geh’n mich an die Leute“ aus Act 1 von Wo die Lerche singt.  Der Originalverlag war W. Karczag. Wie aus der Abbildung hervorgeht, hat G.v. Ferenchich auch Illustrationen für die Liederperlen geliefert.

Links: Abb. 18 „Grüss mir mein Wien“ aus Emmerich Kálmáns Operette Gräfin Mariza (1924) (= Molitors Liederperlen, Nr. 25). Aus Oskar Molitor: Vollständiges Verlagsverzeichniss (sic) des Oskar Molitor (Lyra) Musik-Verlages. Manuskript Wien 1945, o.P.) / Rechts: Abb. 19 Titelblatt von Franz Lehárs „Was geh’n mich an die Leute“ aus Act 1 von Wo die Lerche singt. (= Molitors Liederperlen, Nr. 19). Aus Oskar Molitor: Vollständiges Verlagsverzeichniss (sic) des Oskar Molitor (Lyra) Musik-Verlages. Manuskript Wien 1945, o.P.

 Molitor’s Novellenschatz

Am 4. April 1919 berichtete die Wiener Allgemeine Zeitung ganz enthusiastisch über „Ein neues Wiener Verlagsunternehmen“, das eigentlich gar nicht mehr so neu war. „Neu“ war sehr wohl, dass Oskar Molitor sich aus kulturellen-patriotischen Erwägungen entschlossen hat, zum ersten (und einzigen) Mal – nach den Kartenserien – Prosawerke herauszugeben, und zwar als heimische Konkurrenz zu den Reclam-Bändchen.

Abb. 20 Anzeige für Molitor’s Novellenschatz 1919. In: Molitors Lieblings-Liederbücher, Band 2, S. 64.

Der Verlag würde, so die WAZ, „in der nächsten Zeit mit einer Reihe von Veröffentlichungen hervortreten, die als großzügige, für das breiteste Publikum berechnete literarische Publikationen zum ersten Mal den Versuch unternehmen wollen, in Wien eine ernstzunehmende Konkurrenz für die populären deutschen Verlagsanstalten ins Leben zu rufen. Der ‚Lyra-Verlag‘ (H. Molitor), zu dessen künstlerischem Leiter der Wiener Schriftsteller Leo Schidrowitz [1894–1956] berufen wurde, wird als erstes Unternehmen Novellenserien herausgeben, die in künstlerischer Gewandung und in der Auflage und zum Preise der Reklam-Bändchen neue Arbeiten bedeutender moderner Autoren veröffentlichen werden. Die ersten Einzelbändchen bringen Arbeiten von: Schönherr, Meyrink, Molo, Ewers, Salten, Decsey, Beierlein (sic!), Auernheimer, Salus, Busson und Terramare“.

Abb. 21 u. Abb. 22 Anzeigen für Molitor’s Novellenschatz 1919.

So erschien etwa im Juni 1919 eine mit viel Ehrgeiz vorbereitete und anspruchsvolle „erste Serie von Molitor‘s Novellenschatz“ in zehn einzelnen, künstlerisch von G. v. Ferenchich ausgestatteten Bändchen, die auch zusammen in einer feinen Luxuskassette erhältlich waren. In dieser „volkstümlichen Bibliothek moderner Autoren“ (Werbetext) erschienen folgende zehn Bändchen im Umfang zwischen 15 und 46 Seiten:

Nr. 1 Raoul Auernheimer: Frau Magda im Schnee, Nr. 2 Franz Adam Beyerlein: Knecht Fridolin, Nr. 3 Hans Heinz Ewers: Aus dem Tagebuch eines Orangenbaumes, Nr. 4 M.E. delle Grazie: Der frühe Lenz, Nr. 5 Karl Schönherr: Der Knabe im Fieber, Nr. 6 Paul Bußon: Das schlimme Englein, Nr. 7 Ernst Decsey: Zwei Großvater-Geschichten, Nr. 8 Felix Salten: Im Namen des Kaisers, Nr. 9 Hugo Salus: Die schöne Barbara, Nr. 10 Georg Terramare: Die 1002. Nacht. (Es fehlen also Gustav Meyrink und Walter von Molo.) Diese Serie (die keine Fortsetzung fand) war Teil einer „Mission“ Molitors, wie man auf dem Schutzumschlag der einzelnen Bändchen nachlesen konnte:

An den Leser

In „Molitor‘s Novellenschatz“, dessen erste Serie wir hiemit darbieten, soll der Leser finden, was der deutsche Büchermarkt bisher empfindlich missen ließ: in geschmackvoller Ausführung und zu wohlfeilem Preise eine Bibliothek literarisch wertvoller Arbeiten der bedeutendsten Autoren der Jetztzeit.

Den Dichtern unserer Tage, den künstlerischen Verfechtern des Zeitgeistes soll die Wirkung auf die große Masse ermöglicht werden, für die der marktübliche hohe Ladenpreis moderner wertvoller Bücher bisher unüberwindliche Schranke war.

Die ungeheure, vom Bedürfnis nach gutem Lesestoff bewegte Allgemeinheit, soll hier zum ersten Mal neue Werke der Großen unserer Zeit vermittelt erhalten. Wir wollen den Versuch wagen, unbekümmert um Gewinnchancen und Verdienstmöglichkeiten, als Helfer für unsere Dichter und das Kulturwerk unserer Zeit wirken.

Und der Erfolg, den wir durch die Förderung und Teilnahme des Lesers erzielen, soll ihm selbst wieder zugute kommen, durch die stete und wertvolle Ausgestaltung unseres Werkes im Dienste des guten Geschmackes, des Zeitgeistes und der hohen zeitlosen Kunst.

