Eine Tour durch Frankreich auf Plakaten

Detail aus dem Buchcover unter Verwendung eines Plakates von Yves Ja für den bretonischen Badeort Dinard aus dem Jahr 1933

Eine Reise durch Frankreich der besonderen Art bietet das jüngst erschienene Buch „Un tour de France en affiches“ von Jean-Didier Urbain. Der Ethnologe und Tourismushistoriker unternimmt in der Publikation am Beispiel historischer Eisenbahnplakate eine virtuelle Tour durch sein Heimatland. Die Fahrt beginnt in der Normandie und führt durch die unterschiedlichen Regionen des Landes, wie etwa die Bretagne, das Loiretal, die Provence, die Côte d’Azur, dann über die Alpen, ins Burgund und schließlich in die Île-de-France und damit nach Paris, um nur einige der dargestellten Gebiete zu nennen.

Die Geschichte der mit Maschinenkraft betriebenen Eisenbahn begann in Frankreich bereits 1830 mit der Verbindung zwischen den beiden südlich von Lyon gelegenen Städten Givors und Rive-de-Giers. Es war dies die erste, rund fünfzehn Kilometer lange Teilstrecke der wenig später fertiggestellten Linie Saint-Étienne–Lyon. Bald danach war Frankreich bereits von einem dichten Eisenbahnnetz überzogen, das vom Zentrum Paris ausging. So wie in allen anderen europäischen Staaten waren die Eisenbahnen auch in Frankreich ein wesentlicher Motor touristischer Aktivitäten. Um die notwendige Auslastung ihrer Strecken zu erreichen, bewarben die französischen Bahnen seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die verschiedensten Destinationen des Landes mit vielen, grafisch überaus attraktiven Plakaten.

Bei der Entwicklung des Tourismus in Frankreich waren Plakate, wie Jean-Didier Urbain vermerkt, nicht nur als reines Werbemedium von Bedeutung, sondern mit den Affichen wurden, so legt Urbain dar, auch spezielle touristische Aktivitäten für die unterschiedlichen Regionen definiert. So hatte man in Chamonix Ski zu laufen, in Vittel zu kuren, in Le Mans Autorennen zu besuchen, an der Côte d’Azur zu baden, in Vichy Golf oder in Monte Carlo Tennis zu spielen. Die Werbung gab gewisse Rollenbilder für den Tourismus vor, und die KonsumentInnen versuchten diesen Vorgaben nachzueifern – ein Konzept, das bis heute die Tourismusindustrie weithin bestimmt.

Neben den aufschlussreichen Texten zur Tourismusgeschichte der einzelnen Regionen hat der Autor eine nicht nur kulturhistorisch, sondern auch optisch reizvolle Zusammenstellung an historischen Plakaten erstellt. So bekannte Namen wie Alfons Mucha, F. Hugo d’Alesi, Constantin Duval, Pierre Fix-Masseau oder Roger Broders machen das Buch auch zu einem Kompendium des französischen Grafikdesigns.

Urbain, Jean-Didier: Un tour de France en affiches, Paris 2015.

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