Link: Abb. 23 Umschlag Paul Busson: Das schlimme Eng(e)lein. Eine Erzählung. Molitor’s Novellenschatz No. 6. / Mitte: Abb. 24 Umschlag Felix Salten: Im Namen des Kaisers. Historische Erzählung. Molitor’s Novellenschatz No. 8. / Rechts: Abb. 25 Umschlag Georg Terramare: Die 1002. Nacht. Molitor’s Novellenschatz No. 10.

Wie hoch die Auflage(n) war(en), wissen wir nicht, aber positiv aufgenommen wurde die Serie etwa von der Zeitschrift Das interessante Blatt, das gleich von einer „wertvollen Erscheinung auf dem Büchermarkt“ schwärmte.[14] Die Reihe bringe „größtenteils österreichische Autoren von Rang und Namen (…). Die originelle Ausstattung mit einem buntfarbigen, geschmackvollen Titelbild, in Verbindung mit dem billigen Preis von 80 Heller(n) pro Nummer, dürfte den Bändchen weiteste Verbreitung sichern, was umso wünschenswerter wäre, da der Verlag mit dem Unternehmen die verrohend und geschmackverderbend wirkende Schundliteratur bekämpfen will.“ Warum es zu einer Fortsetzung dieser aparten Serie nicht gekommen ist, wissen wir nicht.

Links: Abb. 26 Titelblatt von Raoul Auernheimer: Frau Magda im Schnee. Eine Erzählung. Molitor’s Novellenschatz No. 1. / Rechts: Abb. 27 Titelblatt von Felix Salten Im Namen des Kaisers. Molitor’s Novellenschatz No. 8.

Molitors Zwei-Mark-Schlager-Edition

Zum unüberblickbaren Reihenangebot Molitors gehörte auch die Zwei-Mark-Schlager-Edition, die in den 1920er Jahren – ein genaues Datum war nicht zu ermitteln – auf den Markt kam und dem Titel zufolge für den deutschen Markt bestimmt war. Unter den vertretenen Komponisten befanden sich Ralph Benatzky (1884–1957), Otto Stransky (1889–1932) und Béla Laszky (1867–1935).

Abb. 28 Anzeige für Molitors Zwei-Mark.-Schlager-Edition. In: Molitors Lieblings-Liederbücher, Band 4, S. 11.

Ob die Reihe über die ersten zehn Nummern hinaus weitergeführt wurde, ist nicht bekannt.

Molitor’s Schlager-Edition für Gesang und Klavier

Unter dem Angebot in einer Anzeige aus dem Jahr 1925 (siehe Abbildung) befand sich eine Schlager-Edition für Gesang und Klavier, die einige Jahre zuvor begonnen worden war. So jubelte das Neue Wiener Tagblatt im Dezember 1921: „Es gibt keine teuren Musikalien mehr!“ und weist damit auf die kulturelle Bedeutung von Molitors Geschäftsmodell in dieser Zeit hin. Billig hergestellt, meist auf Rotationspapier gedruckt, aber trotzdem schön illustriert, konnten die Noten- und Texteditionen auch jenen angeboten werden, die die „Hits“ der zeitgenössischen Operetten mitsingen wollten und für die die Originalausgaben unerschwinglich waren. Im Neuen Wiener Tagblatt liest man weiter: „Die sogenannten Schlagerlieder sind wegen der enormen Preise nicht für jeden erschwinglich. Besonders der Mittelstand leidet dadurch sehr. Um dem durch die so verteuerten Herstellungskosten begründeten Übel teilweise abzuhelfen, bringt der Liritverlag (sic!) (…) unter dem Titel ‚Schlager-Edition‘ als erste Serie 15 Modelieder für Gesang und Klavier im Oktavformat statt zum Preise von 9 Mark für 2 Mark. Wir finden darunter Kompositionen von Benatzky, Laszky, Stolz, Strecker, Werau etc.“ (NWT, 19.12.1921, S. 6.)

Links: Abb. 29 „Neuheiten des Jahres 1925!“ Verlagsanzeige für Molitor’s Schlager-Edition in Molitor’s Lieblingsliederbücher, Band 10, S. U3. / Rechts: Verlagsanzeige für Molitor’s Schlager-Edition in Oskar Molitor: Vollständiges Verlagsverzeichniss (sic) des Oskar Molitor (Lyra) Musik-Verlages. Manuskript Wien 1945, o.P.

Aus einer Verlagsanzeige (Siehe Abb. 30) geht hervor, dass Molitor hier 21 Nummern von Benatzky, Buday, Stransky, Laszky und anderen verkauft hat. In diesem wie in anderen Fällen, wo Molitor eine neue Reihe anzeigte, ist nicht klar, ob es sich um Novitäten oder um ein Recycling bereits angebotener Titel handelt. (Siehe Abb. 29)

Molitor’s Lyra-Operntextbibliothek

Mit der Herausgabe einer Operntextbibliothek im Jahr 1920 wird es wohl mehr Konkurrenz auf dem Markt gegeben haben. Um nur ein Beispiel zu nennen, gab der Steyrermühl-Verlag im Rahmen der Tagblattbibliothek auch die umfangreichere Reihe „Operntextbuch“ heraus. Nach sechs nachgewiesenen Publikationen, darunter Beethovens Fidelio, Bizets Carmen, Mozarts Die Zauberflöte, Wagners Lohengrin und Tannhäuser sowie Webers Der Freischütz, war es mit der Reihe wieder Schluss.

Denkmäler Wiener Komponisten

Auch bei dieser vermutlichen „Reihe“, möglicherweise aus dem Jahr 1926, konnten keine Publikationen in Bibliothekskatalogen nachgewiesen werden. Möglich ist, dass manche Werke Lizenzausgaben des Wiener Arion-Verlags sind. Unklar ist, ob manche Nummern aus früheren Molitor-Werken übernommen wurden. Zum Programm siehe Abb. 31.

Abb. 31 Anzeige für Denkmäler Wiener Komponisten (siehe Abb. 29)

Molitors Lyra Cabaret-Repertoire

Molitor überraschte mit einer weiteren Reihe, indem er versuchte, Cabaret in sein Programm aufzunehmen. Im Untertitel nannte sich die Reihe „Eine Sammlung von Meister-Chansons aus der Glanzzeit des Wiener Kabaretts“. In welchem Jahr die Werke erschienen, kann aus den üblichen Gründen (sie tragen keine Jahreszahl) nicht festgestellt werden, und keine Bibliothek scheint die Reihe gesammelt zu haben. In der Abbildung findet sich eine unvollständige Liste der Titel in dieser Reihe, die in Bibliothekskatalogen nicht nachzuweisen ist. Zum umfangreichen Programm siehe Abb. 32. 

Abb. 32 Anzeige für Molitors Lyra Cabaret-Repertoire. Aus Oskar Molitor: Vollständiges Verlagsverzeichniss (sic) des Oskar Molitor (Lyra) Musik-Verlages. Manuskript Wien 1945, o.P.

Molitors Lieblingsliederbücher

Das wohl ambitionierteste Verlagsprojekt Molitors war neben seinem Novellenschatz zweifelsohne Molitor’s Lieblingsliederbücher, dessen Zielpublikum in der Verlagswerbung klar festgehalten wurde: „Für jeden Wandervogel und Sangesfreudigen“.

Abb. 33 Firmenbriefkopf in den 1930er Jahren.

Das Rezept war einfach: die kleinformatigen Bändchen wurden auf Rotationspapier gedruckt und waren daher billig herzustellen, hatten 48–64 Seiten, waren sehr handlich und hatten auffallende, mehrfarbige Umschläge. Preislich kamen sie einem Publikum entgegen, das die damals aktuellen „Hits“, also Operettenschlager, mit Text und Noten mitsingen oder mitsummen wollte. Insgesamt konnten 14 Bändchen nachgewiesen werden, und in mindestens acht Fällen war G. v. Ferenchich mit der künstlerischen Gestaltung des Umschlags betraut. (Siehe Abbildungen 34–40).

Erschienen sind folgende Bändchen:

Band 1: 60 Operettenschlager! Ein lustiges Liederbuch der bekanntesten Operettenlieder mit Noten und Liedertext zum Mitsingen. (Siehe Abb. 34 und 35)

Links: Abb. 34 Umschlag von Molitors Lieblingsliederbücher, Band 1 (60 Operettenschlager!) / Rechts: Abb. 35 Titelseite von Molitors Lieblingsliederbücher, Band 1 (60 Operettenschlager!)

Band 2: Wiener Liederschatz. Ein sorgfältig ausgewähltes Liederbuch der bekanntesten und beliebtesten Wiener Lieder und Operettenschlager, Volks- und Studentenlieder aus alter und neuer Zeit ; Noten und Liedertext zum Mitsingen. 3. Aufl. 1921.

Band 3: Sorgenbrecher. Ein Liederbuch der leichten Muse mit Noten und Liedertext zum Mitsingen ; Operettenlieder, Kabarettschlager, Couplets, Parodien, Gstanzeln und Brettllieder. 3. Aufl. 1921. (Siehe Abb. 36 und 37)

Links: Abb. 36 Umschlag von Molitors Lieblingsliederbücher, Band 3 (Sorgenbrecher) / Rechts: Abb. 37 Titelseite von Molitors Lieblingsliederbücher, Band 3 (Sorgenbrecher)

Band 4: Frohe Geister. Ein Wien-Berliner Schlager-Liederbuch mit Noten und Liedertexten zum Mitsingen. [1921] (Siehe Abb. 38 und 39)

Links: Abb. 38 Umschlag von Molitors Lieblingsliederbücher, Band 3 (Sorgenbrecher) / Rechts: Abb. 39 Titelseite von Molitors Lieblingsliederbücher, Band 3 (Sorgenbrecher)

Band 5: Meister-Opern Schlager. Ein Liederbuch der allgemein bekannten Arien aus den Meister-Opern von Mozarts Zeiten bis heute mit Noten und Liedertexten. [1922]

Band 6: Fesch und Resch 58 Welt-Schlager und –Modelieder mit Noten. [1923]

Band 7: Zur Erinnerung an Knittelfeld, 1923. 60 scheni Liada b’sunders vom Fensterln und so vül’n andern : echte, urwüchsige Liebes- Spott- und Handwerkslieder … ; darunter 15 Lieder mit Noten (Gesangs- od. Violinstimmen).

Band 8: 60 schöina Liadla as ‘n Eghalånd darunter 14 Lieder mit Noten zum Mitsingen. 1924.

Band 9: 54 Schlager auf Schlager. Wiener Welt-Schlagerlieder, darunter 10 Lieder mit Noten für Gesang, Violine oder Mandoline mit vollständigem Text zum Mitsingen. [1924] (Siehe Abb. 40)

Links: Abb. 40 Titelblatt von Molitors Lieblingsliederbücher, Band 9, 54 Schlager auf Schlager. Ein Wiener Welt-Schlagerliederbuch, darunter 10 Lieder mit Noten mit vollständigem Text zum mitsingen für Gesang, oder für Violine, oder für Mandoline. [1924]. / Rechts: Abb. 41 Umschlag von Molitors Lieblingsliederbücher, Band 14 Radio und Grammphon. Schlagerliederbuch (Archiv Wiener Volksliedwerk).

Band 10: Hallo! Hallo! Sender-Schlagerliederbuch für das Jahr 1925.

Links: Abb. 42 Umschlag Molitor’s Lieblingsliederbücher, Band 10. Senderschlagerliederbuch für das Jahr 1925. / Rechts: Abb. 43 Titelblatt Molitor’s Lieblingsliederbücher, Band 10. Senderschlagerliederbuch für das Jahr 1925.

Band 11: Eia Popeia. 80 Spiel-, Wiegen- und Kinderlieder, darunter 15 Lieder mit Noten. Wien: Lyra-Verlag (H. Molitor), [1926]. Umschlagbild von G.v.Ferenchich.

Band 12: Wien im Lied und Tanz. Ein zeitgemäßes Liederbuch für das Jahr 1926. Zsgest. u. hrsg. von Oskar Molitor. Leipzig-Wien: Lyra-Verlag (H. Molitor) 1926.

Band 13: Wiener Bonbons. Ein lustiges Liederbuch für das Jahr 1927, darunter 10 Lieder mit Noten für Gesang oder Violine … [1927].

Band 14: Radio und Grammophon. Schlagerliederbuch.[15] (Siehe Abb. 41)

„Unser österreichisches Urheberrechtsgesetz weiß nichts vom Radio.“[16]

Wie wir wissen, bestand das Geschäftsmodel Oskar Molitors in der Erwerbung von Lizenzrechten von meist Wiener Originalverlegern. Gelegentlich kam er ihnen in die Quere. So geschehen im Jahre 1927. In einer Anzeige im Anzeiger für den Buch-, Kunst- und Musikalienhandel vom 3. Juni 1927 ließ der Verlag W. Karczag wissen, dass Molitor unberechtigte Nachdrucke seiner Werke veranstaltet hätte. Bei Karczag erschien nämlich die W. Karczag Operetten-Volksausgabe (1927). „Nur die von unserer eigenen Firma herausgegebenen Ausgaben dürfen im Handel rechtmäßig geführt werden. Die von der Firma Lyra-Verlag (H. Molitor) herausgebrachten 1/14-Ausgaben obiger Werke für Gesang mit Gitarrenbegleitung sind unrechtmäßige Nachdrucke und ist deren gerichtliche Verfolgung bereits im Gange.“[17] Der Ausgang ist nicht bekannt, aber die Behauptung von Karczag dürfte gestimmt haben. Karczags Klage gegen Molitor, also einen relativ kleinen Fisch, in diesem Jahr wegen einer Urheberrechtsverletzung war nicht die einzige. Finanziell viel bedeutender war ein Tantiemenstreit zwischen Wien und New York wegen der Tantiemen für die amerikanischen Aufführungen der Operette Das Dreimäderlhaus.[18]

Interessanter von einem literatursoziologischen Standpunkt aus ist ein Rechtsstreit im Jahre 1926, der aus heutiger Sicht skurrile Elemente aufweist und ein bezeichnendes Licht auf die Anfänge des Rundfunks in Österreich wirft. Als Band 10 von „Molitor’s Lieblingsliederbüchern“ erschien
Hallo! Hallo! Sender-Schlagerliederbuch für das Jahr 1925. Ein Blütenkranz von 44 der neuesten Schlager-Perlen als Blumenlese des modernen volkstümlichen Unterhaltungsliedes darunter 10 Lieder mit Noten für Gesang oder Violine (Mandoline) mit vollständigem Text ZUM MITSINGEN insbesondere bei den Radio-Rundfunk-Aufführungen.[19] (Siehe Abb. 43)

Das Bändchen trug zwar den üblichen Vermerk „Alle Rechte, insbesondere die der Originalverleger, vorbehalten“, aber wie stand es mit den Rechten der unmittelbaren Urheber bezüglich Aufführungen dieser „Hitparade“ der damaligen Zeit im Rundfunk? Eine Frage, die für Komponisten und Liedertextdichter angesichts des neuen Mediums keineswegs nebensächlich war. War die Wiedergabe der Liedtexte, die durch das Radio gesungen wurden, tantiemenpflichtig oder tantiemenfrei? Eine ganze Reihe populärer Textdichter und Komponisten, deren Werke Molitor für das Radio veröffentlicht hatte – und zu ihnen zählten Wilhelm Stärk, Peter Herz, Kurt Robitschek, Rudolf Schanzer, Ernst Welisch, Ludwig Hirschfeld, Bert Silving, Ernst Arnold, Robert Katscher, Rudolf Kronegger – sowie bekannte Musikverlagsfirmen wie Excelsior-Verlag, Drei Masken-Verlag (Berlin), Crescendo Verlag und der Ballett-Verlag – haben den Lyra-Verlag (H. Molitor) (sprich: Oskar Molitor) wegen Verletzung des Urheberrechtes geklagt. Molitor sah sich in keiner Weise schuldig und verantwortete sich damit, „er habe die Liedertexte zu Kulturzwecken veröffentlicht und mit dieser Sammlung ein Zeitdokument schaffen wollen, das nicht nur beim Gegenwartsmenschen, sondern auch einer späteren Generation die Kenntnis von dem leichtgeschürzten Geschmack unserer Tage vermittle. Im übrigen sei das Sammelwerk ‚Hallo, Hallo!‘ als Textbuch bei Radiovorführungen gedacht und unterliege schon aus diesem Grunde nicht den Bestimmungen bei Urheberrechtsgesetzen“.[20] Die Kläger bestritten den literarischen Wert auf das entschiedenste, aber sie gingen leer aus. Molitors Vorgangsweise ging mit dem geltenden Gesetz konform:

Das Gericht schenkte der Verantwortung des Angeklagten Glauben und sprach ihn mit der Begründung frei, dass nach § 25, Abs. 2 und 3 des Urheberrechtsgesetzes, Sammelwerke nicht unter den Schutz dieses Gesetzes fallen. Das Gericht nahm an, dass es sich tatsächlich um ein literarisches Werk gehandelt habe, wobei es nicht Sache des Gerichtes sei, den literarischen Wert der in die Sammlung aufgenommenen Lieder zu beurteilen. Wie aus dem Titel ersichtlich ist, erfolgte ferner der Abdruck der Texte zum Zwecke von Radioaufführungen und diese Art von Publikationen fällt ebenfalls nicht unter das Urhebergesetz. (ebda.)[21]

Bemerkenswert war, dass Oskar Molitor schon früher einmal wegen eines Bandes seiner Sammlung unter Anklage gestellt und aus den gleichen Gründen freigesprochen worden war. Rechteabgeltung stand im Mittelpunkt eines aufsehenerregenden „Schriftstellerkrieg(s) gegen die Ravag“[22], der im November 1927 von Arthur Schnitzler ausgefochten wurde. Wie in der heutigen Zeit mit immer neuen Speichermedien, hinkte der Urheberrechtsschutz mit dem Einzug des Rundfunks als Verwertungsmedium weit hinter den technischen Entwicklungen nach. Arthur Schnitzler klagte die Ravag., die Radio-Verkehrs A.G., weil sie sich geweigert hatte, ihm Tantiemen für die Vorlesung von drei seiner Novellen zu zahlen – nicht zuletzt erfolglos, weil das Gesetz eine solche Abgeltung nicht vorsah. Schnitzler bezeichnete die Vorgangsweise als „urheberunrechtliche Betrugsversuche“.[23] Die von der Ravag. im Frühjahr 1928 bezahlte Abgeltung sah man als einen Etappensieg für die Autoren.

Molitor’s Wiener Humorbibliothek

Zu erwähnen wäre eine weitere Reihe, nämlich Molitor’s Wiener Humorbibliothek. Als erstes Bändchen erschien 1922 das Werk von Karl Farkas: „Lenz und Liebe“ und andere Kinderkrankheiten. Knüttel- und Schüttelreime mit Titelzeichnung von Emerich Göndör. (Siehe Abb. 44 und 45)

Links: Abb. 44 „Lenz und Liebe“ und andere Kinderkrankheiten. Knüttel- und Schüttelreime von Karl Farkas. Leipzig-Wien: Lyra-Verlag (H. Molitor), [1922]. „Nr. 1“ der Reihe Wiener Humorbibliothek. / Rechts: Abb. 45 Anzeige für die neuesten Liederschlager von Karl Farkas

Es trägt zwar keinen Reihentitel, doch wurde das Farkas-Bändchen post festum als Nr. 1 bezeichnet. In einer überlieferten Anzeige, die die Rückseite vom Band 6 der Reihe bildete, sind fünf weitere Nummern quasi als „erschienen“ angezeigt: 196 Ho-Ho-Ho. Urwüchsige Wiener Witze nebst 3 Illustrationen, 190 Ha-ha-ha der besten Wiener Witze aus der guten alten Zeit nebst 3 Illustrationen, 192 He-he-he. Lachpillen von und für unsere Leut‘ nebst 3 Illustrationen, 203 Hi-hi-hi. Allerbeste Würze von Knoblauch bis Paprika nebst 3 Illustrationen, sowie als Band 7 Joe Gribitz: Pfui Schiedsrichter! 155 der besten Fußballwitze.[24] Es spricht einiges dafür, dass nur Band/Nummer 1 in den 1920er Jahren tatsächlich in den Handel gekommen ist.

Abb. 46 Schutzumschlag von Band 6 von Molitor’s Humorbibliothek sowie Anzeige für die Humorbibliothek in: Oskar Molitor: Vollständiges Verlagsverzeichniss (sic) des Oskar Molitor (Lyra) Musik-Verlages. Manuskript Wien 1945, o.P.

Der Schutzumschlag von Band 6 Skizzen aus der Polizeistube. 13 lustige Geschichten von U. Tartaruga (Siehe Abb. 46), der im Album Molitors aus dem November 1945 überliefert ist und hier abgebildet wird, stammt nämlich von Fritz Schönpflug. Die Ausgabe, die 1947 erschien, ist hingegen von Kóra illustriert worden. Das heißt, die Bändchen 2–7 der Wiener Humorbibliothek mögen in den 1920er Jahren fertig gewesen, wurden aber nicht ausgeliefert. Erst nach 1945 hat Molitor einige der genannten Bändchen aufgelegt.

Lyra-Sammlung. Schlager aller Volksausgaben

Lyra-Sammlung. Schlager aller Volksausgaben nennt sich eine weitere Reihe, die in den Jahren 1922 bis 1930 erschien[25]. Der Inhalt waren bekannte und beliebte Wiener-, Schlager-, Tanz- und Operettenlieder für Gesang oder Violine (Mandoline), Trompete oder Flöte mit vollständigem Text. Eine Verlagsanzeige zeigt die ersten 38 Nummern von Robert Stolz, Ernst Arnold, Heinrich Strecker und anderen. Wie viele dieser Lieder bereits in anderen Molitor-Sammlungen erschienen waren, ist unklar. Ein Beispiel aus dieser langjährigen Reihe (Nr. 60) zum Franz Schubert-Zentenarium wird hier abgebildet. Wie die „EMEL“-Karten“ waren die Karten der Lyra-Sammlung auch als Drucksache verwendbar gewesen. Wie die beiliegende Abbildung zeigt, hat Molitor, wie bei der 2. Serie der „EMEL“-Karten, Zeichnungen von Otto Peter, in diesem Fall aus Schuberts Liederzyklus Die schöne Müllerin (Nr. 69), benutzt.

Abb. 47 und Abb. 48 Beispiele aus Molitors Lyra-Sammlung in: Oskar Molitor: Vollständiges Verlagsverzeichniss (sic) des Oskar Molitor (Lyra) Musik-Verlages. Manuskript Wien 1945, o.P.

Die weitere Entwicklung des Verlags

1925 hat Molitor seine Firma expandiert und eine Filiale in Berlin eröffnet. Gleichzeitig übernahm er die Vertretung und Auslieferung des Orchesterverlags der Firmen Doblinger und Weinberger sowie die Verlagsvertretung der Firma Anton Goll für Berlin.[26] Im folgenden Jahr wurde bekannt, dass Molitor den alteingesessenen Musikalienverlag M. Bard in Wien käuflich erworben hatte.[27] Oskar Molitor, der in jüngeren Jahren in der Österreichischen Bergsteiger-Zeitung mit einem vielgefeierten Roman Hochtor. Ein Wiener Bergsteiger-Roman als Schriftsteller in Erscheinung getreten ist – das Werk wurde nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgelegt –, geriet, wie aus seiner Korrespondenz mit der Korporation der Wiener Buch-, Kunst- und Musikalienhändler hervorgeht, Anfang der 1930er Jahre in finanzielle Schwierigkeiten. Im Mittelpunkt stand die jährliche Korporationsgebühr, die er nicht leisten konnte. Mahnungen waren die Folge. Anfang 1934 bat er die Korporation um die gänzliche Streichung des Mitgliedsbeitrags, „weil ich seit drei Jahren meinen Betrieb so gut wie stillgelegt habe und schon lange nicht mehr von meinem Geschäfte lebe“.[28] Eine Kompromisslösung scheiterte am Unwillen Molitors, seine Konzession aufzugeben. In einem weiteren Schreiben 1935 heißt es, es gehe ihm „wirklich so schlecht“: „Nun geht es mit meinem Verlagsgeschäft seit fünf Jahren abwärts, sodaß ich seither auch nicht mehr von den Geschäftseinnahmen lebe u. halte dieses noch zusammen, weil ich doch noch noch einmal auf bessere Zeiten hoffe.“[29] Diese Zeiten kamen nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Zeitraum 1938 bis 1945 war Molitor nach eigener Angabe Mitarbeiter des Steyrermühlverlages (Tagblatt) und der „Tagblattbibliothek“. Der Gewerbeschein für seine Firma „Musikalienverleger Oskar Molitor (Lyra-Verlag)“, die er Tage nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in der Weihburgasse 18 wieder öffnete, wurde im Jahr 1956 zurückgelegt, Molitor starb in Wien im Juni 1978.

Abb. 49 Briefkopf der Firma Molitor nach 1945. In: Beispiel aus Molitors Lyra-Sammlung in: Oskar Molitor: Vollständiges Verlagsverzeichniss (sic) des Oskar Molitor (Lyra) Musik-Verlages. Manuskript Wien 1945, o.P.

Die Geschichte des Lyra-Verlags (H. Molitor) lässt eine Zeit aufleben, in der „Operettenschätze“ den Stellenwert von Popsongs (samt Musikdrucken) der vergangenen Jahrzehnte innehatten. Dank der erschwinglichen Preise und der durchaus attraktiven künstlerischen Gestaltung der Operettenkarten (zeitnah auch als Drucksache zu verwenden) konnte das Publikum Noten und Text von ihren Lieblingsliedern aus der zeitgenössischen Operettenszene käuflich erwerben und: mitsingen, obwohl das Operettengenre in höheren Kreisen, die nur für Klassik zu haben waren, offensichtlich gering(er)geschätzt wurde. Die mehr als ein Dutzend Bändchen umfassende Reihe Molitor’s Lieblingsliederbücher zeigt als Geschäftsmodell, wie Molitor mit der zeitgenössischen Schlagermusik à jour war. Mit dem Aufkommen des neuen Mediums Radio gegen Mitte der 1920er Jahre war Molitor mit seinen kleinformatigen, auf Rotationspapier gedruckten Heften gleich auf dem Markt, damit seine Käufer das im Radio Gehörte sofort mitsingen konnten. Wir können davon ausgehen, dass Molitors Kartenserien und Liederbücher nicht die einzigen auf dem Markt waren, doch, wie schon mehrfach betont, wurden sie (weil minderwertig?) etwa von den wichtigsten Wiener Bibliotheken weder systematisch noch unsystematisch gesammelt und somit bibliographiert.  Da bleibt die Erfassung dieser auch kulturhistorisch interessanten Objekte dem Zufall oder einem glücklichen Griff in eine antiquarische Wühlkiste überlassen.

[1] Die Serie konnte nicht bibliographisch nachgewiesen werden. Zu den anderen (Künstler-)Postkartenverlagen dieser Zeit in Wien, die bestenfalls namentlich belegt sind, zählen z.B. Postkartenverlag M. Eisenmenger, Deutsch’s Postkartenverlag, Amon Göth, Buch-, Kunst- und Postkartenverlag, Postkartenverlag Franz Schöler, Katholischer Postkartenverlag, P. Ledermann Postkartenverlag, Postkartenverlag „Bediene dich selbst“, Weihs & Co., Postkartenverlag, Sperlings Postkartenverlag, Postkartenverlag Ferdinand Morawetz, Postkartenverlag Schwarz.
[2] Ein Musterbeispiel ist der Webauftritt der Firma Bosworth & Co., die 1902 nach Wien zog und 1939 die sehr bedeutende Musikfirma Josef Blaha übernahm. In der ausführlichen Firmengeschichte wird die NS-Zeit nicht ausgespart. Gut dokumentiert ist auch die Universal Edition (siehe u.a. die Publikation UE Universal Edition 1901–2001. Wien: Universal-Edition 2000).
[3] Anders das bedeutende, 1817 gegründete Musikhaus Ludwig Doblinger (siehe Mitteilungen, 2017-1, S. 7–8). Auf dessen Website („über uns“) hört die Aufbereitung der 200jährigen Geschichte (2017) mit dem Jahr 1876 auf. Eine etwas ausführlichere Darstellung von Walter Weidringer (http://www.doblinger-musikverlag.at/dyn/kataloge/01_200J_DOBLINGER_D.pdf): Zwei hundert Jahre Musikhaus Doblinger blendet die Geschichte des 20. Jahrhunderts nicht aus, aber Doblinger hätte besser – aus einem solchen Anlass – eine eingehende, gründlich recherchierte Geschichte des Unternehmens in Auftrag geben können. Noten- und Firmenarchive sind öffentlich zugänglich. Andere Darstellungen im Internet sind auch nicht informativer. Hier ist eine Parallele zur Firma (Wilhelm) Frick, die im Jahr 2013 das 145jährige Jubiläum feierte, zu ziehen. Die dort geschilderte Firmengeschichte hört mit dem Tod von Wilhelm Frick im Jahre 1886 auf. Dazu ausführlicher der Aufsatz des Verf. 145 Jahre Wilhelm Frick in Wien. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Buchforschung in Österreich 2014-1, S. 57–70.
[4] Einige Beispiele in keiner besonderen Reihenfolge: M. Bard, Josef Blaha, Anton Böhm & Sohn, Bosworth & Co., Hugo Botstiber, Ludwig Doblinger, Drei Masken-Verlag, Josef Eberle, Edition Karl Brüll, Edition Bristol (Musik- und Bühnenverlag), Figaro Verlag, Verlag W. Karczag, Walter Leidenfrost, „Lyra“-Chormusiksverlagshaus, „Melodia“ Musikverlag, Mignon-Verlag, Musikverlag „Lloyd“, Max Pfeffer, Adelheid Pölzl, „Rapid“ Musikalienverlag, F. Rörichs Nachf. Otto Wagner, Robert Rühle, Universal-Edition, Josef Weinberger, Wiener Bohème-Verlag, Wiener Musikalien-Verlag, Wiener Philharmonischer Verlag, Karl Winkler, Musikverlag Gabor Steiner, Arion Verlag Franz Christ, Wiener Phönix-Verlag, Wiener Excelsior Verlag, Edition Scala, Anton Goll. Eine Vielzahl von Titelblättern von Musikdrucken 1914–1917 wird abgebildet bei Martina Nußbaumer: „Jetzt ist die Stunde da, in der nur das Höchste laut werden darf“. Zur Aufrüstung des klassischen Musiklebens. In: Alfred Pfoser/Andreas Weigl (Hg.):, Im Epizentrum des Zusammenbruchs. Wien im Ersten Weltkrieg. Wien: Metroverlag 2013, S. 374–385.
[5] Oskar Molitor: Vollständiges Verlagsverzeichniss (sic) des Oskar Molitor (Lyra) Musik-Verlages. Manuskript Wien 1945, o.P. Neben einem autobiographischen Teil und einer Chronologie der Firmenentwicklung finden sich hier zahlreiche Verlagsanzeigen und Werkillustrationen. Eines der vier hergestellten Typoskripte wurde der Wienbibliothek gewidmet (B 118 339). Spärliche Details zum Lebenslauf Molitors in den 1930er Jahren finden sich im gelöschten Firmenakt (Beginn der Unterlagen 1931) in der Wirtschaftskammer Österreich – Archiv, Bestand: Archiv Fachgruppe Buch- und Medienwirtschaft Wien. Verf. dankt Frau Birgitt Rupp für ihre freundliche Hilfe.
[6] Laut Angaben im Firmenakt der Wirtschaftskammer Österreich – Archiv, Bestand: Archiv Fachgruppe Buch- und Medienwirtschaft Wien.
[7] Molitor’s Novellenschatz (1919) wird in der eigenen Werbung als „Novellenschatzkästlein“ bezeichnet, die Serie Molitors Lieblingsliederbücher wird auch als Molitors Lieblings-Liederbücher bezeichnet, die drei Serien der „Emel“-Karten entpuppen sich post festum als Schatzkästlein moderner Operetten, ohne dass das in der Werbung erkennbar ist, und Molitors wird einmal mit, einmal ohne Apostroph geschrieben.
[8] In der Firmenchronik (Siehe Anm. 5) steht beim Jahr 1917: „Liederkarten erste Serie“.
[9] In: Neues Wiener Journal, Nr. 12.374, 5. Mai 1928, S. 9. Für viele Hinweise zur Biographie v. Ferenchichs bin ich Frau Dr. Barbara Denscher, Wien, zu Dank verpflichtet. V. Ferenchich war neben dem Lyra-Verlag für eine ganze Reihe von (Wiener) Musikverlagen tätig: Gabor Steiner Verlag (Leo Singer & Co.), Wiener Bohème Verlag, Verlag Josef Weinberger, Drei Masken Verlag, Wiener Excelsior Verlag, Befa-Verlag (Berlin), Edition Scala, Verlag von Josef Blaha, W. Karczag, Crescendo Theaterverlag (Berlin), Verlag M. Bard, Sirius-Verlag, Mozarthaus, Hupfeld (Amsterdam).
[10] Es ist nicht auszuschließen, dass Molitor die Rechte auf fünf Motive Otto Peters von Ludwig Doblinger kaufte. Doblinger hatte eine ähnliche Publikation mit dem Titel „Bunte Reihe“ in den 1880er Jahren herausgegeben.
[11] Hier wird die Schreibweise des Nachnamens von der Postkarte übernommen. Ansonsten wird der Name Granichstaedten geschrieben.
[12] Eine im Besitz des Verf. befindliche Kassette beinhaltet die drei Operettenschlagerserien. Die Kassette selbst war nicht bibliographisch nachweisbar. Um die Verwirrung für den Bibliographen noch zu vergrößern, spricht Molitor in Zusammenhang mit der dritten Serie von „Operettenlieder-Schlager-Karten“ (BC, 26.2.1919, S. 127.)
[13] So besitzt etwa die Deutsche Nationalbibliothek lediglich einige Ausgaben aus der wiederaufgenommenen Reihe 1947 und 1948. Die Wiener Bibliotheken besitzen nur einzelne Ausgaben aus den 1920er Jahren.
[14] Das interessante Blatt (Wien), 14. August 1919, S. 13. Die UB Wien ist die einzige Wiener Bibliothek, die die Serie komplett hat.
[15] Die angegebenen Erscheinungsjahre sind nicht bibliographisch gesichert. Sofern die Bändchen überhaupt autopsiert werden konnten – und die Wiener Bibliotheken haben nur vereinzelt Exemplare – folgte die Titelangabe dem jeweiligen Titelblatt. Die Umschläge waren zwar graphisch interessant gestaltet, doch haben sie dermaßen viel Schrift, dass ein Leser nur verwirrt sein kann. Es ist fraglich, ob Band 14 (der bibliographisch nirgendwo nachweisbar ist) tatsächlich in den Handel gekommen ist. In Oskar Molitor: Vollständiges Verlagsverzeichniss (sic) des Oskar Molitor (Lyra) Musik-Verlages. Manuskript Wien 1945, findet sich eine großflächige, farbige Reklame für die Lieblingsliederbücher, wo auch der Cover von Band 14 angezeigt ist. Der Umschlag zeigt neben der Titelangabe einen schwarzen Saxophonspieler.
[16] Der Schriftstellerprozeß gegen die Ravag. In: Arbeiter-Zeitung, 19. November 1927, S. 7.
[17] Anzeiger für den Buch-, Kunst- und Musikalienhandel, Nr. 22, 3. Juni 1927, S. 144.
[18] Siehe dazu die Berichte in Neues Wiener Journal, 20.5.1927, S. 11–12 und ebda., 30.9.1927, S. 12, sowie Neue Freie Presse, 30.9.1927, S. 10. Eine ausführliche Geschichte der Firma Karczag, vor allem der Entwicklungen in der NS-Zeit bietet die Seminararbeit von Wolfgang Böhm aus dem WS 2001/2002 an der Universität Wien.
[19] Das ist der Wortlaut des Titelblatts! Die Angaben auf dem Schutzumschlag sehen, wie gewohnt, anders aus. Da heißt es z.B. „zum Mitsingen insbesonders bei den Radioaufführungen“ und „hier Radio Wien/hier Rundfunk Berlin“ – daher die Erwähnung von „Radio-Rundfunk-Aufführungen“ am Titelblatt.
[20] Die Radiotexte sind nach dem Urheberrecht frei. In: Neue Freie Presse, 28. Jänner 1926, S. 3.
[21] Die Arbeiter-Zeitung (15. September 1926, S. 10) berichtete über den Fall unter der Überschrift „Die Wiener Operettentexte haben keinen literarischen Wert“ und merkt an, dass Molitor die Autoren nicht um Erlaubnis zum Abdruck der Texte gebeten hätte.
[22] Der Schriftstellerkrieg gegen die Ravag. Der Kampf um die Vortragstantiemen. – Eine bewegte Protestversammlung. In: Neues Wiener Journal, 18. November 1927, S. 5–6. Siehe auch Sturm gegen die „Ravag“. In: Kleine Volks-Zeitung, 18. November 1927, S. 6.
[23] Brief von Arthur Schnitzler an Heinrich Schnitzler, 29.10.1927. In: Arthur Schnitzler: Briefe 1913–1931. Hrsg. von Peter Michael Braunwarth, Richard Miklin, Susanne Pertlik und Heinrich Schnitzler. Frankfurt am Main: S. Fischer 1984, S. 500.
[24] Die hier genannten Bände wurden alle in den 1920er Jahren in Verlagsanzeigen als erschienen angegeben. Die entsprechende Anzeige aus dem Jahr 1922 findet sich in „Molitor’s Lieblingsliederbücher“, Band 12, S. U2. In den Bibliothekskatalogen wird allerdings, wohl weil Oskar Molitor die Reihe nach 1945 neu aufgelegt und erweitert hat, ab Band 2 das Erscheinungsjahr 1946 bzw. 1947 erschlossen. Bis auf das Bändchen von Farkas konnte kein weiteres Exemplar dieser Reihe (1922) in einer Wiener Bibliothek gefunden werden. Die Reihe wird unterschiedlich Humor-Bibliothek und Humorbibliothek genannt, genauso wie Lieblingsliederbücher und Lieblings-Liederbücher.
[25] Die Musiksammlung der ÖNB, die einen Bruchteil der Ausgaben der Lyra-Sammlung besitzt, zeigt Nummern der Lyra-Sammlung bereits im Jahr 1916 an. Eine letzte Nummer (73) wird mit Erscheinungsjahr 1930 angegeben.
[26] Anzeiger für den Buch-, Kunst- und Musikalienhandel, Nr. 5, 30.1.1925, S. 40.
[27] Anzeiger für den Buch-, Kunst- und Musikalienhandel, Nr. 15, 9.4.1926, S. 104.
[28] Schreiben Oskar Molitors an die Korporation, 25.1.1934. Firmenakt Oskar Molitor in Wirtschaftskammer Österreich – Archiv, Bestand: Archiv Fachgruppe Buch- und Medienwirtschaft Wien.
[29] Schreiben Oskar Molitors an die Korporation, 5.2.1935. Ebenda.

Beitrag teilen: